Gipfeltreffen 1979
SALT II wurde in der Wiener Hofburg unterzeichnet
18. Juni 1979
SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979 © Pressebildagentur Votava - www.votava.at
SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
Unterzeichnung des SALT - Vertrages im Redoutensaal der Wiener Hofburg.
Praesident Carter (links) und Praesident Breschnjew (rechts) unterschreiben.
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In der Wiener Hofburg unterzeichnen der US-amerikanische Präsident Jimmy Carter und der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid I. Breschnew den SALT-II-Vertrag (Strategic Arms Limitation Talks) - Begrenzung der strategischen Arsenale auf jeweils 2250 Trägersysteme, davon 1200 Fernraketen mit Mehrfachsprengköpfen
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SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
Praesident Carter (links) und Praesident Breschnjew (rechts) ueberreichen
die Vertraege. Hinter Carter steht US-Aussenminister Cyrus Vance,
hinter Breschnjew steht der sowjetische Aussenminister Gromyko.
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Obwohl das erste SALT-Abkommen noch bis 1977 gültig sein sollte, nahmen die beiden Großmächte schon 1974 Gespräche über weitere Abrüstungsschritte auf. Diese mündeten in die sogenannte Wladiwostok-Übereinkunft des Jahres 1974.
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SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
Erstes Treffen in der Praesidentschaftskanzlei. v.l.n.r.: Bundespraesident Dr. Rudolf Kirchschlaeger, Praesident Leonid Breschnjew, Praesident Jimmy Carter, Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky.
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Dieses neue Abkommen legte eine für beide Seiten gleiche, quantitative Obergrenze für "means of delivery", also für Trägersysteme von Raketen, fest. Dieser neue Entwurf bildete die Grundlage für das SALT II-Abkommen, das allerdings erst 1979, nach mehr als sechs Jahre andauernden Verhandlungen, in Wien unterzeichnet werden konnte.
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SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
Präsident Jimmy Carter, mit Tochter Ami bei den Wiener Saengerknaben.
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Es wird in diesem Zusammenhang vorgestellt und analysiert, obwohl es nach seiner Unterzeichnung durch die damaligen Staatschefs Carter und Breschnjew doch niemals ratifiziert wurde. Zwar billigte der amerikanische Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten den Vertrag, doch Präsident Carter selbst empfahl dem Senat später, den Vertrag abzulehnen, nachdem die Sowjetunion 1979 in Afghanistan einmaschiert war und Amerika sich in seiner globalen Bedrohungsperzeption durch den Kommunismus bestärkt sah.
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SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
Erstes Treffen in der Präsidentschaftskanzlei.
 Präsident Leonid Breschnjew, Präsident Jimmy Carter.
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Da der Vertrag jedoch schon unterzeichnet war, waren beide Parteien völkerrechtlich insofern an ihn gebunden, als es ihnen nicht erlaubt war, den Vertragsprovisionen zuwider zu handeln, ohne offiziell dessen Nicht-Implementierung zu verkünden. Darüber hinaus gaben beide Regierungen Erklärungen ab, den Vertrag trotz der Nicht-Ratifizierung weiterhin achten zu wollen.
Salt II Vertrag
SALT II besteht aus drei verschiedenen Ebenen ("three-tier arrangement"): zum einen einigte man sich konkret auf langfristige Abrüstungsschritte, die sogar noch über die in Wladiwostock beschlossenen Zahlen hinausgingen; zweitens beschloss man sofortige Maßnahmen zur Regelung besonders drängender Fragen; und drittens verständigte man sich auf eine gemeinsame Position bezüglich weitergehender Abrüstungsschritte in der Zukunft ("Joint Statement of Principles"). Eine Absichtserklärung ähnlicher Art kommt außerdem in Artikel I des SALT II Vertrages zum Ausdruck:
"Each Party undertakes, in accordance with the provisions of this Tretay, to limit strategic offensive arms quantitatively and qualitatively, to exercise restraint in the development of new types of strategic offensive arms, and to adopt other measures provided for in this Treaty."
Im Vertragswerk enthalten ist auch die Absicht, eine Datenbank einzurichten, durch die beide Vertragsparteien Zugriff haben auf Daten bezüglich des Umfangs der strategischen Waffen des Gegners worin ein bedeutender Fortschritt im Vergleich zu vorherigen Abkommen zu sehen ist. Die Verhandlungen, die letztlich zur Vertragsunterzeichnung führten, veranschaulichen wiederum auf eindrückliche Weise, mit welchen Problemen dieses bilaterale Abrüstungsprojekt - so wie im Grunde alle anderen Abrüstungsverhandlungen auch - konfrontiert war: entscheidender Streitpunkte war die Frage der Vergleichbarkeit unterschiedlicher Waffensysteme und die Frage der Bedeutung dieser Systeme innerhalb der Militärstrategien beider Länder. Schon kurz nach der Unterzeichnung der Übereinkunft in Wladiwostok unterbreitete die Amerikanische Führung der Sowjet Union ein Angebot zur weitgehenden Reduzierung von ICBMs, welches von der sowjetischen Regierung jedoch umgehend abgelehnt wurde, da ICBMs ein integraler Bestandteil ihrer Militärstrategie darstellte:
"Owing to the differences in geography, technology, strategy and defence arrangements with their allies, the United States and the Soviet Union placed different emphasis on various components of their forces. The Soviet Union had more land-based ballistic missiles with larger megatonnage and better air defences, while the United States had more warheads and greater missile accuracy as well as other advantages in submarine and bomber forces."
Im wesentlichen wurden folgende Limits im sehr komplexen Vertragstext festgelegt:
eine Begrenzung der Startsysteme auf insgesamt 2400 auf jeder Seite, dazu gehörten ICBM und SLBM Abschussvorrichtungen, schwere Bomber und Boden-Luft-Raketen (ASBMs/ Air-to-surface-ballistic missiles) mit einer Reichweite von mehr als 600 km. Dieses Limit sollte bis zum 31.12.1981 sogar noch auf 2250 gesenkt werden.
beide Seiten sollten außerdem die Anzahl ihrer Abschußvorrichtungen für Raketen, die mit Mehrfachsprengköpfen (MIRVs) ausgerüstet sind, sowie für Bomber, die mit Raketen mit einer Reichweite von mehr als 600 km ausgestattet sind, auf insgesamt höchstens 1320 reduzieren. Die Zusammensetzung dieser Summe blieb den beiden Staaten überlassen, was den unterschiedlichen Militärdoktrinen und Bedürfnissen entspricht.
darüber hinaus wurde die Anzahl der Mehrfachsprengköpfe pro Rakete eingefroren: ICBMs sollten mit nicht mehr als 10 MIRVs bestückt sein, während SLBMs höchstens 14 und ASBMs höchstens 10 MIRVs transportieren sollten.
weiterhin wurde das zulässige Start- und Wurfgewicht (launch-weight and throw-weight) von ICBMs reguliert, der Bau neuer fixierter ICBM-Startrampen verboten, sowie die Umwandlung bereits existierender leichter ICBM-Rampen in schwere ausgeschlossen.
ein weiterer wesentlicher Aspekt bestand in Artikel IV § 9, der besagt, dass es keinem Land gestattet sei, mehr als einen neuen leichten ICBM-Typ zu testen: "Each Party undertakes not to flight-test or deploy new types of ICBMs, that is, types of ICBMs not flight-tested as of May 1, 1979, except that each Party may flight-test and deploy one new type of light ICBM."
ferner wurde der Bau von "rapid reload ICBM systems", mobilen ICBM Abschusssystemen, der Bau von fest installierten Abschussvorrichtungen unter Wasser, sowie die Konstruktion weltraumgestützer Systeme untersagt.
Der zweite Teil von SALT I war eine vorläufige Vereinbarung, eine fünf Jahre gültige Interimsvereinbarung. Beide Seiten verpflichteten sich darin, ihre strategischen Offensiv-Fernlenkwaffen, und zwar die land- und die seegestützten, auf dem Mitte 1972 erreichten Stand einzufrieren. Die Zahl der Interkontinentalraketen betrug auf Seiten der USA 1.054 und auf Seiten der Sowjetunion 1.618 Raketen.
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SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
Erstes Treffen in der Präsidentschaftskanzlei. Präsident Leonid Breschnjew, Präsident Jimmy Carter.
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Die Sowjetunion hatte die USA im Wettrüsten inzwischen überholt. Dafür rüsteten die USA ihre Fernlenkwaffen inzwischen mit Mehrfachsprengköpfen (MIRV) aus, die auf verschiedene Ziele gelenkt werden konnten, während die Sowjetunion noch nicht über diese Technologie verfügte. Die Vereinbarung erlaubte, 1.000 US-amerikanische ICBM mit zum Teil 10 Gefechtsköpfen und 1.408 sowjetische ICBM mit zum Teil 3 Gefechtsköpfen zu stationieren. Die Sowjetunion musste also eine größere Zahl von ICBM abbauen als die USA.
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SALT 2 - Gipfeltreffen in Wien, Juni 1979:
CARTER - BRESCHNEW IN WIEN SOWJETISCHE BOTSCHAFT 17.6.79 *1-3 V.L.: GENERAL DIMITRI USTINOW , KONSTANTIN TSCHERNENKO , ANDREI GROMYKO , LEONID BRESCHNEW , JIMMY CARTER , CYRUS VANCE , HAROLD BROWN , ZBIGNIEW BRZEZINSKI.
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Ebenso wurde mit dem Interimsabkommen die Anzahl von Submarine-launched ballistic missiles (SLBM) auf 44 US-Atom-U-Boote mit maximal 710 SLBM und 62 sowjetische Atom-U-Boote mit 950 SLBM eingefroren. Tatsächlich lag der Bestand bei Vertragsunterzeichnung von SALT I bei 41 US-amerikanischen und 656 SLBM und 25 sowjetischen Atom-U-Booten und 740 SLBM. Damit durften nur noch neue Raketen-U-Boote in Dienst gestellt werden, wenn parallel ältere Interkontinentalraketen (ICBM) oder SLBM außer Dienst gestellt wurden.
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Die Verhandlungen zu den SALT I-Vertraegen begannen am 17. November 1969 in Helsinki. Die weiteren Sitzungen fanden abwechselnd in Wien und Helsinki statt. Die SALT-Vertrage zwischen den USA und der UdSSR; (Sowjetunion Russland) (Vertraege zur nuklearen Ruestungsbegrenzung) erhielten ihren Namen durch die Gespraeche zur Begrenzung strategischer Ruestung (Strategic Arms Limitation Talks) von 1969 bis 1979. Sitzungen; fanden auch im Belvedere statt.
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Modernisierung und Ersatz von ICBM und SLBM blieben zugelassen. Das passte zur Planung der amerikanischen Marine, die ab 1978, also nach Auslaufen des Interimsabkommens, ihre alten Poseidon-Raketen durch neue U-Boottypen und Trident-Raketen ersetzen wollte.
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Die Verhandlungen zu den SALT I-Vertraegen begannen am 17. November 1969 in Helsinki. Die weiteren Sitzungen fanden abwechselnd in Wien und Helsinki statt. Die SALT-Vertrage zwischen den USA und der UdSSR (Sowjetunion Russland) (Vertraege zur nuklearen Ruestungsbegrenzung) erhielten ihren Namen durch die Gespraeche zur Begrenzung strategischer Ruestung (Strategic Arms Limitation Talks) von 1969 bis 1979.Die Sowjetische Delegation wurde von Vladimir SEMJONOV (Wladimir Semjonowitsch Semjonow) und die amerikanische Delegation von Gerard C. SMITH geleitet. Bild zeigt Die Sitzung im Belveder mit SMITH (4.v.re) und SEMJONOV (3.v.l).
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 Bei der Entwicklung von lenkbaren Mehrfachsprengköpfen (MIRV) behielten sich beide Seiten Entscheidungsfreiheit vor. Strategische Bombenflugzeuge wurden bei SALT I nicht mitgezählt, ihr Bau nicht beschränkt. Bei ihnen war die USA der Sowjetunion weit überlegen. Auch die in und um Europa herum und im Pazifik stationierten Flugzeuge und Flugzeugträger wurden nicht mitgezählt.
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Die Sowjetische Delegation wurde von Vladimir SEMJONOV (Wladimir Semjonowitsch Semjonow) und die amerikanische Delegation von Gerard C. SMITH geleitet. Bild zeigt vlnr SEMJONOV, Bupraes. Rudolf KIRHSCHLAEGER und SMITH.
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 Ebenso wenig schloss der Vertrag die Kernwaffen Frankreichs und Großbritanniens ein, die eine kürzere Reichweite hatten. SALT I verlangte auch nicht den Verzicht auf ein einziges Programm zur Entwicklung von Offensivwaffen. SALT I bedeutete, dass die Sowjetunion ihren bei Nuklearwaffen erreichten Vorsprung weitgehend aufgab und die USA durch das Einfrieren auf fünf Jahre die Gelegenheit erhielt, ihren Rückstand aufzuholen.
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Die Sowjetische Delegation wurde von Vladimir SEMJONOV (Wladimir Semjonowitsch Semjonow) und die amerikanische Delegation von Gerard C. SMITH geleitet. Bild zeigt vlnr SEMJONOV und SMITH.
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Bewertend kann gesagt werden, dass SALT II in einigen Bereichen relativ große und wichtige Fortschritte erzielte, wenn man auch insgesamt nicht von echter Abrüstung sprechen kann, da die Anzahl der Waffensysteme in vielen Fällen nur auf dem Stand der Vertragsunterzeichnung eingefroren wurde. SALT II ist also ein typisches Beispiel für Rüstungskontrolle, bei der sich beide Parteien zum ersten Mal auf quantitativ gleiche Begrenzungen ihrer Waffensysteme einließen. Zum anderen wurden bestimmte Systeme (weltraum- sowie meeresbodengestützte Raketen etc.), wie oben aufgeführt, generell verboten, wodurch der Rüstungswettlauf zumindest in seinen Facetten beschnitten werden sollte. Kritisiert wurde jedoch gleichzeitig die Hohe erlaubte Zahl an MIRVs pro Rakete, die insgesamt nicht verwirklichte Reduktion von Waffensystemen, sowie die fehlende Regelung bezüglich neuer Mehrfachsprengköpfe.
Wiener Gipfel 1979 - Artikel von Ulrich Schiller 15. Juni 1979, 7:00 Uhr
Kaum Zeit zum Verhandeln
Themen für Carter und Breschnjew: Salt II,
neue Rüstungskontrollen, Weltfrieden, Handelserleichterungen
Jimmy Carter hat das letzte Wochenende vor dem Wiener Gipfel dort verbracht, wo vor zwanzig Jahren Dwight Eisenhower und Nikita Chruschtschow den flüchtigen Geist einer amerikanisch-sowjetischen Annäherung zum Kappen des Kalten Krieges gezeugt hatten: in Camp David. Der Name des Landsitzes amerikanischer Präsidenten steht seit der dramatischen Nahostkonferenz im vergangenen Herbst längst für andere Taten. Auch in den Annalen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ist der „Geist von Camp David“ nach späteren, zum Teil schwersten Krisen wie Kuba 1962 und unerfüllt gebliebenen Blütenträumen wie Richard Nixons neuer Friedensära nur noch ein vergangenes Kapitel. Die Regierung Carter hat das Verhältnis der beiden Supermächte mit dem Wortpaar „Wettbewerb und Zusammenarbeit“ (competition and Cooperation) gekennzeichnet. Damit soll dem dialektischen Spannungsverhältnis zwischen Gefahr und Chance Ausdruck gegeben und zugleich mit verschwommenen Illusionen aufgeräumt werden, die Begriffe wie Koexistenz und Détente geweckt haben. In diesem Sinne hat Carter sich auf Wien vorbereitet.
Empfang in der Hofburg, Bundespräsident Kirchschläger (links) schüttelt Carter die Hand,
daneben Breschnew (rechts, mit Orden auf der Brust) und Mitglieder der Delegationen,
links hinter Kirchschläger steht Bundeskanzler Kreisky (ganz links) ;1979.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Physisch ist der Präsident in blendender Verfassung. Der 54jährige treibt regelmäßig Sport, täglich absolviert er einen ausgedehnten Dauerlauf, auf den er auch in Wien nicht verzichten will. Böswillige Zungen, die ihm eine bewußte Herausforderung des 72jährigen kranken Breschnjew unterstellen, lassen ihn ungerührt. Für Verhandlungen auf internationaler Ebene hat er sich stets, mit äußerster Gründlichkeit vorbereitet. Alles verfügbare Wissen über Sachgebiete, die zur Sprache kommen werden, hat er aufgesogen wie ein Schwamm, und Charakterstudien seines Gegenüber sind ihm Pflichtlektüre. Der wechselhafte, insgesamt fragile Zustand des sowjetischen Partei- und Staatschefs erschwert diesmal freilich die Kalkulation. Für freies Verhandeln wird in Wien wenig Raum sein. Zum einen dürfte Breschnjew hauptsächlich Notizen ablesen, die im Politbüro vorbereitet wurden, zum anderen steht nur wenig Zeit zur Verfügung. Zieht man von den insgesamt vier Arbeitssitzungen am Sonnabend und am Sonntag die für die Übersetzung ins Englische beziehungsweise Russische notwendige Zeit ab, bleiben Carter und Breschnjew weniger als je zwei Stunden für eigene Positionsbeschreibungen und Argumentationen übrig. Medizinische Sachverständige des CIA sollen Präsident Carter auch gewarnt haben, Breschnjew mit Überraschungen zu konfrontieren. Der Kremlherr könnte unberechenbar reagieren ... Insofern ist der Wiener Gipfel detaillierter vorbereitet worden als alle seine Vorläufer.
Gipfeltreffen Carter - Breschnew in Wien, Vertragsunterzeichnung und
Pressekonferenz, Redoutensaal Hofburg, Carter und Breschnew sitzen an einem
großen Tisch, rund um sie stehen Menschen am Rand des Raumes,
Militärs, Diplomaten,  Pressevertreter, Politiker.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Wenn es nach Carter gegangen wäre, hätte er seinen Moskauer Gegenspieler gleich 1977, im ersten Amtsjahr getroffen. Doch Carters Menschenrechtspolitik und seine überraschenden Abrüstungsvorschläge erschwerten Moskau schon die Fernorientierung, so daß Breschnjew die Fertigstellung des zweiten Salt-Abkommens zur Voraussetzung eines Treffens mit dem neuen Präsidenten machte. Schließlich war über diesen, Vertrag ja schon fast fünf Jahre lang verhandelt und 1974 in Wladiwostok sogar ein Grundgerüst vereinbart worden, als die neue Regierung Carter im März 1977 plötzlich mit wirklichen Abrüstungsvorschlägen herauskam. Darauf war Moskau nicht gefaßt gewesen, und es brauchte Monate, bis die Salt-Verhandlungen wieder auf das eingefahrene Gleis kamen.Hätte nicht schon Gerald Ford dieses Abkommen abschließen und unterzeichnen können? Vielleicht. Aber er war ab 1975 schon in den Präsidentschaftswahlkampf verbissen und ließ sich überdies, was in diesem Falle schwerer wog, vom orthodoxen Reagan-Flügel seiner Republikanischen Partei einen ideologischen Kampf aufzwingen. Ein Abkommen mit Moskau, so glaubte Ford, könne ihm dabei keine Pluspunkte einbringen. Auf der anderen Seite ist ungewiß, ob die Sowjets schon damals wirklich zum Abschluß bereit waren, da sie in der von den Amerikanern gestarteten Technologie der Mehrfachsprengköpfe noch nicht nachgezogen hatten. Andere waffentechnische Neuigkeiten erschwerten den weiteren Fortgang der Verhandlung: die „Cruise Missiles“ auf amerikanischer Seite, der „Backfire-Bomber“ und „schwere“ Raketen auf sowjetischer. Ob der von Henry Kissinger noch 1974 angezweifelte Nutzen strategischer Superiorität nicht doch von den Sowjets angestrebt und bei anhaltender Tendenz Mitte der achtziger Jahre sogar erreicht werden könne, wurde für die USA zur überragenden Sorge, je weiter sich die Salt-Verhandlungen über 1978 hinaus in den Anfang dieses Jahres hineinzogen, Alle Ängste vor überraschenden Entwicklungen beim Gegenspieler – Sorgen die auf beiden Seiten groß sind, auf sowjetischer Seite aber wohl am deutlichsten berücksichtigt wurden – schlagen sich in dem Protokoll nieder, das neue Waffensysteme behandelt und dessen: Gültigkeit vorsichtigerweise bis 1981 begrenzt wurde. Die Festsetzung von zahlenmäßigen Höchstgrenzen für Abschußrampen strategischer Waffen aller Art erstreckt sich bis 1985. Fünfundzwanzigmal ist in den letzten zwei Monaten vor Abschluß der Salt-Verhandlungen die Limousine des sowjetischen Botschafters Dobrynin in der Tiefgarage des Außenministeriums in Washington eingefahren – so intensiv wurde zu guter Letzt die von beiden Supermächten gewünschte Salt-Unterzeichnung betrieben. Dobrynin hat jetzt 23 Jahre seiner Karriere in den Vereinigten Staaten verbracht. Er ist in Washington eine diplomatische Institution, und er hat sich für Cyrus Vance als ein unersetzbarer Partner im Salt-„Geschäft“ erwiesen. In allen Sackgassen haben diese beiden Männer Auswege gesucht und gefunden. Außer der Salt-Unterzeichnung zum Abschluß, des Gipfeltreffens steht in Wien die Erörterung dreier großer Themenkreise auf dem Programm. Die Vorbereitung weiterer Rüstungskontrollmaßnahmen. Dazu gehören MBFR, Grundzüge eines dritten Salt-Abkommens, ein Teststopp-Abkommen für Kernwaffen und Limitierungen in der Entwicklung von Satellitenkillern. Regionale Probleme für die Supermächte. Der amerikanische Präsident will den sowjetischen Staatschef zu mehr Kooperation im Nahen Osten, in Afrika und in Asien gewinnen und sehr bestimmt vor einer Ausdehnung der militärischen Überseeoperation Fidel Castros und einer eventuellen sowjetischen Intervention in Afghanistan warnen. Für Breschnjew stellt sich die neue Rolle Chinas wenigstens teilweise als „regionales“ Problem dar. Bilaterale Beziehungen. Moskau wünscht dringend die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel, die im Handel mit den USA nicht nur Zollerleichterungen, sondern auch verbilligte Kredite einbrächte. Um die Meistbegünstigungsklausel in Aussicht stellen zu können, müßte Carter von Breschnjew eine Zusicherung bekommen, daß die Auswanderung der Juden weiterhin mindestens so großzügig wie im ersten Teil dieses Jahres genehmigt wird. Darauf besteht der amerikanische Kongreß, und er entscheidet über eine Revision des Handelsgesetzes. Der Kongreß ist Carters große Belastung. Der Präsident kann in Wien nicht einmal mit der Gewißheit auftreten, daß das Salt-Abkommen, das er unterzeichnet, vom Senat auch ratifiziert werden wird. In der Mehrzahl der amerikanischen Zeitungen erscheint Jimmy Carter denn auch als ein Präsident, dem – nach dem Bilde eines Karikaturisten – der Teppich unter den Füßen weggezogegn wird, während er an den Wiener Verhandlungstisch tritt: Der Kongreß versagt ihm innenpolitisch die Gefolgschaft wie bei den Energiefragen, und zieht sie außenpolitisch in Zweifel, wie beim Salt-Abkommen, und Senator Kennedy ermuntert mit orakelhaften Äußerungen die Revoluzzer gegen Carter in der eigenen Partei. Auf der anderen Seite des Tisches – dem Bilde folgend – wird am Stuhl gezogen, in den sich ein siecher Leonid Breschnjew haltsuchend verkrampft. In beiden Hauptstädten sei der Nachfolgekampf bereits voll im Gange, meinen einige Beobachter, was könne da in Wien herauskommen. In der Tat sind selbst aus Regierungskreisen nur sehr bescheidene Erwartungen zu hören.
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Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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