Donaumonarchie
Die Österreichisch-Ungarische Monarchie
14. November 1868 - 31. Oktober 1918
Krönung von Franz Joseph I. und seiner Gemahlin Elisabeth zum Königspaar von Ungarn, 1867.
Gemälde von Eduard von Engerth, im Speisesaal der Burg Budapest.
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Die Österreichisch-Ungarische Monarchie, ungarisch Osztrák-Magyar Monarchia, kurz Österreich-Ungarn, informell auch k. u. k. Doppelmonarchie genannt, war eine Realunion in der letzten Phase des Habsburgerreiches in Mittel- und Südosteuropa für den Zeitraum zwischen 1867 und 1918. Sie bestand nach dem Umbau des Kaisertums Österreich zu einem Staatenverband auf der Grundlage des österreichisch-ungarischen Ausgleiches vom 8. Juni 1867 (in Österreich am 21. Dezember 1867 verfassungsmäßig implementiert), bis zum 31. Oktober 1918 (Austritt Ungarns).
Österreich-Ungarn im Jahr 1899.
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Die Österreichisch-Ungarische Monarchie setzte sich aus zwei Staaten zusammen: aus den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern, inoffiziell Cisleithanien (erst ab 1915 amtlich Österreich genannt), und den Ländern der Heiligen Ungarischen Krone, inoffiziell Transleithanien (vulgo Ungarn). Hinzu kam das seit 1878 von Österreich besetzte Gebiet Bosniens und der Herzegowina, das 1908 als Kondominium nach langen Verhandlungen der Monarchie einverleibt wurde.
Mittleres gemeinsames Wappen Österreich-Ungarns, Neuentwurf 1915.
Amtlicher Aufriß von Hugo Gerhard Ströhl. Farbfassung 1917.
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Die verfassungsrechtlichen Ausgleichsvereinbarungen sicherten im Sinne einer Realunion die Gleichberechtigung der beiden (Teil-)Staaten im Verhältnis zueinander. Gemeinsames Staatsoberhaupt war der Kaiser von Österreich und Apostolische König von Ungarn aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Von 1867 bis 1916 herrschte Franz Joseph I., danach bis 1918 sein Großneffe Karl I./IV.
Donaumonarchie © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Franz Joseph I., Kaiser von Österreich mit Kaiser Wilhelm II. und König Humbert I.
von Italien. Fotoreproduktion eines Gemäldes von Richard Konkély, entstanden
vermutlich im Zusammenhang der Erneuerung des Dreibundvertrages vom 6. Mai 1891.
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Mit rund 676.000 km² war Österreich-Ungarn nach der Annexion Bosniens und Herzegowinas 1908 flächenmäßig erneut das zweitgrößte (nach dem Russischen Reich) und mit 52,8 Millionen Menschen (1914) das bevölkerungsmäßig drittgrößte Land Europas (nach dem Russischen und dem Deutschen Reich). Sein Staatsgebiet umfasste zuletzt die Territorien der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Tschechien (mit Ausnahme des Hultschiner Ländchens), Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Teile des heutigen Rumäniens (Siebenbürgen, Banat, später so genanntes Kreischgebiet, östlicher Teil von Sathmar, Südmarmarosch, Südbukowina), Montenegros (Gemeinden an der Küste), Polens (Westgalizien), der Ukraine (Ostgalizien, Nordmarmarosch und Nordbukowina), Italiens (Trentino-Südtirol und Teile von Friaul-Julisch Venetien) und Serbiens (Vojvodina).
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Kaiser Franz Joseph I., in der Mitte stehend, auf seiner Orientreise anlässlich der
Eröffnung des Suezkanals im Herbst 1869. Das Bild wurde am 12. November 1869
vor einem Zeltlager an der Elisäus-Quelle bei Jericho aufgenommen.
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Die amtliche Staatsbezeichnung Österreichisch-Ungarische Monarchie (ungarisch Osztrák-Magyar Monarchia) wurde vom Kaiser und König Franz Joseph I. am 14. November 1868 durch ein Handschreiben festgelegt. Alternativ firmierte die Doppelmonarchie auch als Kaiserliche und königliche Monarchie Österreich-Ungarn, was zu der informellen Bezeichnung k. u. k. Monarchie und dem scherzhaften Kakanien führte. Da die Donau den Doppelstaat als dessen Hauptstrom auf einer Länge von etwa 1300 km durchfloss, spricht man auch von der Donaumonarchie. Wegen der staatsrechtlichen Konstruktion der beiden Teile ist ebenso die Bezeichnung Doppelmonarchie gebräuchlich; mit dem kaiserlichen Doppeladler, den das Königreich Ungarn nicht führte, hat dies nichts zu tun.
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Kaiser Franz Joseph I. auf der Reise in Südfrankreich
beim Betreten des Bahnhofsvorplatzes von Cannes;1897.
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Die Verhandlungen über den Ausgleich mit dem Königreich Ungarn wurden Anfang 1867 abgeschlossen. Am 17. Februar 1867 ernannte Franz Joseph I. die neue ungarische Regierung unter Graf Andrássy. Die Wiener Verhandlungen wurden einen Tag später abgeschlossen. Am 27. Februar 1867 wurde der ungarische Reichstag wiederhergestellt. Am 15. März leistete Graf Andrássy mit seiner Regierung in Buda König Franz Joseph I. den Treueid. Zugleich traten die Regelungen des österreichisch-ungarischen Ausgleichs in Kraft.
© Erhard Gaube - www.gaube.at
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Truppendarstellungen aus der Zeit der Donaumonarchie anläßlich  der
Veranstaltung "Montur und Pulverdampf" 2009 im Heeresgeschichtlichen Museum.
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Das gilt als Geburtstag der Doppelmonarchie, wenn auch die in Ungarn am 12. Juni 1867 beschlossenen Ausgleichsgesetze im österreichischen Reichsrat erst am 21. Dezember 1867 beschlossen waren und am 22. Dezember 1867 in Kraft traten (vgl. Dezemberverfassung). Franz Joseph I. selbst wurde am 8. Juni 1867 in Buda zum König von Ungarn gekrönt.
Franz Josef I., Kaiser von Österreich.
in Galauniform als österreichischer
Feldmarschall. Ölgemälde von József
Kiss,  1. Hälfte 1880er Jahre.
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Franz Josef I., Kaiser von Österreich.
Bildnis in ungarischem Krönungsornat
(Phantasie-Kombination ungarische
Nationaltracht mit Krönungsmantel).
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Franz Joseph I. war formal das gemeinsame konstitutionelle Staatsoberhaupt (Personalunion), unter dessen Leitung sowohl die Außenpolitik, das gemeinsame Heer und die Kriegsmarine sowie die dazu nötigen Finanzen in den entsprechenden drei Reichs-, später k. u. k. Ministerien mit Sitz in Wien gemeinsam verwaltet wurden.
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Demonstration. Ausschreitung deutscher Studenten gegen ihre slawischen
und italienischen Kommilitonen; 14. 11. 1905.
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Wahlrechtsdemonstration vor dem Parlament in Wien; 19. 11.1905.
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Der Ausgleich mit Ungarn, der Ungarn eine weit reichende staatliche Autonomie gebracht hatte, führte allerdings zum Protest anderer Nationalitäten, insbesondere der Slawen. Konkrete Forderungen nach einem ähnlichen Ausgleich wurden vor allem von den Tschechen für die Länder der böhmischen Krone (Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien) erhoben. Die unberücksichtigten Interessen anderer Nationalitäten und die ungarische Magyarisierungspolitik führten zu ethnischen Spannungen und zu Begriffen wie „Völkerkerker“. Andererseits prosperierte die Doppelmonarchie als gemeinsamer Wirtschaftsraum mit gemeinsamer Währung.
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Kaiser Franz Joseph in Prag 1901.
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Die nichtdeutschen Nationalitäten hatten in Österreich, wo alle Nationalitäten zumindest de jure gleichberechtigt waren, wesentlich bessere Bedingungen als die nichtmagyarischen in Ungarn, das auf Magyarisierung der anderen Hälfte der Bevölkerung setzte. Dies betraf vor allem den Unterricht in der Muttersprache (obwohl höhere nichtdeutsche Schulen oft erkämpft werden mussten), die Verwendung der Muttersprache bei Ämtern und Behörden (Antworten in der Sprache des Antragstellers mussten allerdings erst gesetzlich vorgeschrieben werden) und die Vertretung im Reichsrat, dem Parlament Österreichs.
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100 Jahrfeier der Tiroler Befreiungskriege 29. 08. 1909.
Die Festlichkeiten auf dem Bergisel und Schützenfest. Kaiser Franz Joseph, links der
Tiroler Landtag Koloriertes Stereo-Dia für das „Kaiserpanorama“. Bilder aus dem Guckkasten.
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Franz Joseph I., Kaiser von Österreich; Der Kaiser besteigt den 'Mylord' zur Fahrt in
die Residenz des Bischofs von Feszprem, Karl Freiherr von Hornig.
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Diese Vertretung wurde allerdings sehr unterschiedlich genützt. Die Polen im Kronland Galizien arbeiteten – durch Steuergeschenke und Investitionen geködert – oft konstruktiv mit und stellten zeitweise Minister oder sogar den Ministerpräsidenten (Kasimir Felix Badeni, Agenor Gołuchowski der Ältere, Agenor Gołuchowski der Jüngere, Alfred Józef Potocki oder Leon Biliński). Viele tschechische Politiker bestritten die Zuständigkeit des Reichsrates für die Länder der böhmischen Krone grundsätzlich, sodass dort schon früher als in anderen Kronländern die Direktwahl der Abgeordneten vorgeschrieben werden musste. Tschechische Reichsratsabgeordnete machten die Beratungen des Abgeordnetenhauses immer wieder durch Lärmorgien unmöglich (Obstruktionspolitik), worauf die Regierung dem Kaiser die Vertagung des Reichsrates vorschlug und mit provisorischen Verordnungen weiterregierte.
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Julius Graf Andrássy der Jüngere und Graf Apponyi am Kärntnerring. Ungarische
Politiker anlässlich des Kabinettwechsels Fejérváry gegen Wekerle in Wien; 1906.
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In Ungarn waren die nichtmagyarischen Nationalitäten, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, durch Schulgesetze und Wahlrecht diskriminiert. Im Unterschied zu Österreich, wo dies bei den Reichsratswahlen 1907 gelungen war, wurde in Ungarn bis zum Ende der Doppelmonarchie kein allgemeines und gleiches Männerwahlrecht eingeführt. Vorrechte von Stand und Besitz waren in Ungarn wesentlich stärker maßgebend als in Österreich. Die herrschende Schicht Ungarns arbeitete im Rahmen ihrer politischen Möglichkeiten daran, Ungarn möglichst vollständig von Österreich unabhängig zu machen..
Berliner Kongress (Gemälde von Anton von Werner, 1881, im Berliner Rathaus).
Erkennbar sind links im Vordergrund Gortschakow im Gespräch mit Disraeli, in der Mitte
Bismarck zwischen Andrássy und Schuwalow; rechts im Hintergrund neben Bismarcks
Oberarm Friedrich August von Holstein, die graue Eminenz des Auswärtigen Amts.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Als der Berliner Kongress 1878 Österreich-Ungarn die Okkupation Bosniens und der Herzegowina, beide formal weiterhin Bestandteile des Osmanischen Reiches, gestattete, wollten Österreich und Ungarn das neue Verwaltungsgebiet in ihren Staat eingliedern. Die salomonische Lösung war dann, dass Bosnien und Herzegowina weder zu Cis- noch zu Transleithanien geschlagen, sondern vom gemeinsamen Finanzministerium verwaltet wurden.
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Erste Ausfahrt von Kaiser Franz Joseph I. nach dessen Krankheit in die Hofburg.
Begrüßung durch Bürgermeister Lueger am äußeren Burgtor; 21. 12. 1907.
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Kaiser Franz Joseph I. mit König Eduard VII. von England im Auto
vor dem Hotel Kaiserin Elisabeth in Bad Ischl;12. 08. 1908.
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Kaiser und König Franz Joseph I. war nach dem Ausgleich penibel darauf bedacht, seine beiden Monarchien gleich zu behandeln. Dies erstreckte sich bis zur Frage der Namensgebung für neue Schiffe der k. u. k. Kriegsmarine; Franz Joseph I. lehnte Namensvorschläge ab, die Ungarn (Magyaren) benachteiligt hätten.
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Kronprinz Rudolf von Österreich; Letzte Fahrt im Prater; 27. 01. 1889.
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Der nach dem Selbstmord von Kronprinz Rudolf 1889 und dem Tod seines Vaters 1896 designierte Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand hingegen verbarg seine Abneigung gegen die herrschende Klasse Ungarns und ihre Magyarisierungs- und Erpressungspolitik gegenüber der Krone nicht und plante in seiner Militärkanzlei (er wurde 1913 Generalinspektor) im Schloss Belvedere einen auf die Armee gestützten Umbau der Doppelmonarchie nach dem Tod Franz Josephs I.
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Teuerungsdemonstration in Wien. Demonstranten kommen vom Kärntnerring, Tafeln "Fort mit
der Hungerpolitik", "Was wir wollen: Öffnung der Grenzen" im Vordergrund; 23. 11. 1910.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
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Teuerungsdemonstration in Wien. Demonstranten kommen vom Kärntnerring,
 großes Transparent mit Karikatur im Vordergrund; 23. 11. 1910.
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1908 brach im Osmanischen Reich die jungtürkische Revolution aus. Österreich-Ungarn wurde dadurch daran erinnert, dass Bosnien und die Herzegowina zwar von der k. u. k. Monarchie seit dreißig Jahren okkupiert und verwaltet wurden, jedoch formal Teile des Osmanischen Reiches geblieben waren. Franz Joseph I. sah nun die Chance, „Mehrer des Reiches“ zu werden, und stimmte dem Annexionsplan des gemeinsamen Finanzministers zu, wonach Außenminister Graf Aehrenthal am 5. Oktober 1908 zur förmlichen Einverleibung jener Gebiete schritt.
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Bosnienreise 1910 von Kaiser Franz Josef I. Station in Sarajewo bei der
Bosnienreise Kaiser Franz Josef I. : Franz Josef fährt in Begleitung des Landeschefs
Varesanin von Vares in einer Kutsche durch die Stadt zum Besuch der Gotteshäuser.
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Der einseitige, von keiner internationalen Konferenz unterstützte Rechtsakt, das Hoheitsgebiet der k. u. k. Monarchie auf Bosnien und die Herzegowina zu erstrecken, verursachte in Europa die „Bosnienkrise“. Dabei wurde klar, wie wenige Verbündete Österreich-Ungarn im Kriegsfall haben würde..
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Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. in Wien. Kaiser Wilhelm II. anlässlich
des 60jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. in Wien. ;1908.
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1908 beging Franz Joseph I. auch sein 60-Jahre-Jubiläum als Kaiser von Österreich. Kaiser Wilhelm II. und fast alle Oberhäupter der deutschen Teilstaaten gratulierten aus diesem Anlass persönlich in Wien. Ungarn sah sich „nicht zu Kundgebungen veranlasst“, war Franz Joseph I. doch bis zu seiner Krönung in Ungarn 1867 als Fremdherrscher empfunden worden.
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Das österreichische Thronfolgerpaar beim Verlassen des Rathauses in Sarajewo.
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Das österreichische Thronfolgerpaar besteigt das Auto vor dem Rathaus in Sarajewo.
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Am 28. Juni 1914 besuchten Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Herzogin von Hohenberg Sarajevo, die Hauptstadt des 1908 annektierten Bosnien. An jenem Tag beging Serbien zum ersten Mal den Veitstag als offiziellen Staatsfeiertag, den Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld, an dem 1389 die Serben vernichtend von den Türken geschlagen worden waren. Nationalisten, die ein vereintes Serbien (und somit Gebiete der Monarchie, in denen Serben lebten) forderten, empfanden den Besuch des Paares als Provokation. Während der Fahrt durch Sarajevo wurde das Paar von dem serbischen Attentäter Gavrilo Princip erschossen, was zu einer schwerwiegenden Staatskrise, der sogenannten Julikrise, führte.
Der blutige Waffenrock des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand.
© Heeresgeschichtliches Museum Wien
Nach dem Attentat von Sarajevo erhielt Kaiser und König Franz Joseph ein Treuebekenntnis des deutschen Kaisers Wilhelm II., der ihm versicherte, „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen“. Dieses Treuebekenntnis, das nicht voraussetzte, dass weitreichende Entscheidungen Österreich-Ungarns vorher mit dem Deutschen Reich abgesprochen wurden, empfanden politische Beobachter als Blankoscheck.
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Aufruf von Kaiser Franz Joseph I. "An meine Völker"  vom 28.7.1914.
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Kriegsbegeisterte Menschenansammlung bei Ausbruch des Krieges in Innsbruck; 1914.
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Am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn ein Ultimatum an Serbien, da man davon ausging, dass Serbien entscheidenden Anteil an dem Attentat hatte. Die Antwort aus Belgrad war nachgiebig und kooperativ. Die Serben hatten allerdings nicht alle Bedingungen der k. u. k. Doppelmonarchie hundertprozentig akzeptiert. Österreichisch-ungarische Spitzenpolitiker und Militärs nahmen daher gern die Gelegenheit wahr, die serbische Antwort als unzureichend abzulehnen.
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Ankerbrot-Filiale in Wien-Rudolfsheim mit Schlange stehenden Käufern; 16. 09. 1915.
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In völliger Verkennung der Weltlage und der Schwäche der Monarchie motivierten sie den 84-jährigen Kaiser und König, der seit 48 Jahren keinen Krieg mehr geführt hatte, zur Kriegserklärung an das südöstliche Nachbarland, die am 28. Juli erfolgte.
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Soldatenfriedhof in Galizien; vermutlich 1917.
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Dies bewog Russland zur Generalmobilmachung, da sich das Zarenreich aufgrund des Panslawismus als Behüter der slawischen Völker sah und den Balkan als eigenes Einflussgebiet betrachtete. Das Russische Reich erklärte Österreich-Ungarn den Krieg. Hierauf trat für das Deutsche Reich der Bündnisfall ein. Dieses trat an der Seite von Österreich-Ungarn in den Krieg ein. Da Russland mit Frankreich und Großbritannien verbündet war (Entente), kamen diese beiden dem zaristischen Russland zu Hilfe, womit der Erste Weltkrieg nicht mehr aufzuhalten war.
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Kaiser Franz Joseph I. auf dem Totenbett.
Aus dem Mappenwerk: "Kaiser Franz Josef I. 21. November 1916".
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Der Tod Franz Josephs am 21. November 1916 leitete, im Verein mit der militärischen Niederlage und den divergierenden nationalen Interessen der Völker, den Untergang Österreich-Ungarns ein, der im Herbst 1918 stattfand. Anlässlich seines Begräbnisses am 30. November entfaltete die Habsburgermonarchie zum letzten Mal ihren vollen Glanz. Unter dem Glockengeläut sämtlicher Wiener Kirchen und der Anteilnahme tausender Trauernder am Straßenrand wurde der Sarg des verstorbenen Kaisers von der Hofburg zum Requiem in den Stephansdom gebracht.
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Leichenbegängnis von Franz Josef I., Kaiser von Österreich, am 30.11.1916 in Wien:
Der achtspännige Leichenwagen passiert den Heldenplatz.
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Der Trauerzug führte vom Schweizerhof über den Heldenplatz, dann auf der Ringstraße vorbei an Oper und Kriegsministerium über den Franz-Josefs-Kai und die Rotenturmstraße zum Stephansdom. Großneffe und Nachfolger Karl I. führte den Trauerzug an, dem Vertreter der verbündeten Mächte, sämtlicher deutscher Fürsten und des Hauses Habsburg angehörten. Beigesetzt wurde Franz Joseph an der Seite seiner Ehefrau und seines Sohnes in der Kaisergruft im Wiener Stadtzentrum.
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Begräbniszug von Kaiser Franz Joseph I. am Heldenplatz.
Aus dem Mappenwerk: "Kaiser Franz Josef I. 21. November 1916".
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Begräbniszug von Kaiser Franz Josef I. K.u.k. Kriegsministerium - Pressebureau;
Begräbniszug von Kaiser Franz Josef I. am 30.11.1916. Trauerzug vor dem Burgtor
am Burgring gegenüber dem Maria-Theresien-Monument am Maria-Theresien-Platz.
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Ein Ausweg aus dieser rechtlich und politisch verfahrenen Situation ließ sich im Krieg ebenso wenig finden wie vor 1914. Am 16. Oktober 1918 erließ Karl I. auf Vorschlag der kaiserlich-königlichen Regierung unter Hussarek-Heinlein für Cisleithanien das Völkermanifest. Dieses Manifest sollte den Anstoß dazu geben, die österreichische Reichshälfte unter der Schirmherrschaft des Kaisers in eine Konföderation freier Völker umzuwandeln. Die Nationalitäten Österreichs wurden dazu aufgerufen, eigene Nationalräte (Volksvertretungen) zu bilden.
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Kaiser Karl I. dekoriert Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg.
Der Kaiser nimmt eine Ordensverleihung im Hinterland der Front vor; um 1917.
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Der mit dem Manifest unternommene Versuch, die Neuordnung der k. u. k. Monarchie unter wenigstens nomineller Führung durch das Haus Habsburg-Lothringen zu ermöglichen, musste somit fehlschlagen. Nationale Wünsche waren weitaus stärker als verbliebene Reste dynastischer Loyalität. Am 21. Oktober 1918 bildeten die deutschen Abgeordneten des Reichsrates unter Bezugnahme auf das Manifest des Kaisers die Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich.
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Wien 19; Kaiser Karl I. und Zita besuchen eine Kriegsküche; 06. 07. 1918.
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Kinder vor einer Kriegsküche in Wien-Penzing; 13. 08. 1917.
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Am 30. Oktober gab die Nationalversammlung unter Vorsitz von Karl Seitz ihrem 20-köpfigen Vollzugsausschuss den Namen Staatsrat (Vorsitz: ebenfalls Seitz; Staatskanzler: Karl Renner), der die 14 Ressortchefs umfassende Staatsregierung Renner I berief, die die Staatsämter (die späteren Ministerien) leitete.
Karl I., Kaiser von Österreich in Uniform, mit Trauerschleife; um 1916 - 1917.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Donaumonarchie © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zweite Seite der Abdankungsurkunde Kaiser Karl I., mit seiner Unterschrift. 11.11.1918.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Am 11. November 1918 wurde Karl I. (der schon eine Woche vorher von einzelnen Medien als „der ehemalige Kaiser“ bezeichnet wurde) von den republikanisch gesinnten deutsch-österreichischen Spitzenpolitikern und seiner letzten k. k. Regierung dazu bewogen, auf „jeden Anteil an den Staatsgeschäften“ zu verzichten; die förmliche Abdankung hatte er abgelehnt. Am selben Tag entließ der Kaiser die funktionslos gewordene k. k. Regierung von Ministerpräsident Heinrich Lammasch (sie war schon am 26. Oktober als „Liquidationsministerium“ bezeichnet worden).
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Die letzte Reichsratssitzung (Abgeordnetenhaus) am 12. November 1918.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Am 12. November 1918 fand in Wien die letzte Reichsratssitzung statt, am selben Tag rief die Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich die Republik aus. Am 13. November leistete der letzte Habsburger-Monarch als König Karl IV. von Ungarn den gleichen Verzicht. Ungarn wurde drei Tage später vorübergehend Republik und blieb danach Königreich ohne König. In zwei Verträgen, Vertrag von Saint-Germain 1919 mit Österreich und Vertrag von Trianon 1920 mit Ungarn, wurden Gebietsabtretungen und Grenzen der Nachfolgestaaten offiziell festgelegt.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Österreich-Ungarn" der
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Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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