Anschluss 1938
Von der Machtübernahme zu "Groß Wien"
Propaganda für die von Schuschnigg geplante Volksabstimmung - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Propaganda für die von Schuschnigg geplante Volksabstimmung.
Wahlwerbung der Vaterländischen Front. Abfahrt vom Josefsplatz.
10./11.3.1938. Foto: Leo Ernst - Albert Hilscher
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Der "Anschluss" stellt sich als dreifache Machtübernahme dar:
...als massive militärische Drohung durch den Einmarsch der Wehrmacht, begleitet von einer noch früher einsetzenden Polizeiaktion von Himmlers Gestapo;  als Machtübernahme von einheimischen Nationalsozialisten und Sympathisanten, die sich bereits in niedrigeren wie auch höheren Positionen des "Ständestaates" befanden; und als demonstrative Machtübernahme "von unten" durch bedrohlich wirkende Straßendemonstrationen, offenen Aufmarsch von bislang verbotenen Parteiformationen und symbolische Aktionen.
Spontane Siegesfeiern der Nationalsozialisten in Wien - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Spontane Siegesfeiern der Nationalsozialisten in Wien.
NS-Truppauf einem Lastwagen. 11./12.3.1938. Foto: Dietrich
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Der Propaganda kam hierbei eine besondere Schlüsselrolle zu. Ihre Wirksamkeit ergab sich aus dem Zusammenfließen von Inszenierung und Faszination. Propaganda ersetzte reale Macht, wo sie noch nicht ausgeübt werden konnte, schüchterte politische Gegner ein und weckte Hoffnungen bei den Anhängern. Der Aufbau des dazu nötigen Propagandaapparates schuf gleichzeitig Grundlagen für den zukünftigen Parteiapparat der NSDAP als eine die gesamte Gesellschaft durchdringende Organisation.
Hitlerjugend marschiert in Wien. 11./12.3.1938. Foto: Albert Hirscher - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Hitlerjugend marschiert in Wien. 11./12.3.1938. Foto: Albert Hirscher
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Auch Kinder wurden mobilisiert, um den "Anschluss" propagandistisch zu unterstützen, sie waren als die Hoffnungsträger der neuen Zeit Adressaten der NS-Propaganda. Nationalsozialismus in Österreich bedeutete auch eine entscheidende Veränderung des Schulsystems, das sich widerstandslos und durchaus bereitwillig an die neuen Gegebenheiten anpasste.
Einzug von Truppen der Deutschen Wehrmacht in Wien - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Einzug von Truppen der Deutschen Wehrmacht in Wien.
Ein Panzerwagen wird von Wiener jugendlichen besichtigt.
13.3.1938. Foto: Albert Hilscher
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
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Ausgerichtet auf die Erfassung des "ganzen" Menschen, sollte dem einzelnen möglichst wenig individueller Spielraum gegeben werden. Persönliche Entscheidungen über Sinnbezüge des eigenen Lebens und Einsicht in gesamtgesellschaftlich-politische Zusammenhänge durften gar nicht aufkommen. Trotz der scheinbaren Zuwendung zu den Kindern war diese staatlich verordnete Pädagogik durch eine menschenverachtende Erniedrigungsideologie bestimmt, die im Rassenantisemitismus, der Doktrin vom "lebensunwerten" Leben und der Abwertung von allem Fremden zum Ausdruck kam. Kameradschaftliches Handeln im Sinne der Solidarität mit den Schwächeren hatte in diesem Erziehungssystem keinen Platz. An seine Stelle traten gegenseitige Überwachung und Disziplinierung zur bedenkenlosen Ausführung von "oben" gegebener Befehle.
Kundgebung der HJ mit Baldur von Schirach am Heldenplatz in Wien.
13.3.1938. Foto: Dietrich
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Zentrale Leitlinie der nationalsozialistischen Politik im Kulturbereich war die Ausgrenzung jüdischer Künstlerinnen und Künstler, die in Deutschland seit 1933 durch eine Reihe von bürokratischen Maßnahmen vorgezeichnet war: Zwangsmitgliedschaft in den entsprechenden Fachkammern der Reichskulturkammer als unbedingte Berufsvoraussetzung, bei gleichzeitiger Ablehnung von "Nicht-Ariern"; totale politische Supervision des Sprech- und Musiktheaters, aber auch des Literatur- und Verlagsbetriebes sowie der Filmproduktion durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter der Leitung von Joseph Goebbels.
Hitler in Wien - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Hitler in Wien. Fahrt auf der Ringstraße.
14.3.1938. Foto: Albert Hilscher
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Politisch "Unzuverlässige und Ungeeignete" wie Kommunisten, Sozialisten, anti-nationalsozialistisch eingestellte Konservative, religiöse Aktivisten und Homosexuelle wurden ebenfalls "als Parasiten der Kultur" ausgeschaltet. Gleichzeitig sollte der Hochkulturbetrieb für die Herrschaftsstablisierung instrumentalisiert werden, wobei letztlich keine neue "ur-deutsche" ("Blut- und Boden"-)Kulturbewegung geschaffen, sondern die bürgerliche Klassikerpflege (unter Ausschluss des Erbes toter und lebender jüdischer Künstlerinnen und Künstler) forciert wurde.
Hilfsgüter aus Deutschland. Fleischverteilung (Schweinefleisch)
an die Wiener Bevölkerung durch Hilfszug Bayern; 1938.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Es genügte den Regimegrößen, nach innen und im Ausland zu dokumentieren, dass das scheinbar revolutionäre NS-Regime in der Nachfolge bürgerlicher und monarchistischer Herrschaftsträger stand. Noch intensiver gestaltete sich das NS-Engagement in der Unterhaltungsindustrie, vor allem im Film, in dem die "Wien-Film" mit Produktionen voll von platter Operettenseligkeit weiter reüssierte. Unterhaltung war ein psychologisch geschickt inszenierter Versuch, von politischer Repression und der massiven rassistischen Verfolgung abzulenken. Künstlerinnen und Künstler ordneten sich - mit wenigen Ausnahmen des Widerstandes - vorerst rasch in das neue politische System ein, teilweise auch deswegen, weil die Arbeits- und Produktionsbedingungen vorerst aufgrund erhöhter staatlicher Ausgaben wesentlich besser waren als in den Zeiten hoher Arbeitslosigkeit.
Parade in Wien - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Parade in Wien. Deutsche Panzerfahrzeuge in der Universitätsstraße;
im Hintergrund rechts die Votivkirche. 15.3.1938
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Politischer Vereinnahmung wurde meistens nur im privaten Bereich und vereinzelt Hilfeleistung für verfolgte KollegInnen entgegengestellt. Der nationalsozialistische Staat bemühte sich sofort nach dem "Anschluss", auch die Frauen für sich zu gewinnen. Die Propaganda rückte vor allem die Mütter in den Mittelpunkt. Diese vorgegebene Hochachtung der Mutterschaft sollte dazu dienen, die Frauen zur Geburt möglichst vieler "rassisch wertvoller" Kinder anzuregen, um dem durch sinkende Kinderzahlen angeblich drohenden Abstieg des deutschen Volkes entgegenzuwirken.
NSV veranstaltet Wunschkonzerte für die Flüchtlingshilfe; Menschenschlange
vor dem Lokal der NSV-Ortsgruppe Ottakring in der Deinhardtsteingasse; 1938.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Frauen sollten möglichst auf den Haushalt oder Sozialberufe beschränkt bleiben. Im Laufe des Krieges kam es jedoch zu einem empfindlichen Mangel an Arbeitskräften, so dass auch Mütter als Arbeiterinnen in die Rüstungsindustrie gezwungen wurden. Die Erziehung der Mädchen zielte eindeutig auf Haushalt und Mutterschaft ab. Im "Pflichtjahr" mussten junge Mädchen unbezahlt in der Landwirtschaft, bei kinderreichen Familien oder in den Haushalten hochrangiger Nationalsozialisten arbeiten. Auf diese Weise sollten sie ihre zukünftige Tätigkeit als Hausfrau und Mutter einüben.
Göring am Heldenplatz - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Göring am Heldenplatz. 27.3.1938
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
In politischer Hinsicht waren die Frauen allerdings von jeder Mitwirkung ausgeschlossen, die nationalsozialistische Frauenorganisation war auf allen Ebenen männlichen Funktionsträgern unterstellt. Viele Frauen fanden es trotzdem reizvoll, nunmehr propagandistisch umworben zu sein, und passten sich den nationalsozialistischen Normen an. Frauen beteiligten sich auch an Verfolgungshandlungen und wurden so zu Mitbeteiligten an den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Die Wertschätzung galt aber nur angepassten und den rassistischen Maßstäben entsprechenden Frauen. Jene, die sich dem Regime widersetzten, wurden ebenso rücksichtslos verfolgt wie Frauen, die mit Juden, Kriegsgefangenen oder Fremdarbeitern Beziehungen aufnahmen. Trotz der drohenden Verfolgung leisteten zahlreiche Frauen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Sie wurden in Gefängnissen oder Konzentrationslagern inhaftiert; selbst junge Mütter wurden hingerichtet. Aus Osteuropa als Zwangsarbeiterinnen ins Deutsche Reich gebrachte Frauen waren völlig rechtlos; ihnen war es sogar verboten, Kinder zu bekommen, und bei ihnen wurden zwangsweise Abtreibungen vorgenommen, falls sie trotzdem schwanger wurden. In der nationalsozialistischen Propaganda standen die "nationalen" Motive des "Anschlusses" im Vordergrund.
Marsch der Österreichischen Legion durch das Heldentor - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Marsch der Österreichischen Legion durch das Heldentor.
1.4.1938. Foto: Albert Hilscher
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Doch der wirkliche Grund des Einmarsches in Österreich war ein anderer: 1938 stieß die deutsche Rüstungswirtschaft an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Die Fortsetzung der Aufrüstung schien in Frage gestellt. Denn es mangelte an Rohstoffen, Arbeitskräften, freien Industriekapazitäten und - nicht zuletzt - an Devisen zum Import rüstungswichtiger Güter. Nicht der Autobahnbau oder andere Arbeitsbeschaffungs- Maßnahmen hatten im Deutschen Reich seit 1933 die Arbeitslosigkeit reduziert, sondern die Vorbereitung eines neuen Krieges.
Klebeaktion der HJ - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Klebeaktion der HJ. März 1938
aus "Hans Petschar; Anschluss - Eine Bildchronologie"
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das "Blitzkrieg"-Konzept sollte Deutschland in die Lage versetzen, ein Land nach dem anderen seinem Einflussbereich einzuverleiben und mit dem so gewonnen Zuwachs an Wirtschaftskraft den jeweils nächsten Gegner auszuschalten. Im Rahmen des 2. Vierjahresplans, der 1936 unter der Federführung Hermann Görings ausgearbeitet worden war, hatte neben der Entwicklung von Ersatzstoffen (etwa für Gummi und Erdöl) die Sicherung des Zugangs zu nicht-substituierbaren Gütern (wie dem Eisenerz aus dem steirischen Erzberg) oberste Priorität.

Es ist daher kein Zufall, dass Österreich und die sogenannten sudetendeutschen Gebiete der Tschechoslowakei mit ihren reichen ökonomischen Ressourcen schon vor 1938 im Blickfeld des Nationalsozialismus lagen und dass diese Länder als erste "angeschlossen" wurden. An Österreich interessierten neben dem Erzberg die ungenutzten Wasserkräfte, die Erdölvorkommen im Marchfeld, die Schwerindustrie, der Maschinenbau und die Gold- und Devisenreserven der Oesterreichischen Nationalbank, die jene der Deutschen Reichsbank 1938 um ein Vielfaches übertrafen.
(Text auszugsweise: NS-Herrschaft in Österreich - www.doew.at)
Wien 18, Gentzgasse 62. NS-Geschäftsstelle in der 'Gastwirtschaft Altes Währinger
Bräuhaus', Straßenfront im Festschmuck anlässlich Hitlers Geburtstag mit Hitlers
 Konterfei: 'Heil und Sieg dem Volkskanzler'; davor eine Ehrenwache der SA; 1933.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mit Deutschland und Italien war Österreich in diesen Jahren eingekreist von Staaten faschistischer Prägung.  Sowohl dem politischen wie dem wirtschaftlichen Druck vermochte das Land immer weniger standzuhalten, und im März 1938 erfolgte der "Anschluss" an Hitler-Deutschland. Adolf Hitler, der anlässlich seines ersten Besuches im Wiener Rathaus davon sprach, dieser "Perle", der Stadt Wien, eine würdige Fassung geben zu wollen, sollte mit seiner Politik freilich nicht nur über Europa und die Welt, sondern auch über Österreich und Wien schweres Leid bringen.
VW Typ 82 Kübelwagen - © Erhard Gaube - www.gaube.at
VW Typ 82 "Kübelwagen"
Von 1939 bis 1945 wurden über 50.000 Stück hergestellt.
Exponat im Heeresgeschichtlichen Museum © Erhard Gaube - www.gaube.at
 Der in Wien seit vielen Jahrhunderten, vor allem aber seit der Jahrhundertwende herrschende Antisemitismus verband sich mit der letztlich auf die Vernichtung des jüdischen Bevölkerungselements gerichteten Politik der Nationalsozialisten,  und im November 1938 fielen die Wiener Synagogen, damit die Zentren des religiösen wie sozialen Lebens der jüdischen Mitbürger, der Zerstörungswut des "Novemberpogroms" ("Reichskristallnacht") zum Opfer.
Fieseler Fi 156 Storch - © Erhard Gaube - www.gaube.at
Der Fieseler Fi 156 „Storch“ war das bekannteste Kurier- und Beobachtungsflugzeug im 2. Weltkrieg. Exponat im Heeresgeschichtlichen Museum © Erhard Gaube - www.gaube.at
 Bereits im Oktober 1938 war es zu einer umfassenden Gebietserweiterung von Wien gekommen, wobei man Vorbildern, wie etwa Groß-Hamburg, folgte. 97 niederösterreichische Gemeinden kamen damals zu Wien, die Zahl der städtischen Bezirke (bisher 21) stieg auf 26, die Erweiterung reichte in alle Himmelsrichtungen tief in bisher niederösterreichisches Gebiet hinein, das Stadtgebiet hatte sich verdreifacht.
Schwere Feldhaubitze
Schwere Feldhaubitze
 In diesem territorialen Rahmen erlebte die Stadt und ihre Bevölkerung die Jahre des Zweiten Weltkriegs, der im Gegensatz zu den Geschehnissen der Jahre 1914 - 1918 nun auch Wien unmittelbar betraf. Ab dem Jahre 1943 erfolgten immer wieder Bombenangriffe der Alliierten, das Kriegsende in den Apriltagen des Jahres 1945 sah Kampfhandlungen mitten in der Stadt.
© Pressebildagentur Votava
Bild zeigt einen Soldaten mit seiner Familie Archivbild 1943
© Pressebildagentur Votava
Nach 1938 brach in Wien eine Planungseuphorie aus. Die führenden Kräfte in der Stadtverwaltung entwickelten Neugestaltungsprojekte in gigantischem Ausmaß: eine Monumentalstraße auf den Kahlenberg, wurde entworfen (1938), ein „Kultbezirk“ auf dem Heldenplatz (1940), vor allem dachte man aber an ein Näherrücken Wiens an die Donau, einmal durch die Schaffung einer „Nordstadt“ für 150 000 Menschen zwischen Floridsdorf und Kagran, zum andern durch die Schaffung eines riesigen Aufmarsch- und Festgeländes in der Verlängerung der Ringstraße über den Donaukanal. Es war vorgesehen, die Leopoldstadt, die Wiener Judenstadt, völlig abzubrechen, die Vertreibung ihrer Bewohner war ja längst im Gang. Am donauseitigen Ende des „Parteiforums“ sollte ein offizieller Ankunftsplatz für Gäste samt einem Zentralbahnhof entstehen, am stadtseitigen unter Schleifung der Gegend um Ruprechtskirche und Kirche Maria am Gestade ein alle historischen Bauten überragendes „Nationaldenkmal“. Nicht zuletzt, weil das von Hitler gehasste Wien seiner Jugend nicht zu den „Neugestaltungsstädten“ erklärt worden war, kamen die Pläne von „Wien an der Donau“ bald zum Erliegen. 
© Pressebildagentur Votava
Kriegsbetrieb
© Pressebildagentur Votava
 1.Mai. Das „Ostmarkgesetz“ tritt in Kraft. Für Wien bringt es die endgültige Umwandlung von einer Landes- in eine reichsunmittelbare Verwaltung unter dem Reichstatthalter. Der Bürgermeister singt zu dessen Stellvertreter in der Stadtverwaltung herab und nimmt lediglich den Rang eines Ersten Beigeordneten (etwa: Stadtrat) ein. Diese so genannte „Selbstverwaltung“ Wiens ist auf politisch unwichtige und administrative Aufgaben beschränkt. Gezielte Kommunalpolitik wird ab 1938 dem Ausbau von Industrie- zu Rüstungsunternehmen (Simmeringer Paukerwerke, Floridsdorfer Waggonfabrik, DDSG) und kriegssichernden Maßnahmen (Flaktürme ? 1944) untergeordnet.
Posthelferinnen
Posthelferinnen bei der Arbeit in einer Postsammelstelle
 Bald nach dem „Anschluss“ lernten die Wiener auch im täglichen Leben reichsdeutsche Besonderheiten kennen: die unzähligen Sammlungen, die auf der Straße in Wohnhäusern und Betrieben durchgeführt wurden. Da war ab Oktober 1938 die Eintopfspende mit dem verordneten sonntäglichen Eintopfessen in Gasthäusern und Haushalten als „Ausdruck der deutschen Volksgemeinschaft“; es gab die wiederkehrenden Sammlungen für das Winterhilfswerk (WHW).
Metallspendeschein aus dem Jahr 1940 © Erhard Gaube - www.gaube.at
Metallspendeschein aus dem Jahr 1940 - © Erhard Gaube - www.gaube.at
Anfang 1940 etwa wurde in Wien mit großem Aufwand eine derartige Sammlung veranstaltet, für die viele Schauspieler der Gauhauptstadt auf Plätzen und in Lokalen Stimmung machen mussten. Für eine Spende – die Aktion brachte 551 000 Reichsmark – erhielt man Alt-Wiener Lokalfiguren aus Bakelit an den Rockaufschlag bzw. Mantelkragen geheftet. Gesammelt wurde in diesen Kriegsjahren nicht nur Geld, sondern auch Altpapier, Knochen, Metall, Lumpen, Bücher, Flaschen, Spielzeug und – im Spätherbst 1941, als sich zeigte, dass die Soldaten an der Ostfront nur unzureichend ausgerüstet waren – Winterkleidung und Skiausrüstungen. Der letzte „Großsammeltag zum Volksopfer“ im Jänner 1945 kam dem Zwang gleich, auch die letzten Reserven zu geben: Vorhänge, Kleider, Öfen, Essbesteck…
Kunststoffdispersion
Mappe, Schultasche, Gürtel und Behältnisse aus Lederersatz (Kunststoffdispersionen).
 6.April. Lebensmittel werden knapper. In den drei Kriegsjahren ist das tägliche Leben härter und mühsamer geworden Längst hat man sich an die Essensbeschaffung mit Lebensmittelkarten, an Ersatzstoffe und an Sparrezepte gewöhnt: „Stellt nur Pellkartoffeln, Erdäpfel mit Schöler, auf den Tisch!“
 
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Frauen im Kriegseinsatz bis zuletzt an der Arbeit
© Pressebildagentur Votava
Ab dem Winter 1941/42 jedoch wird die Ernährungslage prekär; Normalverbraucher erhalten 1942 neben 2000 Gramm Brot, 206 Gramm Fett und 300 Gramm Fleisch 3(1044: 1) Kilo Kartoffeln in der Woche und 2 (1943: 1) Eier im Monat. Obst und Gemüse gibt es selten, Sonderzuteilungen von Knoblauch, Wild oder gar Bohnenkaffee werden freudig begrüßt. Auch Schuhe, Heizmaterial und Dinge des täglichen Gebrauchs wie Nähnadeln, Papier und Seife sind Mangelware – man ist aufs Improvisieren oder auf „Vater Schleich“ angewiesen.
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Frauen in Fabriken
© Pressebildagentur Votava
Zu den wichtigsten Schleichhandelsgütern zählen die seit Jänner 192 rationierten Zigaretten. Der Gasthaus- und Hotelbetrieb wird, da nicht „kriegswichtig“, stufenweise eingeschränkt, die Wiener müssen auf den Heurigen verzichten: mit 29.Mai 1942 wird der Buschenschank untersagt.
Köpfmaschine © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kopfbrett einer von 1939 bis 1945 in Wien verwendeten Köpfmaschine.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der kampflose Untergang Ö. mit dem Anschluss an Deutschland am 13. 3. 1938, die totale nat.-soz. Machtergreifung, die sofortigen und umfassenden Verfolgungsmaßnahmen, die beispiellose Propaganda- kampagne sowie verschiedene anschlussfreundl. Erklärungen ö. Institutionen und Persönlichkeiten (v. a. die der ö. Bischöfe und ein Zeitungsinterview von K. Renner) führten dazu, dass eine breitere Formierung von illegalen Organisationen gegen den Nationalsozialismus erst im Sommer und Herbst 1938 begann.
Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus.
Zwei erhängte Männer, mit umgehängten beschriebenen Transparenten, beim vorderen
Erhängten mit der Aufschrift: "Ich habe mit den Bolschewiken paktiert!"
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im Unterschied zu anderen besetzten Ländern hatten in Ö. die Widerstandskämpfer in einer von Denunzianten und fanat. Regimeanhängern durchsetzten Umwelt zu wirken. Die größten organisierten Gruppierungen gehörten der Arbeiterbewegung (hauptsächl. in den Ind.-Zentren in OÖ.) und dem kath.-bürgerl. Lager an. Innerhalb dieser beiden Lager verflossen im Widerstand die Grenzen zw. Sozialdemokraten, Kommunisten und anderen Linksgruppen einerseits und ehem. Christl.-Soz. und Heimwehrangehörigen sowie Monarchisten und Katholiken andererseits. Die einzelnen Widerstandsgruppen waren von polit., ideolog., religiösen, soz., ethischen und ö.-patriot. Motivationen geprägt. Wesentlichste Aktivität war die Verbreitung illegaler Druckwerke, wie Streuzettel, Flugblätter und Ztschr. Damit sollte das Meinungsmonopol des NS-Regimes durchbrochen werden. Die (in Ö. schon ab 1935/36) verbotene Glaubensgemeinschaft "Internationale Bibelforschervereinigung" (Jehovas Zeugen) stellte die Ablehnung des Wehrdiensts in den Mittelpunkt ihres Widerstands. Ab 1942 bildeten sich, meist auf Initiative von Kommunisten, bewaffnete Widerstandsgruppen (v. a. slowen. Partisanen in S-Kä., Gruppe Leoben-Donawitz). Gegen Ende des Kriegs formierten sich vielfach überparteil. Widerstandsgruppen, deren Aktivisten aus verschiedenen polit. und soz. Lagern stammten; sie wollten u. a. sinnlose, verlustreiche Kämpfe verhindern.
Wien 1945 © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Zeichen der österreichischen Widerstandsbewegung '05'
neben dem Riesentor von St. Stephan.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
 Die größte dieser Widerstandsgruppen war die Gruppe 05, die mit der militär. Widerstandsgruppe im Wehrkreiskommando XVII in Wien (unter der Leitung von Major C.Szokoll) in Verbindung stand (K. Biedermann, A. Huth, R. Raschke). Die Ti. Widerstandsbewegung unter K.Gruber konnte die Stadt Innsbruck noch vor dem Eintreffen der ersten US-Truppen befreien. Der nichtorganisierte Widerstand bzw. das Oppositionsverhalten von einzelnen reichte von antinazist. Haltung und defätist. Äußerungen über das verbotene Abhören ausländ. Sender bis hin zur Sabotage und zur Hilfeleistung für Verfolgte (Juden, Fremdarbeiter, Kriegsgefangene u. a.). Etwa 2700 Österreicher wurden als aktive Widerstandskämpfer zum Tod verurteilt und hingerichtet, und ca. 32.000 Österreicher (Widerstandskämpfer und Opfer präventiver Verfolgung) starben in Konzentrationslagern und Gefängnissen, insbes. der Gestapo. Geschätzte 15.000 Österreicher kamen als alliierte Soldaten, als Partisanen oder im europ. Widerstand um. Rd. 100.000 Österreicher waren aus polit. Gründen inhaftiert. Zwar erfolgte die Befreiung Ö. vom NS-Regime ausschließl. durch die Streitkräfte der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, doch diente der Widerstandskampf der polit.-moral. Rehabilitierung Ö. und war im Hinblick auf den in der Moskauer Deklaration der Alliierten (1. 11. 1943) von den Österreichern geforderten eig. Beitrag zu ihrer Befreiung von eminentem polit. Wert. Das in Widerstand, Verfolgung und Emigration gewachsene Bekenntnis zu Ö., zur staatl. Unabhängigkeit und nationalen Eigenständigkeit, wurde zu einer der wesentl. geistig-polit. Grundlagen der Zweiten Republik.
(Text auszugsweise: aeiou - das kulturinformationssystem des bm:bwk)
 
 
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Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
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