Die Wiener Geserah
Die erste Judenverfolgung in Österreich
1420/1421
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Überreste der zerstörten Synagoge am Judenplatz.
Frauenschul. Überreste der aeltesten Synagogue Wiens. Die Synagoge war geistiger
Mittelpunkt einer ueber Europa ausstrahlenden juedischen Gelehrsamkeit, die hier in
Wien eine Bluete erreichte. Die Ueberreste ihrer Zerstoerung im Jahre 1421 dokumentieren
das von Hass und Unverstaendniss gepraegte Ende der ersten juedischen Gemeinde Wiens.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Gryffindor
Geserah. Vieldeutiger hebräischer Begriff, der unter anderem Verfolgung durch eine nichtjüdische Regierung bedeutet. Eine deutsch verfasste Schrift, die teilweise hebräische Worte verwendet, schildert den Verlauf der Judenverfolgung von 1420/1421 in Österreich und trägt die Titel "Die Geserah aus Österreich" beziehungsweise "Das is di Winer Geserah in teitsch" (Entstehungszeit vor 1579).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Gryffindor
Ueberreste der aeltesten Synagogue Wiens welche 1421 zerstört wurde.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Gryffindor
Der erste in den Wiener Urkunden namentlich genannte Jude heißt Schlom. Herzog Leopold V. bestellt ihn 1194 zum Münzmeister. Schlom wird mit seiner Familie und anderen Jüdinnen und Juden, insgesamt 16 Personen, von durchfahrenden Kreuzrittern ermordet. Die Judengemeinde bleibt aber vorerst bestehen. Um den heutigen Judenplatz entwickelt sich das erste Wiener Ghetto. Jahrhunderte später, im Jahr 1995, wird hier die Synagoge freigelegt: eine der größten des ausgehenden 13. Jahrhunderts an der die berühmtesten Rabbiner der Zeit lehrten.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Gedenktafel nahe der ehemaligen Hinrichtungsstätte an der Gänseweide (Kegelgasse 40) in Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Anton Kurt
Der jüdischen Bevölkerung ist jedoch jeglicher Grundbesitz verwehrt, sie dürfen keine Landwirtschaft betreiben. Auch der Zugang zu den meisten Handwerksberufen ist verboten. Einzig der Handel steht ihnen offen, vor allem der Geldverleih gegen Zinsen. Die Folge sind oft Feindseligkeiten bei christlichen Schuldnern. Dazu kommen die im Mittelalter gängigen Vorwürfe der Hostienschändung und Ritualmordlegenden. Dieses judenfeindliche Klima erreicht seinen Höhepunkt in einem der furchtbarsten Pogrome. 1420/21 werden die Wiener Jüdinnen und Juden vertrieben und ermordet. Viele begehen kollektiven Selbstmord. Sie verbrennen sich mit ihrer Synagoge.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Jüdische Bankiers in Spanien im 13. Jahrhundert - Miniatur aus einer Handschrift Alfons X.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 23. Mai 1420 wurden alle Juden in Österreich gefangen genommen und teilweise getauft; jene, die sich nicht taufen ließen, wurden gefangen gehalten. Einige Quellen berichten zusätzlich, dass Herzog Albrecht V. das Vermögen der Juden einzog, andere beschreiben ausführlich, wie man sich bemühte, durch Folter Angaben über vergrabene Schätze zu erhalten.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Spott-Allegorie „Der Juedische Kipper und Auffwechsler“ (Kupferstich, 1622)
stellte Vorurteile gegen die Juden bildlich dar: Sie sollen beim Geldwechseln betrogen
und heimlich Münzen beschnitten sowie umgeschmolzen haben („Kipper“).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Eine genauere Beschreibung liefert die erwähnte Schrift "Geserah": Der Herzog von Österreich erfuhr, die Juden hätten seinen Feinden (den Hussiten) Waffen geschickt, worauf er sie gefangen nehmen ließ und schwor, sich im Falle einer Niederlage an ihnen zu rächen; er befahl, die Armen zu vertreiben und die Reichen gefangenzuhalten.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Zwei Rabbiner feiern das Pessach-Fest, Mittelalterliche Buchillustration, Biblioteca Palatina.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Armen mussten schwören, sich nie mehr in Österreich aufzuhalten, wurden dann in kleine Boote ohne Ruder auf der Donau ausgesetzt und trieben bis Pressburg. Die Knechte des Herzogs, die den Juden zu Land gefolgt waren und sie noch einmal zur Taufe gedrängt hatten, blieben erfolglos; die Vertriebenen überlebten.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ritualmord - Eine frei erfundene Darstellung des angeblichen Ritualmords an
Simon aus Trient, Schedelsche Weltchronik, Nürnberg 1493.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Als der Herzog im August 1420 erfolglos aus Böhmen zurückkehrte, befahl er die Folterung der Gefangenen. Einenteils wollte er die Taufe erzwingen, andernteils die Verstecke von Schätzen in Erfahrung bringen. Als Ratgeber des Herzogs fungierte ein getaufter Jude, der auch dazu riet, Kinder unter 15 Jahren zwangsweise zu taufen. Um die Kinder vor dieser Schmach zu schützen, kam es vermutlich in der Wiener Synagoge zu einem "kiddusch haschem" (Märtyrertod, um den Namen Gottes zu heiligen), der von dem durch das Los dazu auserwählten Rabbi Jona ausgeführt wurde, der sich letztlich Ende September 1420 selbst verbrannte.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hostienschändung, Mittelalterliche Darstellung auf einer antisemitischen Flugschrift.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Danach führte man eine Anzahl von Jünglingen und Mädchen (160 oder 300 Jungen und 300 Mädchen) in die Synagoge und ließ sie dort hungern, um die Taufe zu erzwingen. Als dies vergeblich blieb, wollte der Herzog die Juden verkaufen; als sie schließlich unter Gewaltanwendung getauft wurden, informierten spanische Rabbiner den Papst über die Ereignisse. Dieser appellierte an Kaiser Sigismund und Albrecht V., die Zwangsgetauften wieder zum Judentum zurückkehren zulassen, was auch geschah. Gegen Ostern 1421 befanden sich noch 212 Juden, davon 92 Männer und 120 Frauen, in Wien, die auf der Gänseweide in Erdberg verbrannt wurden.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Darstellung einer mittelalterlichen Judenverbrennung.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 19. März wurden abermals 21 Juden durch Feuer hingerichtet. Spätere Quellen berichten darüber, dass die Ursache dieser Hinrichtung eine Hostienschändung in Enns gewesen sei, die man den Juden zur Last legte. Erstmals taucht diese Version in zwei sogenannten Urteilsverkündigungen vom 12. März und 16. April 1421 auf. Mit der ersten wurde die Hinrichtung der Juden auf dem Scheiterhaufen verkündet, mit der zweiten die gleiche Strafe für eine Mesnerin aus Enns bekanntgemacht, die an Juden eine Hostie verkauft haben soll.
Die wichtigste zeitgenössische christliche Quelle ist der Bericht Thomas Ebendorfers von Haselbach, des späteren Rektors der Universität Wien in seiner Chronica Austriae. Der Bericht in deutscher Übersetzung lautet:
„Nach seiner Rückkehr verbreitete sich ein allgemeines Gerücht, dass in Enns die Juden ein großes Sakrileg gegen das hochwürdige Sakrament der Eucharistie verübt hätten. Es wurde nämlich gesagt, dass der sehr reiche Jude Israel zu Enns von dem Weibe des Türhüters daselbst, das ihm unterworfen war, aus der Pfarrkirche des heiligen Laurentius, die von dem gewöhnlichen Besuch der Leute abseits stand, nach dem Osterfest desselben Jahres viele kleine Stücke des Sakraments erhielt (oder kaufte), und daß er dieselben zum Verspotten durch seine Glaubensgenossen bestimmte; welche Sakrilege auch die vorhin besagte Frau, nachdem sie ausgefragt wurde, einbekannte. Der Jude Israel jedoch mit seinem Weibe und den anderen Mitwissern und Verdächtigen dieses Frevels suchten denselben beharrlich zu leugnen, obzwar es den Priestern sicher stand, daß an dem Sakrament ein Diebstahl begangen wurde. Darum wurden sie an einem Tage und zu derselben Stunde an allen Orten Österreichs des Herzogs Albrecht in Gefangenschaft gesetzt, ihre Güter wurden konfisziert, und nach Entfernung der Gemeinen wurden die mehr Geachteten unter ihnen zurückgehalten. Weil aber damals ein besonders strenger Winter einzog (so dass die Gefangenen ihre Lage nicht mehr ertragen konnten), so fielen einige unter ihnen an Wunden, die sie sich gegenseitig beibrachten, andere aber zögerten auch nicht, selbst Hand an sich zu legen: zu deren Zahl auch die Frau des vorbesagten Israel zählte, die sich bei dem Diebsprofoßen mit ihrem eigenen Tuch erdrosselte, und ein anderer aus Tulln, der sich mit dem Messer das Leben nahm. Wieder andere, verzweifelt wie sei waren, brachten sich, damit die nicht dem Joche (des Christentums) unterworfen würden, zur Schande ihres eigenen Glaubens und des ihrer Väter – oder zum Gespötte der Christen würden, durch Schlingen und Riemen zur Nachtzeit den Tod bei; so die Frauen in Mödling und Perchtoldsdorf. Andere, von hartnäckiger Wut getrieben, nahmen auch ihren Frauen und Verwandten, den Alten das Gesicht verhüllend, indem sie ihnen die Adern aufschnitten, noch kläglicher mit Gewalt das Leben; deren Körper wurden einem Eselsbegräbnis zugeführt. Etliche aber, die mit der heiligen Taufe versehen wurden, verblieben im Glauben; andere jedoch, zu ihrem Gespei zurückkehrend, fielen unter verschiedenen Titeln ab. Diejenigen aber, die sich als Asyl ihres Heils ihren Glauben erwählten, wurden am 12. März des Jahres der Herrn 1421, am St.-Gregorius-Tage, in Erdburg auf einer Wiese neben der Donau insgesamt durch Feuer vernichtet. Damit aber nicht einige Juden in Zukunft in Österreich zu wohnen sich erdreisteten, wurden sie einem ewigen Bann unterworfen.“
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Verbrennung von Juden aus der Weltchronik von Hartmann Schedel (1493).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Aus den Quellen ergibt sich deutlich der Hinweis, dass der Anlass für die Vertreibung die angebliche oder tatsächliche Kooperation von Juden und Hussiten war. Nachzuweisen ist immerhin, dass die Juden zunächst der Entwicklung der hussitischen Bewegung mit begreiflicher Sympathie gegenüberstanden. Schon 1419 wurde den Juden von Vertretern der Universität vorgeworfen, dass sie mit Hussiten zusammenarbeiteten. Herzog Albrecht, der zu den engsten Verbündeten Kaiser Sigismunds auch in der Hussitenbekämpfung zählte, ließ in Wien regelmäßig gegen die Hussiten predigen und bestrafte Wiener Bürger, die in den Verdacht gerieten, mit ihnen zu sympathisieren, mit Verbannung und Beschlagnahmung ihres Vermögens.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Verbrennung von Juden anlässlich der Pest 1349.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hier liegt eine Parallele zur Behandlung der Juden vor. Allerdings mischten sich die Maßnahmen gegen die Juden mit Versuchen ihrer Zwangsbekehrung und Beraubung. Da die Zusammenarbeit mit den Hussiten ein Todesurteil nicht rechtfertigen konnte, griff der Herzog auf den alten Vorwurf der Hostienschändung zurück, um die Verbrennung der Juden nicht als Willkürakt erscheinen zu lassen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hostienschändung - Mittelalterliche Darstellung, 1492.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Als Hostienfrevel oder Hostienschändung bezeichnete die römisch-katholische Kirche zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert den angeblichen Missbrauch von konsekrierten Hostien. Den Beschuldigten, meist Juden, manchmal auch der Hexerei bezichtigte Personen, wurde unterstellt, sich geweihte Hostien beschafft und diese zerschnitten oder anderweitig geschändet zu haben, um die Marter Jesu Christi bei der Kreuzigung zum Hohn nachzuvollziehen. Entsprechend stereotyp formulierte Vorwürfe führten zu Prozessen mit vorbestimmtem Ausgang. Die Beschuldigten wurden nach einem durch peinliche Befragung erpressten Geständnis meist zur Hinrichtung verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Infolge derartiger Hostienschänderprozesse wurden oft alle ansässigen Juden enteignet und aus Städten und ganzen Regionen vertrieben. Hinter dem Vorwurf des angeblichen Hostienfrevels stand Antijudaismus. Die Legenden eines im Judentum angelegten, zwanghaften und antichristlichen jüdischen Hostienfrevels standen wie die etwa 50 Jahre zuvor aufgekommenen Ritualmordlegenden im Zusammenhang mit dem antijudaistischen Gottesmordvorwurf, der sich seit dem 2. Jahrhundert im Christentum verbreitet hatte. Nach der 1215 dogmatisierten Lehre von der Transsubstantiation wandeln sich bei der Heiligen Messe die eucharistischen Gestalten von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi. Daher gilt die Verunehrung oder das Wegwerfen der eucharistischen Gestalten nach kirchlichem Recht als Sakrileg. Das kanonische Recht spricht nicht von Hostienfrevel und Hostienschändung.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hostienschändung - Mittelalterliche Darstellung, Originaltext:
Die Heiligen Hostien werden / von den verschalekten Juden / biß auf das
Heilige Blut mit / Dörnern gekratzt, und es er= / scheint unter solcher Marter ein
/ kleines Kindlein, ein dergleiche / Dorn ist noch zu sehen.

Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Da die Vertreibung wirtschaftlich jedenfalls eine Fehlentscheidung war, diente die grausame Behandlung der Juden, die auf ihre Beraubung abzielte, einer finanziellen Schadensbegrenzung. Die unangenehmen Folgewirkungen stellten sich auch prompt ein, als Albrecht mit dem in der Steiermark herrschenden Ernst dem Eisernen einen Vertrag über eine Entschädigung der Ansprüche der Vertriebenen schließen musste und auch Kaiser Sigismund entsprechende Ansprüche erhob.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Urkunde 1371; Herzog Albrecht von Österreich bewilligt den Kauf eines Hauses
 in Wien durch den Juden Joserlein von Neuenburg. Mit Siegel.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Hinter den Vorgängen von 1420/1421 ist eine tieferliegende Strukturveränderung zu erkennen, die in ihren Anfängen etwa in die 80er Jahre des 14. Jahrhunderts zurückreicht. Um die Jahrhundertwende ist zu bemerken, dass die klassischen Geldgeschäfte zwischen den Juden und der adeligen Führungsschicht an Zahl und Umfang abnehmen. Parallel dazu wird die Bindung an den Herzog immer enger.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Urkunde des Erzherzogs Rudolf von Österreich.
Juden betreffend. Mit eigenhändigem Vermerk Rudolfs; 1362.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Ursachen für diesen Zusammenbruch der Beziehungen zwischen Adel und Juden liegen zum Teil in der Gefährdung des Adels, der durch die bei Juden aufgenommenen Darlehen in Abhängigkeit zum Landesfürsten geriet, der diese Darlehen als Teil seines Kammerguts betrachtete. Der Adel hatte daher 1420/1421 kein Interesse, sein noch immer erhebliches politisches Gewicht zugunsten der Juden einzusetzen. Ein weiteres strukturelles Moment ergab sich aus der spätscholastischen Diskussion um das Renten- und Geldgeschäft auf Zinsen, wobei die Vertreter der Kirche auf dem Rentengeschäft beharrten, primär aus der Überlegung, dass diese Form der Kapitalanlage "den Gottesdienst vermehre".
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Wiener Urkunde von 1370. Die Juden betreffend, mit fünf Siegeln.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
 In Wien wurde diese Lehre von Heinrich von Langenstein und Heinrich von Oyta gepflegt und verbreitet, die auch ausführlich zur Frage der jüdischen Darlehen Stellung nahmen. Aus ihren Ansichten ergibt sich die Quintessenz, dass man die Darlehen gegen Zinsen möglichst einschränken sollte. Durch die Konzentration der Juden auf das Geldgeschäft brächte man sie obendrein in eine soziale Situation, die ihre Bekehrung äußerst erschweren würde, da sie nach der Konversion keinen Lebensunterhalt mehr fänden.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Relief und Inschrift am Jordanhaus am Wiener Judenplatz.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Gryffindor
Ein sichtbares Erinnerungsmal an die Wiener Gesera ist das nach einem Besitzer im späten 15. Jahrhundert benannte Jordanhaus am Judenplatz. Dieser brachte im Zuge einer Renovierung ein Relief mit der Taufe Jesu an, darunter ist eine in elegischen Distichen verfasste lateinische Inschrift, die die „wütende Flamme“, die 1421 die „Verbrechen der Hebräerhunde“ reinigte, feiert:
Flumine Jordani terguntur labe malisque
corpora cum cedit, quod latet omne nephas.
Sic flamma assurgens totam furibunda per urbem 1421
Hebraeum purgat crimina saeva canum.
Deucalioneis mundus purgatur ab undis
Sicque iterum poenas igne furiente luit.
(„Durch die Fluten des Jordan wurden die Leiber von Schmutz und Übel gereinigt. Alles weicht, was verborgen ist und sündhaft. So erhob sich 1421 die Flamme des Hasses, wütete durch die ganze Stadt und sühnte die furchtbaren Verbrechen der Hebräerhunde. Wie damals die Welt durch die Sintflut gereinigt wurde, so sind durch das Wüten des Feuers alle Strafen verbüßt.“)
Die Inschrift – in schwer zu lesender gotischer Schrift und relativ hoch oben angebracht – blieb lange Zeit unbeachtet. Erst im Zuge der Diskussionen um die Errichtung des Mahnmals am Judenplatz gab es Überlegungen, was mit der Tafel zu tun wäre, und man entschied sich, sie gleichfalls als Mahnmal an Ort und Stelle zu belassen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Pogrom in der Frankfurter Judengasse 1614.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Bis 1624 gab es für Juden ein prinzipielles Ansiedlungsverbot, doch wurde dieses durch Ausnahmebestimmungen durchbrochen. Als gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Ausnahmegenehmigungen bedeutend zunahmen, kam es vor 1582 zur Anlage eines neuen jüdischen Friedhofs in der Seegasse. Ferdinand II. erteilte den Juden am 6. Dezember 1624 ein neues Privileg zur Ansiedlung im Unteren Werd. Die Juden bildeten dort eine eigene Gemeinde mit einem jüdischen Gericht und allen Einrichtungen (samt der Führung eines eigenen Grundbuchs). Nach rechtlicher Schlechterstellung ab 1637 kam es 1669/1670 unter Leopold I. neuerlich zur Vertreibung. Die Stadt Wien erklärte sich bereit, den Ausfall an Judensteuer selbst zu bezahlen. Der Friedhof in der Seegasse wurde einem Bleicher zur Betreuung übertragen.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kaiser Leopold I. verbannt die Juden und lässt in der Leopoldstadt Gotteshäuser errichten.
"Kaiser Leopold der Erste gründet die Gotteshäuser in der Leopoldstadt, aus welcher
er zugleich die Juden verbannt. 1670." Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert,
mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Blatt 148 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte
von Wien“. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im Zuge des Türkenkriegs nach 1683 wurde Samuel Oppenheimer nach Wien berufen, der 1686 den Friedhof kaufte und wieder seiner Verwendung zuführte. Um 1700 wanderten einige finanzkräftige Familien (Wertheimer, Schlesinger, Simon Michel und andere) zu; sie konnten sich die Verlängerung ihrer Toleranzen nur durch hohe Zahlungen erkaufen und leisteten auch Beiträge zum Bau der Karlskirche, der Hofbibliothek und des Schlosses Schönbrunn (Umbau durch Pacassi). Durch den Tod Oppenheimers (1703), der fast im Alleingang die erste Phase des Spanischen Erbfolgekriegs finanziert hatte, kam es zum Staatsbankrott und zu schweren Verlusten für alle in böhmischen und in deutschen Städten lebenden Juden.
Judentum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Auszug der Juden aus Wien 1670.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts wurden bestimmte Häuser Juden zugewiesen: Das Grüner'sche und das Seitter'sche Haus am Bauernmarkt, das Haus "Zum Küß' den Pfennig" (Adlergasse 4) und ein Haus am Kienmarkt. Der Kaiser verbot am 28. Dezember 1723 das Wohnen von Juden in Christenhäusern, um die Juden von den Christen abzusondern. Wer dagegen handelte, musste mit einer Strafe von 1000 Talern rechnen. Die restriktiven Maßnahmen gegen die Juden fanden ihren Höhepunkt in den Judenordnungen Maria Theresias (1753 und 1764).
Text auszugsweise aus:
Juden und Jüdinnen im Mittelalter
Wiener Stadt- u. Landesarchiv (MA 8) und die Wienbibliothek im Rathaus (MA 9)
 
 
  Stadtgeschichte Wiens
    Heeresgesch. Museum
    Steinzeit
    Bronzezeit
    Eisenzeit - Kelten
    Die Römer in Wien
    Carnuntum
    Völkerwanderung
    Wien im Mittelalter
    Schlacht am Marchfeld
    Neidhart Fresken
    Virgilkapelle
    Wiener Geserah
    1.Türkenbelagerung
    Der 30jährige Krieg
    2.Türkenbelagerung
    Pestepidemien
    Franzosenkriege
    Wiener Kongress
    Vormärz
    Hochwasser 1830
    Revolution 1848/49
    Solferino 1859
    Königgrätz 1866
    Seeschlacht v. Lissa
    Donaumonarchie
    Weltausstellung 1873
    Ringtheaterbrand 1881
    Die Belle Époque
    Erster Weltkrieg
    Erste Republik
    Das Rote Wien
    Justizpalastbrand 1927
    Bürgerkrieg 1934
    Anschluss 1938
    Judenverfolgung
    Groß Wien
    Widerstandsbewegung
    Kampf um Wien
    Nachkriegszeit
    ERP Marshallplan
    Staatsvertrag
    Gipfeltreffen 1961
    OPEC Überfall 1975
    Reichsbrückeneinsturz
    Gipfeltreffen 1979
    Austromir 1991
    Flüchtlingskrise 2015
    Silberstein-Affäre 2017
    Demografie Wien
    Historische Erdbeben
    Hist. Hochwässer
  Militär und Luftfahrt
    Die Deutschmeister
    k.u.k. Kriegsmarine
    Nordpolexpedition
    Flaktürme Augarten
    Patrouillenbootstaffel
    Österr. Luftstreitkräfte
    Luftfahrt Geschichte
    Austrian Airlines
    Flughafen Wr. Neustadt
    Flugfeld Aspern
    Alouette III
    Eurofighter EF2000
    Österr. Landstreitkräfte
  Wirtschaft und Technik
    Austromir 1991
    Techn. Museum
    Eisenbahn Geschichte
    Der "Blaue Blitz"
    Stadtbahn Wien
    Autoindustrie
    Marcus-Wagen
    Donauschifffahrt
  Die Belle Époque
    Wien um 1900
    Die Ringstraße
    Ringstraßenpalais
    Heinrichhof
    Café Prückel
    Café Schwarzenberg
    Café Landtmann
    Hotel Imperial
    Hotel Bristol
    Grand Hotel
    Kursalon Hübner
    Semmering
    Die Semmeringbahn
    Bad Gastein
    Die Tauernbahn
  Geschichte 2. Bezirk
 
 
 
 
 
Historischer Originalschauplatz
2000 Jahre Wiener Geschichte lebendig gemacht
ein Rundgang durch 1.300m2 Erlebnisfläche - humorvoll begleitet durch Tourguides - mit 5D Kino, Animatronic Shows, Musik und Spezialeffekten
Time Travel Vienna richtet sich an Menschen jedes Alters, an Einheimische und Touristen, an alle, die etwas über die Geschichte Wiens erfahren wollen. Die Shows dauern 50 Minuten, sind kompakt und spannend aufbereitet, humorvoll begleitet von Tourguides.
Habsburgergasse 10A, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 5321514
www.timetravel-vienna.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
© design by gaube 2016
design by gaube