Johann Nestroy
* 1801 - † 1862
Dramatiker, Schauspieler und Opernsänger am
Leopoldstädter Theater 1839 - 1847 bzw. Carltheater 1847 - 1860.
Johann Nestroy Denkmal © Erhard Gaube
Das Johann Nestroy Denkmal in der Praterstraße.
Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy (* 7. Dezember 1801 in Wien; † 25. Mai 1862 in Graz) war ein österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Opernsänger. Sein Werk ist der literarische Höhepunkt des Alt-Wiener Volkstheaters. Johann Nepomuk Nestroy wurde als zweites von acht Kindern einer angesehenen Wiener Bürgerfamilie geboren. Er sollte – wie sein Vater, der „Hof- und Gerichtsadvokat“ Johann Nestroy – Jurist werden, interessierte sich aber mehr für das Theater. Nestroy besuchte das Akademische Gymnasium von 1811 bis 1813, danach ab 1814 das Schottengymnasium, im gleichen Jahr starb am 15. April seine Mutter Magdalena. In diesem Jahr absolvierte er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Pianoforte-Spieler in einem Konzert. Nestroy begann 1819 ein Philosophie-, ab 1820 ein Jura-Studium an der Universität Wien, sang aber zu dieser Zeit bereits einmal im Redoutensaal der Hofburg eine Bass-Solopartie von Georg Friedrich Händel. Er beendete sein Studium 1822 und begann als Bassist seine Opernsänger-Karriere am Kärntnertortheater und an der Wiener Hofoper als Sarastro in Mozarts Zauberflöte.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1823 ging er an das Hoogduitse Schouwburg Amsterdam (Deutsche Theater) in Amsterdam als Sänger, wo er am 18. Oktober als Kaspar in Webers Der Freischütz debütierte und drei Jahre blieb. Später wurde er Schauspieler an den Theatern in Brünn (1826), wo ihm die Polizei wegen Extemporierens Bühnenverbot gab, in Graz (1826) bei Direktor Johann August Stöger, wo er 1827 seine erste Posse selbst schrieb und spielte, alternierend auch an der Bühne von Preßburg. Dabei wechselte er von der Opern- zur Theaterbühne, denn seine Rolle in Zwölf Mädchen in Uniform (er spielte den Sansquartier) überzeugte ihn selbst von seiner komischen Begabung.
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Johann Nestroy
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1829 hatte er eine Gastspielrolle im Josefstädter Theater in Wien, dann erhielt er 1831 ein Engagement nach Lemberg und debütierte dort als Rappelkopf in Raimunds Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Wegen einer Choleraepidemie aus Lemberg flüchtend, bekam er 1831 sein erstes Engagement von Direktor Carl Carl am Theater an der Wien als Bühnenautor und Komiker, wo seine Karriere als eifriger Theaterschriftsteller begann. Im Jahre 1834 starb sein Vater, im gleichen Jahr wendete er sich von den Zauberstücken seiner ersten Autorenzeit hin zur Lokalposse, zur Parodie und zur volkstümlichen Satire.
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Ganze Figur, sitzend, halb rechts; daneben stehend Louis Grois.
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1836 erhielt er eine Haftstrafe wegen Extemporierens, die er vom 16. bis zum 21. Jänner verbüßte, im September dieses Jahres war er erstmals als Gast in Graz engagiert. In diesem und den folgenden Jahren absolvierte er jährlich große Sommer-Auslandstourneen, die ihn bis Hamburg (1841) und Berlin (1844) führten. 1838 übernahm Direktor Carl auch das Leopoldstädter Theater, so dass Nestroy an 1839 nunmehr für zwei Bühnen schreiben und spielen müsste. Bei der Revolution von 1848 nutzte Nestroy als Autor den Wegfall der Zensur, ein Zustand, der allerdings nicht lange andauerte. Manche seiner Stücke in der Zeit danach wurden von ihm deshalb nicht zur Aufführung freigegeben und sind uns erst aus seinem Nachlass bekannt geworden.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Praterstraße 31. Carltheater vom Nestroydenkmal aus. ;um 1935.
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Von November 1854 bis November 1860 war Nestroy nach Carls Tod Direktor des Carltheaters in der Leopoldstadt. 1857 starb sein Lieblings-Bühnenkollege Wenzel Scholz. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Graz, wo er im Mai 1859 ein Haus erwarb, ebenso eine Villa im August in Bad Ischl. Nestroys letzte Rolle in Wien war der Knieriem in Der böse Geist Lumpazivagabundus im Theater am Franz-Josefs-Kai seines Kollegen Karl Treumann im März 1862, zum letzten Mal überhaupt stand er am 29. April dieses Jahres in Graz auf der Bühne. Er war vermutlich neben Raimund der populärste Wiener Volksstückautor des Vormärz und ein Vorgänger von Ludwig Anzengruber.
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Johann Nestroy  als 'Gaugraf' in
seiner Parodie "Tannhäuser" (ganze
Figur stehend, halb rechts). 1857.
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Johann Nestroy als 'Jupiter' in
 "Orpheus in der Unterwelt"
von Jacques Offenbach.
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Maria Wilhelmine Philippine (von) Nespiesni (* 1804 in Wien; † 1870 ebenda) war die illegitime Tochter von Franz de Paula Emmerich Karl Josef Graf Zichy de Zich et Vasonkeö und von Katharina, geb. von Nespiesni,Gattin des Notariatssekretärs Franz Wilhelm Zwettlinger. Wilhelmines Mutter Katharina war ab 1800 für 13 Monate mit dem Ausschussrat Franz Zacher Edler von Sonnenstein vermählt, danach wurde sie die Geliebte des Grafen Zichy, mit dem sie fünf Kinder hatte, das zweite davon war Wilhelmine. 1813 heiratete sie Franz Zwettlinger, der sich der unehelichen Kinder liebevoll annahm. Im Jahre 1822 lernte Wilhelmine Nespiesni Johann Nestroy bei privaten Theateraufführungen im Hause ihres Stiefvaters kennen. Die Schwiegermutter in spe, Katharina Zwettlinger, verschaffte ihm durch ihre Beziehungen zu Hofkapellmeister Joseph Weigl das erwähnte Engagement an der Wiener Hofoper.
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Johann Nestroy in seinem Stück
 "Lumpazivagabundus"; um 1860.
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Johann Nestroy um 1860.
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Am 7. September 1823 heiratete der damals 22-jährige die 19-jährige Wilhelmine in der Augustinerkirche und reiste mit ihr zu seinem ersten Auslandsengagement nach Amsterdam, wo er im Hoogduitse Schouwburg Amsterdam debütierte. Dieses Angebot, das er am 29. August 1823 erhielt, hatte ihm die finanziellen Möglichkeiten zur Hochzeit verschafft, sein Gehalt betrug 1600 Niederländische Gulden. In Amsterdam wurde am 22. April 1824 der Sohn Gustav geboren. Am 24. Mai 1824 musste Wilhelmine mit Gustav Amsterdam wegen einer durch verseuchtes Trinkwasser hervorgerufenen Fieberseuche überstürzt verlassen, Nestroy wurde krank, konnte sich aber bald erholen.
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Szene aus Offenbachs  "Daphnis
und Chloe", Nestroy als Gott Pan.
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Rollenbildnis als 'Natzi' in seiner
Posse "Eulenspiegel".
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Am 30. Juli kehrte Wilhelmine zurück, aber die Familie blieb nur mehr bis zum 13. August und reiste dann sieben Wochen lang gemächlich durch Holland und Deutschland nach Brünn. Nachdem Nestroy Brünn 1826 auf Befehl der dortigen Polizeidirektion verlassen musste, zog die Familie nach Graz, wo er ein neues Engagement fand. Die sich in der Provinz langweilende Wilhelmine begann dort ein Liebesverhältnis mit einem Grafen Adalbert Batthyány und verließ 1827 ihren Gatten. Der dreijährige Sohn Gustav blieb beim Vater.
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Johann Nestroy als Pan.
In Offenbachs "Daphnis und Chloe"
um 1860.
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Johann Nestroy als Frau Maxl.
In Alexander Bergens Posse "Eine
Vorlesung bei der Hausmeisterin"
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Im Jahre 1841 war Wilhelmine von allen ihren Liebhabern – sie hatte nach dem Grafen Batthyány noch einige – verlassen und finanziell am Ende. Sie bat ihren Noch-Gatten um Unterstützung und Nestroy handelt über seinen Rechtsanwalt mit ihr einen harten Vertrag aus. Wilhelmine Nespiesni musste unterschreiben, dass sie allein an der Zerrüttelung der Ehe schuld war, dass Nestroy zwar ihre Schulden von 160 Gulden begleiche, aber diese Summe in Raten von der gleichzeitig vereinbarten Alimentation abziehen könne. Auch habe sie ab sofort keine weiteren Forderungen mehr und künftig würden keinerlei Schulden mehr von ihrem Gatten übernommen.
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Johann Nestroy als Tratschmiedl.
In seinem Stück
"Der Tritschtratsch" um 1860.
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Johann Nestroy als Sansquartier.
In seinem Stück "Zwölf Mädchen
in Uniform". ;um 1860.
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Auf Grund des damaligen österreichischen Eherechtes – Eheschließungen wurden nach katholischem Ritus vollzogen, eine Scheidung war deshalb nicht möglich – konnte Nestroy sich erst am 15. Februar 1845 nach einem langwierigen und unschönen Annullierungsprozess zivilrechtlich von Wilhelmine scheiden lassen. Eine neuerliche Verheiratung blieb allerdings dennoch für immer ausgeschlossen. Nestroys damals schon langjährige Lebensgefährtin Marie Weiler hielt sich klugerweise aus all den Streitigkeiten um Wilhelmine vollkommen heraus.
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Johann Nestroy als Knitsch.
In seinem Stück "Der gebildete
Hausknecht". ;um 1860
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Johann Nestroy als Specht.
In seinem Stück "Eulenspiegel oder
Schabernack über Schabernack"
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Nach einem Polizeibericht vom 21. Oktober 1854 dürfte Wilhelmine Nespiesni in der Folgezeit einen ziemlich fragwürdigen Lebenswandel geführt haben, denn sie wurde darin folgendermaßen beschrieben:
„Nestroy ist seit 29 Jahren von seiner moralisch tief gesunkenen Gattin gerichtlich geschieden […]“
Dieser – für ihn persönlich übrigens sehr positiv ausgefallene – Polizeibericht war notwendig geworden, da sich Nestroy nach Direktor Carl Carls Tod im Auftrag der Erbengemeinschaft erfolgreich um die Direktion des Carltheaters beworben hatte. Seine Lebensgefährtin, die Sängerin Marie Weiler, die er in seinen Briefen immer als „die Frau“ bezeichnete, liebte er zwar sehr, betrog sie allerdings ständig. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder, Carl und Marie, und sie war ihm bis an sein Lebensende eine große Stütze in finanziellen und auch administrativen Dingen. Nestroy betont in seinem Testamente ausdrücklich, dass er nur ihr sein Vermögen zu danken habe. Neben Legaten für seine Kinder und Geschwister machte er sie zur Universalerbin.
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Nestroy als 'Bedienter Hecht' in seiner Posse "Der Affe als Bräutigam".
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Am 12. März 1855 schrieb Johann Nestroy einen langen Brief an die junge Provinz-Schauspielerin Karoline Köfer. Er hatte durch einen in seinem Auftrag nachforschenden Bediensteten erfahren, dass sie in der Inneren Stadt, Schultergasse 402 im dritten Stock wohnte. Routiniert im Anbahnen von Beziehungen formulierte er:
„Mein Fräulein! Nicht nur der Brief an und für sich, mehr noch die, bey möglicherweise gänzlicher Erfolglosigkeit desselben, gewagte Länge dieses Briefes, ist das, was sie in Staunen setzen wird. […] Da ich keinen Abend ohne Theaterbesuch verlebe, fügte es sich, daß ich sie sah, daß ich sie in Stadt- und Vorstadt-Theater wiederholt gesehen …“ – Johann Nestroy: Brief an Karoline Köfer
Auf zwei Seiten bat er um ein Rendezvous und die durch die Aufmerksamkeit des berühmten Nestroy geschmeichelte Karoline hörte gerne, dass er ihr ein „discreter Freund“ sein wolle. Nestroy ließ sich nicht lumpen, kaufte ihr Kleider, Schmuck und andere Geschenke und richtete ihr sogar eine stattliche Wohnung am Laurenzerberg ein.
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"Das Haus der Temperamente". Vierfach geteilte Szene.
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Da er dort immer mehr Zeit verbrachte, machte sich die junge Dame deshalb bald Hoffnungen, Marie Weiler verdrängen zu können. Diese jedoch, ohnehin geduldig bei den vielen Affären ihres Schürzenjägers, hatte diesmal auch wegen der hohen Geldausgaben des spendablen Liebhabers genug. Sie zog aus der gemeinsamen Wohnung aus und bestand auf Gütertrennung.
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"Zu ebener Erde und im ersten Stock" Spielszene mit geteilter Bühne.
Farbstich aus der Theaterzeitung.
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Nestroy flüchtete vor den Problemen bis nach Helgoland, von wo er gemeinsame Freunde bat, sich für ihn bei der Erzürnten einzusetzen. Anonyme Briefe von Karoline Köfer, Schmähschriften auf Marie Weiler, brachten Nestroy dann so sehr gegen die bisher Geliebte auf, dass er beschloss, sie mit einer finanziellen Abfertigung von 500 Gulden loszuwerden. Seiner Lebensgefährtin Marie überließ er als „Versöhnungsgeschenk“ die Administration des Carltheaters in alleiniger Verantwortung.
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Nestroy (rechts) als Jupiter in der Operette "Orpheus in der Unterwelt"
von Jacques Offenbach, links Wilhelm Knaack als Styx.
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Die Behauptung, Nestroy sei ein „Wiener Dialektdichter“, ist eine allzu grobe Vereinfachung seines Sprachgebrauches. Dies hat Karl Kraus bei seiner Neuentdeckung des Nestroyschen Werkes und bei seinen Lesungen stets betont. Tatsächlich bestehen die Theaterstücke im Original – in neuzeitlichen Fassungen wegen der „Verwienerung“ kaum mehr spürbar – aus einer Mischung von Hochsprache, Umgangssprache und Mundart, wobei besonders die Neologismen, die rhetorischen Figuren und die sprechenden Namen typische Schöpfungen des Dichters sind.
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Johann Nestroy als 'Sansquartier' in
der Vaudeville-Posse "Zwölf (Sieben)
Mädchen in Uniform"
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy als 'Sansquartier'
in der Posse
"Zwölf Mädchen in Uniform".
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Als Schauspieler war Nestroy ein origineller, humoristischer Charakterzeichner, als Bühnenautor wandte er sich mit derbem Realismus gegen Tragik und Sentimentalität der Romantik. Seine Stücke zeichnen sich durch eine scheinbar oberflächliche Handlung aus, die immer wieder durch Gesangsstücke, sogenannte Couplets, unterbrochen wird. Diese Lieder, mit einer eingängigen Melodie und einfachen Texten, waren mit der Handlung meist nur mit einigen Übergangsworten verbunden.
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Johann Nestroy. Links: "Der Doktor Nolens Volens" von Milius 1760:
Elise Rohrbeck als Columbine, Johann Nestroy als Hanswurst.
Rechts "Der Schneider und seine Töchter", Mad. Schmidt und Wenzel Scholz. ;1841.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Es wurden nur zwei bis drei Strophen des Couplets niedergeschrieben, alle weiteren Strophen improvisierte der Sänger jede Vorstellung. Mit seinen gelungenen Improvisationen eckte Nestroy häufig bei den stets anwesenden Zensurspitzeln an – schon sein erstes Engagement im Brünn musste er deswegen abbrechen und auf Polizeibefehl die Stadt verlassen.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy.
Links als Dichter Leicht in "Weder
Lorbeerbaum noch Bettelstab", rechts
als Sansquartier in "Zwölf Mädchen
in Uniform". ;nach 1835
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Rechts in der Rolle des
Amtsschreibers Nigowitz und links
Wenzel Scholz als Jonas Froschmaul
 in der Posse "Das Gut Waldegg"
von Julius Hopp ;1838
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In der Rolle des Johann (Zu ebener Erde und erster Stock) bekam Nestroy einmal wegen seines Extemporierens fünf Tage Arrest, weil er während der Vorstellung auf seinen Feind, den Kritiker Franz Wiest, anspielte und dabei vom eingereichten Textbuch abwich:
„Auf dem Tisch wird Whist gespielt – ’s ist merkwürdig, dass das geistreichste in England erfundene Spiel den gleichen Namen mit dem dümmsten Menschen von Wien hat.“
Das Publikum reagierte teils mit frenetischem Beifall, teils mit Zeichen der Missbilligung darauf. Sogar die Auslandspresse, wie die Dresdner Abend-Zeitung vom 20. Oktober 1835, berichtet darüber und nimmt für den beleidigten Journalisten Stellung.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In der Rolle des Bertram in
"Robert der Teuxel". ;nach 1833.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy - Rollenbild
ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bei der Uraufführung von Eine Wohnung ist zu vermieten am 17. Jänner 1837 im Theater an der Wien kam es zu einem Theaterskandal, als er in der Spießersatire allen Gesellschaftsschichten, vom bürgerlich-saturierten Mittelstand bis zu den präpotenten Hausbesorgern einen Spiegel vorhielt und die dadurch Getroffenen – also den Großteil seines Stammpublikums in den Vorstadttheatern – gegen sich aufbrachte. Nestroys beißende Kritik an Spießbürgertum und Heuchelei wurde als „witz- und gehaltloses Machwerk“ bezeichnet und nur dreimal gespielt.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy. Bildnis
(: fast halbe Figur, 3/4 rechts).
Lithografie von Leopold Fischer.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy
Lithographie von
Kriehuber, Josef. 1839
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In den Jahren vor der 1848er Revolution betrat der Künstler die Bühne einmal mit Semmeln anstatt von Hemdknöpfen. Zu dieser Zeit waren die Bäcker in Verruf geraten, da die Semmeln nur halb so viel wogen wie zwanzig Jahre zuvor, aber das Gleiche kosteten. Wegen Verhöhnung eines Berufsstandes musste er eine Nacht in Arrest verbringen und sich am nächsten Tag öffentlich entschuldigen. Bei der für die nächste Aufführung befohlenen Entschuldigung sprach er den Arrestwärtern seinen Dank aus, weil sie ihm Semmeln durch das Schlüsselloch der Zelle gesteckt hätten. Dieses Ereignis wird treffenderweise die Semmelanekdote genannt.
Carltheater © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Carltheater: Fassade fast frontal. ;um 1870.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Auch bei der Uraufführung von Die Anverwandten am 25. Mai 1848 im Carltheater, einer politischen Komödie, die sich nach dem Stück Martin Chuzzlewit von Charles Dickens mit der bürgerlichen Revolution auseinandersetze, kam es zu einem Skandal wegen der auf die Frankfurter Nationalversammlung anspielenden Verse:
„Gar mancher is als Wähler für Frankfurt ’nein g’rennt,
der außer d’ Frankfurterwürsteln von Frankfurt nichts kennt.“
In Sprechchören forderte das Publikum Nestroy auf, öffentlich für das verfehlte Stück Abbitte zu leisten. Nestroy gab nach und schickte einen Kollegen an die Rampe, der der empörten Menge seine Entschuldigung mitteilen musste.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy  als Schauspieler, Dichter, Direktor und Mensch
simbolografisches Lebensbild componirt von Prof. Ferdinand Tewele.
Wien : Tewele, Ferdinand; Reiffenstein & Rösch, Wien ;
Kolorierte Lithografie von Ferdinand Tewele. ;1860
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Als Direktor Carl Carl 1848 aus seinen Schauspielern eine „Theaterkompanie“ bildete, die er mit großem Pomp und Musik ausrücken ließ – bewaffnet waren sie mit Säbeln und anderen Objekten aus dem Theaterfundus – standen an der Ferdinandsbrücke über den Donaukanal Scholz und Nestroy ebenfalls martialisch gerüstet auf Wache. Tatsächlich war dies von Carl als gigantisches Reklamespektakel für sein Theater geplant worden und hatte auch großen Publikumszulauf.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nestroy und Scholz als Nationalgardisten auf der Ferdinandsbrücke Wache stehend; März 1848. Schwarz-Weiß-Wiedergabe nach koloriertem Holzschnitt.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Eine zeitgenössische Schilderung berichtete:
„Am 20. April sah man einen dichten Menschenknäuel sich über die Ferdinandsbrücke die Jägerzeile hinabwälzen; es waren die Tausende Wiens, die ihre Lieblinge Scholz und Nestroy im Waffenschmuck erblicken wollten. Da standen die beiden, Nestroy, der schlanke Recke, umgürtet mit dem Schwerte Kaspars des Thorringers, an seiner Linken Scholz, festgepflanzt auf seine kurzen dickem Beinen, im Antlitz die martialische Miene des Tyrannen Sakribandos.“
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
"Sieben Mädchen in Uniform". (Zwölf Mädchen in Uniform)
Vaudeville-Posse in einem Aufzug von L. Angely.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1850 führte Zwölf Mädchen in Uniform bei der Neujahrsvorstellung zu einem handfesten Skandal, der noch den ganzen Jänner in den Zeitungen widerhallte. In der Folge suchte der Journalist und Hauptgegner Nestroys, Moritz Gottlieb Saphir, sogar um Polizeischutz gegen Nestroys Angriffe an, da dieser sich während der Vorstellung, in der gezischt worden war, ans Publikum wandte und extemporierte:
 „Sicher ist Herr Saphir da!“
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Gruppenbild. Von links: Wenzel Scholz, Carl Treumann und Johann Nestroy.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nestroys Witterung für alles Widerspruchsvolle, Vieldeutige in der menschlichen Natur, seine Gabe, gerade die gebrochenen Gestalten darzustellen, machten ihn zum Erben Laurence Sternes und stellten seine Bühnenpsychologie neben die eines Oscar Wilde und George Bernard Shaw. Karl Kraus war ein großer Verehrer Nestroys, rezitierte viele seiner Stücke, besonders der weniger bekannten, in Lesungen und widmete ihm zum 50. Todestag 1912 den Essay Nestroy und die Nachwelt.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy. Bildnis: "Brust,
en face, in vorgerückten Jahren".
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johann Nestroy. Ganze Figur,
Pelz; Zylinder in der Hand.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nestroy starb am 25. Mai 1862 in seinem 61. Lebensjahr in Graz und wurde zunächst auf dem Währinger Ortsfriedhof beigesetzt. Am 22. September 1890 wurde er in ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 6) umgebettet, ohne dass die dort ebenfalls bestattete Marie Weiler auf dem Grabstein erwähnt wurde. Die heute zu sehende Inschrift wurde erst 2004 angebracht.
Johann Nestroy © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Seite 54 aus einem handgeschriebenen Rollenbuch zu Johann Nestroys
Zauberposse "Der Zauberer Sulphurelectrimagneticophosphoreatus
und die Fee Walburgiblocksbergiseptemtrionalis".
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1872 wurde in Wien Penzing (14. Bezirk) die Nestroygasse nach ihm benannt, im gleichen Jahr auch die Nestroygasse im 2. Bezirk Leopoldstadt, sowie 1932 der Nestroyplatz in der Leopoldstadt (dort liegt auch das Jugendstilgebäude Nestroyhof). Der Johann-Nestroy-Ring und der Nestroy-Theaterpreis wurden ebenfalls nach ihm benannt. Viele von Nestroys Stücken gehören heute zum Standardrepertoire der deutschsprachigen, insbesondere der österreichischen Theater. Nestroys Werke stehen auch regelmäßig auf dem Programm einiger Sommerbühnen, unter anderen der Nestroy-Spiele Schwechat, der Nestroy-Spiele Liechtenstein und der Festspiele Reichenau.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Johann_Nestroy" der
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Es entsteht ein spannender Ort der Begegnung von Musik und Theater mit Fokus auf jungen Menschen mitten in Wien. Die neue Bühne ist top-ausgestattet und der Zuschauerraum bietet Platz für 413 Gäste. Die Bühne ist 12 x 9 Meter groß, hat einen optimal konzipierten Orchestergraben und die beste Akustik der Stadt.
Der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben
Möge die Architektur dazu beitragen, dass dieses neue Musik- und Theaterzentrum seine positive Strahlkraft weit über die Grenzen Wiens entfalten wird.
Die Wiener Sängerknaben sind ein weltbekannter Knabenchor und eine Institution des Wiener Musiklebens, bestehend aus vier Einzelchören.
Am Augartenspitz 1 (Ecke Castellezgasse), 1020 Wien
Telefon: +43 1 347 80 80
www.muth.at
 
 
Im Etablissement Nestroy-Säle, das sich im unteren Teil des Hauses befand, 1899 eröffnet wurde und ein bekanntes Wiener Vergnügungsetablissements war, gab es ein Wirtshaus, eine Bierhalle, ein Restaurant in Form eines Wintergartens und im Keller die Tanzbar Sphinx sowie einen Theatersaal
Die Abendkassa hat an den Vorstellungstagen
ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn für Sie geöffnet.
2003 wurde eine Zwischendecke entfernt und dabei ein unversehrtes, zentrales Auditorium und eine Theaterbalkon-Ebene für mehr als 250 Personen entdeckt. Zwischen 2004 und 2007 fanden in unregelmäßigen Abständen kulturelle Veranstaltungen statt.
Nestroyplatz 1, 1020 Wien
Telefon: +43 (0) 189 00 314
E-Mail: contact@hamakom.at
www.hamakom.at
 
 
Odeon Theater
Das Odeon wurde 1988 von Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits als Spielstätte für ihr Serapions Ensemble gegründet. Der Theatersaal war ursprünglich der große Saal der Börse für landwirtschaftliche Produkte.
In Anlehnung an das griechische Odeion, das ein überdachter, freier Platz für Tanz- und Musikaufführungen war, wurde der Saal Odeon genannt.
Dem Serapions Ensemble liegt die Idee der Zusammenführung und der freien Entfaltung der Künste zugrunde – seine Arbeiten haben einen ganz besonderen, unvergesslichen Reiz, der sich aus der Verbindung von Musiktheater, Tanz, Schauspiel und bildender Kunst ergibt. Es arbeitet vor allem mit visuellen Mitteln und ist daher universell verständlich; Musik und Wort begleiten das Geschehen auf der Bühne.
Taborstrasse 10, 1020 Wien
Telefon: +43-(0)1- 216 51 27
www.odeon-theater.at
 
 
Klosterkirche der
Barmherzigen Brüder
Barmherzigenkirche hl. Johannes der Täufer
Angebote in der
Klosterkirche:
Mo. bis Sa.:
05.55h Konventmesse mit Laudes
Sonntag:
07.30h Laudes
08.00h Konventmesse
18.00h Stille Anbetung, Vesper
Eucharistischer Segen
In ihrer gegenwärtigen Form wurde die Kirche 1683-1692 erbaut und dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht; 1691 feierten die Barmherzigen Brüder in ihr die Heiligsprechung ihres Ordensstifters, 1694 erfolgte die neuerliche Weihe, 1697 war der Glockenturm vollendet.
Ein Juwel der Kirche ist auch die aus Forellenmarmor gehauene Statue der Gottesmutter mit Kind. Aufgrund der Kleidung und des Faltenwurfes deutet alles darauf hin, daß diese Figur aus der Zeit der Spätrenaissance stammt und daher das älteste Kunstwerk in der Kirche ist.
Die ebenfalls im Jahre 1763 im Rokokostil errichtete Kanzel entzückt den Beschauer durch ihre edle Linienführung. Die Kanzelbrüstung bereichern die alegorischen Figuren von Glaube, Hoffnung und Liebe.
Taborstrasse 16, 1020 Wien
barmherzige-brueder.at
 
 
 
 
Klostergeschichten.at
Geschichte, Informationen und Angebote über Klöster, Orden und Kirchen in Österreich
Klostergeschichten.at ist eine
private Internetplattform mit dem
Ziel über Kirche, Orden und Klöster
in Österreich zu informieren. Weiters
versucht Klostergeschichten.at
die Geschichte des Christentums in aktuellen und historischen Fotos,
sowie in der Kunst darzustellen.
 Orden, Klöster, Stifte u. Abteien; Ordensspitäler; Geschichte des Christentums; Kirchen in Österreich; Heilige und Selige; Fest- und Feiertage; Gebet und Kirche; Klostergeschichten; Mönchtum
Es werden keinerlei Geschäfte oder kommerzielle Nutzungen mit dieser Plattform lukriert bzw. getätigt. Die Ausrichtung des Mediums ist r.k.
klostergeschichten.at
 
 
Weg der Erinnerung
Der „Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt“ führt zu vielen für das frühere jüdische Leben in der Leopoldstadt bedeutsamen Orten und macht die Geschichte der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung sichtbar.
Der Erinnerungsweg ist ausschließlich im „öffentlichen Raum“ angelegt.
Er kann mit Hilfe des Folders und der Begleitpublikation auch ohne Begleitung begangen werden. Seit 2015 führt auch ein GPS-gesteuerter Multimedia-Guide zu den Steinen der Erinnerung. In Bild, Schrift und Ton erfährt man übers Smartphone oder Tablet die Geschichte der Personen, derer gedacht wird.
steinedererinnerung.net
 
 
 
 
Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
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