Schlacht auf dem Marchfeld
Sie gilt als eine der größten Ritterschlachten Europas
26. August 1278
Schlacht bei Dürnkrut. König Rudolf I. und König Ottokar II. von Böhmen geraten
in der Schlacht bei Dürnkrut aneinander. Gemälde von Julius von Schnorr-Carolsfeld.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen am 26. August 1278 – auch als Schlacht auf dem Marchfeld bekannt – wurde um das Erbe der Babenberger geschlagen. Sie gilt als eine der größten Ritterschlachten Europas. Rudolf I. von Habsburg, der am 1. Oktober 1273 zum römisch-deutschen König gewählt worden war, stellte sich hier erfolgreich Ottokar II. entgegen und legte so den Grundstein für die Dynastie der Habsburger im Bereich des heutigen Österreich. Benannt ist die Schlacht nach den beiden Orten Dürnkrut und Jedenspeigen im Marchfeld in Niederösterreich, zwischen denen sie stattfand.
Aufgrund seiner idealen Topographie ausgewähltes Schlachtfeld. Bild des heutigen
Schlachtfelds, welches aufgrund seiner Ebene gewählt wurde um den berittenen
Einheiten (auf beiden Seiten) einen Vorteil zu verschaffen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / DerBasti
Das Marchfeld ist eine etwa 900 km² große Tegel- und Schotterebene, die den östlich an Wien grenzenden Teil Niederösterreichs bildet, eine der größten Ebenen Österreichs. Es wird im Osten von der March, dem Grenzfluss Österreichs zur Slowakei, und im Süden von der Donau und ihren Auen (z.B. Lobau) begrenzt. Im Norden wird es vom Wiener Bisamberg bis Angern an der March vom Hügelland des Weinviertels begrenzt. Dürnkrut liegt am Ostrand des Weinviertels an der March und damit an der Grenze zur Slowakei.
Die March bildet hier den Grenzfluß zur Slowakei.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Stanislav Doronenko
Um 1045 wurde Dürnkrut mit seiner Burg als Grenzsiedlung angelegt. In einem Besitzverzeichnis des Hochstiftes Freising aus dem Jahr 1160 wird Dürnkrut erstmals urkundlich erwähnt. Jedenspeigen wird als Hiedunspeigung 1113 erstmals urkundlich erwähnt. Der Namen leitet sich von einer nahe gelegenen Schlinge der March ab, Beuge des Jedung.
Siegel Přemysl Ottokars II.
Federzeichnung in Schwarz von Friedrich Wachsmann, monogrammiert und datiert.
Vorzeichnung zum „Kronprinzenwerk“ (Die österreichisch-ungarische Monarchie
in Wort und Bild, Wien 1886–1902), Bd. „Böhmen I“, 1894.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Untergang der Staufer und das Interregnum hatten Ottokar II., König von Böhmen, eine Expansionspolitik ermöglicht. Zu Lasten des Reiches versuchte er, sich das babenbergische Erbe anzueignen und dem – ebenfalls dem Heiligen Römischen Reich angehörenden – přemyslidischen Königreich Böhmen anzufügen. Nach der Wahl Rudolfs I. von Habsburg zum römisch-deutschen König war dieser bestrebt, die Herzogtümer Österreich und Steiermark, das Herzogtum Kärnten sowie weitere von Ottokar vereinnahmte Gebiete zurückzufordern, um eine eigene Hausmacht der Habsburger zu begründen.
König Přemysl Ottokar II. Königssaaler Annalen, Prag.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die rechtliche Grundlage dafür bot der bald nach Regierungsbeginn verkündete Grundsatz, dass alles Reichsgut, das Kaiser Friedrich II. vor seiner Absetzung durch Papst Innozenz IV. im Jahre 1245 innegehabt hatte, zurückzugeben sei. Entsprechend wurde ein lehnsrechtliches Verfahren eingeleitet. Da Ottokar, wie zu erwarten, der Aufforderung zur Rückgabe des Reichsgutes keine Folge leistete, wurde die Acht und Oberacht über ihn verhängt, was einer Kriegserklärung gleichkam.
"König Ottokar verstößt seine Gemahlin Margaretha, die Schwester Herzogs Friedrich des Streitbaren, und vermählt sich mit Kunigunden von Bosnien, der Tochter des Königs Bela von Ungarn. 1261."
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Rasch nach dem Tode Herzog Friedrich II. aus dem Geschlecht der Babenberger hatte der Kampf um die herrenlos gewordenen Gebiete begonnen. Ottokar von Böhmen erstrebte die Schaffung eines größeren zusammenhängenden Herrschaftsgebietes. Nach dem entscheidenden Sieg gegen den ungarischen König Béla IV. rückte dieses Ziel in greifbare Nähe. Unter dem Druck des königlichen Heeres in Regensburg bekannte sich der Herzog von Niederbayern gegen entsprechende Zugeständnisse eindeutig zum Habsburger. Rudolf musste in eine Heiratsverbindung zwischen seiner Tochter Katharina und Heinrichs Sohn Otto einwilligen.
Einzug Rudolfs in Basel 1273, Gemälde von Franz Pforr, 1809-1819.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Im Gegenzug erhielt Rudolf fortan freien Zugang auf der Donau und konnte dadurch schnellstmöglich mit seinen Truppen per Schiff die österreichischen Länder erreichen. Auch diese konnte der Habsburger schnell einnehmen. Lediglich Wien leistete längeren Widerstand, konnte aber auch bezwungen werden. In Böhmen nutzte der Adel die Situation für einen Aufstand aus. Ottokar musste einlenken.
Kaiser Rudolf von Habsburg fordert König Ottokar II. durch seinen Herold
zur Rückgabe der Reichslehen Österreich und Steiermark auf.
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Während der Böhmenkönig noch seine Optionen reflektierte, lagerte im Sommer 1276 bereits die Armee Rudolfs mit seinem ungarischen Verbündeten Ladislaus IV. vor Wien. Diese Allianz zwang Ottokar, Rudolf formal als deutschen König anzuerkennen und die Herzogtümer Österreich, Steiermark und Kärnten sowie die besetzten Markgrafschaften zurückzugeben. Zusätzlich musste sich Ottokar für Böhmen und Mähren von Rudolf belehnen lassen.
"Kaiser Rudolf belehnt König Ottokar mit Böhmen und Mähren"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In Wien musste Ottokar am 21. Oktober 1276 Frieden schließen. Am 25. November nahm Rudolf in Straßenkleidung und auf einem Holzschemel die Huldigung Ottokars entgegen. Rudolf demütigte damit den auf öffentliche Geltung bedachten böhmischen König gezielt, denn dieser war zum Belehnungsakt in prunkvollen Gewändern und großem Gefolge erschienen. Diese Szene war für Ottokar und seine Gemahlin Kunigunde besonders erniedrigend. Für sie war Rudolf nur ein kleiner Graf, der sich die Königswürde anmaßte. Ottokar musste Rudolf als König anerkennen und seine rechtlich fragwürdigen Erwerbungen, die Herzogtümer Österreich, Steiermark und Kärnten mit Krain und Pordenone, herausgeben.
König Přemysl Ottokar II.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Friede war von kurzer Dauer. Gründe für eine erneute militärische Konfrontation hatten beide Seiten. Der böhmische König vergaß die in Wien erlittenen Demütigungen nicht. Die Provokation wurde noch dadurch verstärkt, dass Rudolf Kontakte zu der adligen Opposition, besonders den Rosenbergern, in Böhmen und Mähren unterhielt. Ottokar hatte dafür weiterhin Kontakt mit seinen früheren Vertrauten in den österreichischen Ländern. Rudolf wollte im Südosten an die Stelle des böhmischen Königs die Habsburger setzen. Im Juni 1278 kam es erneut zum Krieg. Der Rückhalt für Rudolf war allerdings geringer geworden. Bis auf den Pfalzgrafen hatte Rudolf keine Unterstützer für den Kampf gegen den Böhmen bei den Kurfürsten gefunden.
Szenen aus der Geschichte Böhmens.
Ottokar II. Přemysl auf dem Feldzug gegen die heidnischen Pruzzen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Dieser für Ottokar inakzeptable Friede sollte nicht lange währen. 1278 marschierte der König von Böhmen erneut gegen Wien und traf am 26. August auf das vereinigte Heer Rudolfs und des erst 16 Jahre alten Ladislaus. Diesmal gelang es Ottokar leichter als 1276, Verbündete im Reich zu gewinnen. Feste Bündniszusagen erhielt er vom Herzog von Niederbayern, dem Markgrafen von Brandenburg und den polnischen Fürsten. Eine weitere Stärkung seiner Position erzielte er durch seine Freundschaft mit dem Erzbischof von Köln, was eine Neutralität der geistlichen Kurfürsten sicherte. Auf die Hilfe Ungarns glaubte Ottokar dagegen leicht verzichten zu können, da ihm die Stärke seiner polnischen Hilfstruppen als ausreichend erschien. Der Operationsplan Ottokars sah vor, dass Siegfried, Herzog von Niederbayern, im Lande bleiben und den Anmarsch der Verbündeten Rudolfs so lange wie möglich behindern sollte. Ottokar selbst hatte die Absicht, am 15. Juli in Österreich einzumarschieren.
Rudolf I. von Habsburg wurde am 1. Oktober 1273 zum römisch-deutschen König gewählt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Da jedoch noch nicht die gesamte Hauptarmee versammelt war, konnte der ursprünglich geplante direkte Anmarsch auf Wien nicht durchgeführt werden. Somit begann Ottokar zunächst mit der Belagerung der Befestigungen von Drosendorf, die nach 16 Tagen eingenommen wurden, und anschließend von Laa an der Thaya. Dies verschaffte Rudolf genug Zeit zu einem riskanten Vorgehen: Er beschloss, Wien aufzugeben und beauftragte seine Verbündeten, sich mit ihm auf dem Marchfeld (bei Stillfried) zu versammeln. Trotz der Behinderungen in Bayern trafen diese Kontingente zahlreich und rechtzeitig im Lager auf dem Marchfeld ein. Von besonderer Bedeutung waren die ungarischen Kumanen, die mit König Ladislaus ritten. Sie konnten ungehindert die Donau überqueren und sich so erneut mit den Truppen Rudolfs zusammenschließen. Von diesem Vorgehen überrascht, brach Ottokar die Belagerung am 18. August ab und marschierte seinem Gegner entgegen. Auch Rudolf war zum Kampf bereit, brach am 23. August seine Zelte ab und schlug sein neues Lager bei Dürnkrut auf, wo er sich seinem Rivalen zur offenen Feldschlacht stellen wollte.
Rudolf I. von Habsburg wurde am 1. Oktober 1273 zum römisch-deutschen König gewählt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Insgesamt standen beiden Seiten jeweils etwa 30.000 Mann zur Verfügung, doch war nur der berittene Teil beider Armeen auserkoren, in die Schlacht zu ziehen; das Fußvolk hatte das jeweilige Lager zu bewachen. König Rudolf ließ seine Armee in drei Treffen zu jeweils zwei Gruppen aufstellen. In jedem Treffen standen etwa 1500 Reiter, wobei die schweren Ritter verdeckt weiter hinten standen. Ottokar hatte seine Ritter ebenfalls in drei Treffen zu jeweils zwei Gruppen aufstellen lassen. Hier waren indes jeweils 2000 Ritter pro Einheit und die schwer gepanzerten Reiter hauptsächlich im ersten und zweiten Treffen vorzufinden.
Skizze der Schlacht auf dem Marchfeld 26. August 1278.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / DerBasti
Drei Tage lang wartete das habsburgische Heer 40 Kilometer nordöstlich von Wien auf den anrückenden Feind. Die Kumanen erkundeten währenddessen sowohl das Gebiet als auch die Truppenstärke des Feindes. Im Besitz dieser Informationen bereitete Rudolf zwei taktische Finten vor: Erstens sollten 60 Ritter zwischen den Lößhügeln auf der rechten Flanke Ottokars versteckt werden, um diese im entscheidenden Moment gegen den böhmischen König einzusetzen; zweitens sollte sein stärkstes, drittes Treffen außerhalb der Sichtlinie des Přemysliden aufgestellt werden. Die List im Kampfe galt im 13. Jahrhundert noch als unehrenhaft und unchristlich, weshalb sich zunächst auch niemand bereitfinden wollte, den Hinterhalt auszuführen. Erst nach wiederholtem Drängen erklärte sich Ulrich II. von Kapellen bereit, die Führung der sechzig in den Weingärten versteckten Ritter zu übernehmen. Er entschuldigte sich aber schon im Voraus bei seinen Kampfgefährten im Lager.
Die Schlacht auf dem Marchfeld bei Dürnkrut 26. August 1278.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Heere Rudolfs und Ottokars ritten am Morgen des 26. August 1278 aufeinander los. Mit seiner Übermacht an schwer gepanzerten Rittern (ca. 6500) schien es Ottokar ein Leichtes, die leichte Kavallerie des Feindes und dessen zahlenmäßig unterlegene schwere Kavallerie (ca. 4500 Ritter) zu besiegen. Die Armee des Habsburgers, rekrutiert aus der Steiermark, Kärnten, Krain, Nürnberg, Schwaben, dem Schwarzwald, dem Breisgau, dem Elsass, dem Sundgau, dem Aargau, dem Thurgau, 200 Kriegsknechten aus der Stadt Zürich, den drei Waldstädten Uri, Schwyz und Unterwalden sowie einem Zuzug von Luzern, Zug, Glarus und Chur, wähnte er in auswegloser Situation. Rudolf nahm im Alter von 60 Jahren selbst am Schlachtgeschehen teil. Er fiel vom Pferd und konnte nur durch einen Thurgauer Ritter gerettet werden, der ihn auf ein neues Pferd setzte. In der Schlacht hatte Rudolf eine Reserveeinheit von ca. 60 Rittern bei den Auseinandersetzungen zurückgehalten.
Tod des Königs Ottokar II. Przemysl von Böhmen.
Spiegel der Ehren des Höchstlöblichsten Kayser- und Königlichen Erzhauses Oesterreich.
Neuauflage durch Sigmund von Birken. - Nürnberg: Michael und Johann Friedrich Endter 1668.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die ersten Erfolge verbuchten jedoch die rund 4000 mit Ladislaus reitenden kumanischen berittenen Bogenschützen, die sich vor der Hauptarmee Rudolfs hielten und angewiesen waren, den Gegner zu beschießen; gleichzeitig sollten sie die Flanken des eigenen Heeres schützen. Die Kumanen stürzten sich schon früh in Verfolgung einer Demoralisierungsstrategie auf den linken Flügel Ottokars, dessen Ritter die leichtere ungarische Kavallerie nicht schnell genug verfolgen konnten. Daher konnten die Kumanen ihre Attacken, bei denen hunderte Ritter ihr Leben kampflos verloren, ungehindert fortführen.
Tod des Königs Ottokar II. Przemysl von Böhmen bei der Schlacht auf dem Marchfeld.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
In der Folge prallten aber die beiden Hauptheere aufeinander und die grundsätzliche Überlegenheit der Ritter gegenüber den leichten Reitern wurde offenbar. Für Ottokar kam der Sieg in greifbare Nähe, als das Pferd seines Kontrahenten getötet wurde und der bereits 60-Jährige Rudolf stürzte. Heinrich Walter von Ramschwag rettete seinem Herrn in dieser unglücklichen Situation das Leben und sicherte die Weiterführung der Schlacht. Zu diesem Zeitpunkt dauerte das Gefecht bereits drei Stunden.
Tod des Königs Ottokar II. Przemysl von Böhmen bei der Schlacht auf dem Marchfeld.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ottokars Truppen zeigten erste Anzeichen von Erschöpfung. Daraufhin befahl Rudolf seinen verborgenen Truppen, in die Schlacht einzugreifen. Das im Zentrum eintreffende ausgeruhte dritte Treffen fügte den abgekämpften Truppen Ottokars vernichtende Verluste zu. Die in der rechten Flanke des Böhmenkönigs wirkenden Ritter unter Ulrich von Kapellen spalteten die feindliche Armee.
Tod des Königs Ottokar II. Przemysl von Böhmen bei der Schlacht auf dem Marchfeld.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der sich im Heer befindliche Ottokar erkannte die Situation und befahl seiner Reserve, in die Schlacht einzugreifen. Ein kleiner Teil dieser unter dem Befehl von Milota von Diedicz stehenden Truppen versuchte durch eine Richtungsänderung, von Kapellen in den Rücken zu fallen. Diese Bewegung dürfte jedoch von einigen böhmischen Rittern missverstanden und als Flucht interpretiert worden sein, was einer letzten Finte Rudolfs, die das böhmische Heer in Panik versetzten sollte, zugutekam. Größtenteils umzingelt und im Glauben, die Reserve sei in Flucht begriffen, gerieten die Truppen des Böhmenkönigs in Auflösung, was einen geordneten Rückzug unmöglich machte. Die Habsburger unterstützten die Verwirrung mit dem bereits vor der Schlacht abgesprochenen Ruf: „Sie fliehen!“
"Kaiser Rudolf beweint auf dem Schlachtfeld den sterbenden König Ottokar"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Viele Ritter, die durch die March zu fliehen versuchten, ertranken oder wurden auf der Flucht von den schnellen Kumanen niedergemacht. Bei Ende der Feindseligkeiten waren 12.000 Böhmen tot oder gefangen und das böhmische Lager wurde geplündert. Unter den Gefallenen fand sich auch der verstümmelte Leichnam des „Löwen aus Prag“. Die Entscheidungsschlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen wurde darum zu einer der größten Ritterschlachten des Mittelalters stilisiert.
König Rudolf I. an der Leiche König Ottokars II. von Böhmen nach der Schlacht bei Dürnkrut 1278. Aquarell über Feder in Braun auf Karton von Franz Gerasch. Signiert und datiert 1869.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zur Festigung seiner Position ließ Rudolf den Leichnam des erschlagenen Rivalen dreißig Wochen in Wien zur Schau stellen. In dieser Zeit begann der Habsburger bereits, sein Reich zu ordnen und die Basis für ein künftiges Imperium zu schaffen. Er wusste diesen Sieg auch in diplomatischer Hinsicht zu nutzen.
Kaiserin Anna hüllt den im Schottenkloster aufgebahrten Leichnam Ottokars in ein Leichentuch.
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Er zog nur langsam in Böhmen ein und hatte es nicht versäumt, ein Rundschreiben an die Böhmen und Mährer zu verfassen. In diesem erklärte er, die Besiegten schonen zu wollen und den Kindern des gefallenen Königs Zuflucht zu gewähren.
König Przemysl Ottokars Sohn Wenzel bittet Rudolf von Habsburg um die Leiche
seines 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut gefallenen Vaters.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Er trennte sich von den plündernden Kumanen und beseitigte somit praktisch jeden Widerstand im Kernland seines ehemaligen Rivalen. Rudolf einigte sich schließlich mit der Königinwitwe Kunigunde und beendete so endgültig den Konflikt. Auch ein letzter militärischer Vorstoß des Markgrafen Otto von Brandenburg, der bis nach Kolin vorrückte, wurde durch die Übergabe der Vormundschaft über den siebenjährigen Sohn Ottokars II., Wenzel, und die Verwaltung Böhmens für fünf Jahre, im Keim erstickt.
Grabmal Ottokars II. im Prager Veitsdom.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Durch seinen Sieg erhielt Rudolf des Weiteren die von Ottokar besetzten Gebiete zurück (Herzogtümer Kärnten, Steiermark und Österreich sowie die Markgrafschaft Krain). Durch eine freundschaftliche Politik mit der Bürgerschaft Wiens und den Adligen in den jeweiligen Herzogtümern hatte Rudolf ausreichende Unterstützung erlangt, um das spätere Kernland des Habsburgerreiches an seine Nachkommen zu binden. Auf dem Reichstag zu Augsburg am 17. Dezember 1282 wurden seine beiden Söhne Albrecht I. und Rudolf II. offiziell mit den Gebieten belehnt.
Beisetzungskrone Ottokars in der Prager Burg.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Rudolf selbst, der seine eigentlichen Besitzungen in der Schweiz hatte, wurde so zum Urvater der Dynastie Habsburg in Österreich. Die Kaiserwürde erhielt er jedoch nie, da zwei bereits festgelegte Krönungstermine nicht zustande kamen. Seit 1278 sind die Habsburger in Wien beurkundet. Ihre Dynastie sollte die nächsten 640 Jahre ihre Vormachtstellung in Österreich bewahren können.
Gedenkstein zur Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen, aufgestellt anlässlich des
700. Jubiläums der Schlacht auf dem Marchfeld. Werk des Bildhauers Carl Hermann.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Stanislav Doronenko
1978 wurde anlässlich der 700-jährigen Wiederkehr der Schlacht ein Gedenkstein an der Gemeindegrenze zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen errichtet. Das Denkmal markiert das Zentrum des Schlachtfelds. Der 6 Meter hohe Granitblock wurde vom Bildhauer Carl Hermann geschaffen. Dargestellt ist ein Ritter mit Pferd, nachgebildet dem Siegel König Ottokars.
Südansicht bzw. Hauptfassade des niederösterreichischen Schlosses Jedenspeigen
im Bezirk Gänserndorf. Ein frühbarocker, vierflügeliger, zweigeschossiger Bau,
der ursprünglich von einem Wallgraben umgeben war.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Bwag
Das Schloss Jedenspeigen steht in der Marktgemeinde Jedenspeigen im östlichen Weinviertel in Niederösterreich. Das Schloss zeigt eine Ausstellung zur Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen. 1113 wurde Hiedungispuigin als Besitz des Klosters Melk erstmals erwähnt. 1278 fand in der Nähe des Schlosses die Schlacht zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar II. Przemysl statt. Von 1295 bis 1497 trat eine ritterliche Familie von Jedenspeigen als Eigner auf. 1583 bis 1597 gehörte Jedenspeigen den Freiherrn von Kollonitsch, die das Schloss umbauen ließen. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarben die Grafen Kollonitsch 1675 erneut die Herrschaft.
Westansicht des niederösterreichischen Schlosses Jedenspeigen im Bezirk
Gänserndorf. Ein frühbarocker, vierflügeliger, zweigeschossiger Bau,
der ursprünglich von einem Wallgraben umgeben war.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Bwag
Vom mittelalterlichen Bau ist nichts mehr erhalten. Das heutige Schloss ist ein vierflügeliger Bau aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Eine Rampe führt über eine Brücke zum Schlosstor im Ostflügel. Über dem Tor befinden sich die Wappen von Georg Seyfried von Kollonitsch (1537–1599) und seiner Frau Helena Fuchsin von Fuchsberg. Das Tor wird durch den Schlossturm akzentuiert.
"Kaiser Rudolf zieht als Sieger in Wien ein"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Rudolf I. war als Rudolf IV. ab etwa 1240 Graf von Habsburg und von 1273 bis 1291 der erste römisch-deutsche König aus dem Geschlecht der Habsburger. Gegenüber dem mächtigen böhmischen König Ottokar musste Rudolf die Anerkennung seiner Königsherrschaft und die Revindikationen militärisch durchsetzen. Sein Sieg in der Schlacht bei Dürnkrut (1278) begründete die habsburgische Herrschaft in Österreich und der Steiermark.
"Kaiser Rudolf belehnt auf dem Reichstag von Augsburg
seine Söhne Albrecht und Rudolf mit Österreich und Steiermark"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift
von Karl Ruß. Aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Haus Habsburg stieg zu einer reichsfürstlichen Dynastie auf. Rudolf erkannte die Bedeutung der Städte für die eigene Königsherrschaft. Seine Steuerpolitik erzeugte jedoch erheblichen städtischen Widerstand. Vergeblich bemühte sich Rudolf die Kaiserwürde zu erlangen und einen seiner Söhne zu Lebzeiten als Nachfolger im römisch-deutschen Reich einzusetzen. Die Schlacht war von europäischer Bedeutung. Sie schuf die Grundlage für das spätere Donaureich, in dem die österreichischen Länder das machtpolitische Zentrum bilden sollten. Das Geschlecht der Habsburger stieg zu einer Königs- und Großdynastie auf.
Rudolf verkündet auf einem Hoftag den Landfrieden. Illustration aus der Chronik
der Bischöfe von Würzburg des Lorenz Fries, Mitte des 16. Jahrhunderts.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Unter Rudolfs Herrschaft wurde für die königlichen Städte der Begriff Reichsstädte (civitates imperii) üblich. Im Interregnum gewannen die Städte zunehmend Eigenständigkeit, die Verfügungsgewalt des Königs ging zurück. Trotzdem wurden die Reichsstädte durch ihr militärisches Potential und ihre Finanzkraft zu einer Stütze der königlichen Herrschaftsausübung. Die regelmäßige pauschale Stadtsteuer war für Rudolf eine wichtige Einnahmequelle.
Der Dom zu Speyer ist die Grabstätte Rudolfs von Habsburg.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Außerdem dienten die Städte Rudolf verstärkt als königliche Beherbergungsorte. Rudolf versuchte das königliche Gastungsrecht gegenüber den geistlichen Fürsten durchzusetzen. Als Reaktion auf den Widerstand der Bischöfe begünstigte Rudolf die Städte demonstrativ.
Grabplatte Rudolf I. von Habsburg in der Krypta im Dom zu Speyer.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ein allgemein anerkannter König hatte den von Zeitgenossen wahrgenommenen Mangel an Frieden und Recht zu beheben. In Franken wurde die Reichsverwaltung neu organisiert. Beim Landgericht Rothenburg setzten 1274 die Aufzeichnungen in Gerichtsbüchern ein. Sie gehören zu den ältesten ihrer Art.
Die Bilderchronik „Kaiser Heinrichs
Romfahrt“ mit den sieben Wahlfürsten
(Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand
1 C Nr. 1 fol. 3b). Die Kurfürsten, durch
Wappen über ihren Köpfen kenntlich
sind die Erzbischöfe von Köln, Mainz
und Trier, der König von Böhmen.
Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Stammbaum der Habsburger mit den
Miniaturen Rudolfs I., sein Sohn
Albrecht I. mit seiner Gattin Elisabeth
und vier ihrer Kinder aus dem „Liber
Fundatorum Zwetlensis Monasterii“
(„Zwettler Bärenhaut“) (fol. 55r)
aus dem Stiftsarchiv Zwettl.
Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Rudolf begann eine königliche Landfriedenspolitik, die sich zunächst auf regional und zeitlich begrenzte Absprachen beschränkte. 1276 wurde ein auf Österreich beschränkter Landfrieden erlassen. Es folgten 1281 Landfrieden für die Regionen Bayern, Franken, Rheinland und erneut Österreich.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Schlacht_bei_Dürnkrut" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
 
 
  Stadtgeschichte Wiens
    Heeresgesch. Museum
    Steinzeit
    Bronzezeit
    Eisenzeit - Kelten
    Die Römer in Wien
    Carnuntum
    Völkerwanderung
    Wien im Mittelalter
    Schlacht am Marchfeld
    Neidhart Fresken
    Virgilkapelle
    Wiener Geserah
    1.Türkenbelagerung
    Der 30jährige Krieg
    2.Türkenbelagerung
    Pestepidemien
    Franzosenkriege
    Wiener Kongress
    Vormärz
    Hochwasser 1830
    Revolution 1848/49
    Solferino 1859
    Königgrätz 1866
    Seeschlacht v. Lissa
    Donaumonarchie
    Weltausstellung 1873
    Ringtheaterbrand 1881
    Die Belle Époque
    Erster Weltkrieg
    Erste Republik
    Das Rote Wien
    Justizpalastbrand 1927
    Bürgerkrieg 1934
    Anschluss 1938
    Judenverfolgung
    Groß Wien
    Widerstandsbewegung
    Kampf um Wien
    Nachkriegszeit
    ERP Marshallplan
    Staatsvertrag
    Gipfeltreffen 1961
    OPEC Überfall 1975
    Reichsbrückeneinsturz
    Gipfeltreffen 1979
    Austromir 1991
    Flüchtlingskrise 2015
    Silberstein-Affäre 2017
    Demografie Wien
    Historische Erdbeben
    Hist. Hochwässer
  Militär und Luftfahrt
    Die Deutschmeister
    k.u.k. Kriegsmarine
    Nordpolexpedition
    Flaktürme Augarten
    Patrouillenbootstaffel
    Österr. Luftstreitkräfte
    Luftfahrt Geschichte
    Austrian Airlines
    Flughafen Wr. Neustadt
    Flugfeld Aspern
    Alouette III
    Eurofighter EF2000
    Österr. Landstreitkräfte
  Wirtschaft und Technik
    Austromir 1991
    Techn. Museum
    Eisenbahn Geschichte
    Der "Blaue Blitz"
    Stadtbahn Wien
    Autoindustrie
    Marcus-Wagen
    Donauschifffahrt
  Die Belle Époque
    Wien um 1900
    Die Ringstraße
    Ringstraßenpalais
    Heinrichhof
    Café Prückel
    Café Schwarzenberg
    Café Landtmann
    Hotel Imperial
    Hotel Bristol
    Grand Hotel
    Kursalon Hübner
    Semmering
    Die Semmeringbahn
    Bad Gastein
    Die Tauernbahn
  Geschichte 2. Bezirk
 
 
 
 
 
Historischer Originalschauplatz
2000 Jahre Wiener Geschichte lebendig gemacht
ein Rundgang durch 1.300m2 Erlebnisfläche - humorvoll begleitet durch Tourguides - mit 5D Kino, Animatronic Shows, Musik und Spezialeffekten
Time Travel Vienna richtet sich an Menschen jedes Alters, an Einheimische und Touristen, an alle, die etwas über die Geschichte Wiens erfahren wollen. Die Shows dauern 50 Minuten, sind kompakt und spannend aufbereitet, humorvoll begleitet von Tourguides.
Habsburgergasse 10A, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 5321514
www.timetravel-vienna.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
© design by gaube 2016
design by gaube