Wien im Mittelalter
Das bemalte byzantinischem Radkreuz der unterirdischen Virgilkapelle.
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Aus der Epoche vom 5./6. bis zum 9. Jahrhundert haben sich keinerlei schriftliche Nachrichten über das Schicksal dieser Siedlung an der Donau erhalten, dennoch haben Untersuchungen auf der Basis von archäologischen und namenkundlichen Hinweisen ergeben, dass man mit dem Fortbestehen zumindest einer "Restsiedlung" rechnen muss. Der Schutz der noch bis in das 13. Jahrhundert fortbestehenden Reste der Lagerbefestigungen der Antike wurde auch weiterhin genutzt, und bereits in der Zeit der karolingischen Herrschaft dürfte es hier zu ersten Kirchengründungen gekommen sein. Von einer Stadt oder auch nur von städtischen Strukturen kann freilich keine Rede sein, zumal für die 881 erstmals mit ihrem heutigen Namen belegte Siedlung im 9. und 10. Jahrhundert im Gefolge der ungarischen Expansion noch einmal schwere Zeiten anbrechen sollten.
Die Babenberger-Residenz
Chronik Wien - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Plan der Stadt Wien zur Zeit Herzog Heinrichs II. Jasomirgott 1141 - 1177
Buchillustration von 1824
Obwohl die Siedlungskontinuität Wiens mittlerweile zweifelfrei feststeht, war die Zukunft der Siedlung um das Jahr 1000 noch völlig ungeklärt. Die Residenz des jeweiligen „Stadtherrn“ war bereits vom Berghof auf den Judenplatz verlegt worden, als die Babenberger den aufstrebenden Handelsplatz um 1130 erwarben. 1156 wurde Wien Residenz des neuen Herzogtums und durch die Anwesenheit des Hofes auch zum kulturellen Zentrum des Landes. Nachdem die Siedlung noch im 11. Jahrhundert kaum zwei Drittel des römischen Lagers bedeckte, vergrößerte sie sich so sprunghaft, so dass Herzog Heinrich II. seine neue Residenz an der Westmauer der Stadt errichten musste.
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Erste Erwähnung Wiens als civitas:
Tauschvertrag zwischen
Markgraf Leopold IV. und
Bischof Reginmar von Passau.
Herzog Heinrich II. Jasomirgott
(1141 - 1177). Glasgemälde
im Brunnhaus des Stiftes
Heiligenkreuz, NÖ. Um 1290/1300
Der Gusthof, der vermutlich bereits existiert hatte, erhielt einen Palas und Wirtschafts-, Verwaltungs- und Wohnbauten sowie Vorratsgebäude, sämtlich um einen Hof angeordnet. „Am Hof“ entwickelte sich bald ein glanzvolles höfisches Leben, das u.a. gestattete, dass Heinrich II. und seine Gemahlin Theodora aus dem byzantinischen Kaiserhaus der Komnenen hier zwei Wochen lang Kaiser Friedrich I. Barbarossa bewirteten. Um 1275 begann man unter Przemysl Ottokar II. mit dem Neubau einer Burg nahe dem sogenannten „Widmertor“. In das aufgelassene Herzogsdomizil wurde die landesfürstliche Münze verlegt.
Wien und die Kreuzzüge
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Plan der Stadt Wien zur Zeit Herzog Heinrichs II. Jasomirgott 1141 - 1177
Buchillustration von 1824
Österreich, seit ältesten Tagen ein Land des Durchzugs, lag als südöstlichstes Teilgebiet des deutschen Reiches abseits der eher vom Nordwesten des Kontinents bestimmten großeuropäischen Entwicklungen. Mit dem Aufleben des Kreuzzugsgedankens trat eine Situation ein, die Wien in entscheidender Weise am Gang der Dinge teilhaben ließ: 1098, 1147 und 1189 zogen die Heerscharen der ersten, zweiten und dritten Kreuzzuges durch die Hauptstadt von Österreich. Am ersten Zug nahm Ita von Formbach-Ratelnberg teil, die Mutter des Markgrafen Leopold III. Sie kehrte nicht aus dem Heiligen Land zurück. Am zweiten Kreuzzug ihres Stiefbruders, König Konrad III., nahmen Heinrich II. Jasomirgott und sein Bruder Otto von Freising teil. Ein hochwillkommener Effekt dieser Kreuzzugsteilnahme war die Vermählung Heinrichs mit einer byzantischen Prinzessin. Der Umstand, dass bei diesen Zügen eine Vielzahl von Menschen aller Stände und unterschiedlicher Volkszugehörigkeit das Donautal abwärts und durch Wien zogen, trug sicher zu einer Urbanisierung der Wiener Bevölkerung bei. 1172 wurde es bereits civitas metropolitana genannt – es wurde zum ersten mal „Weltstadt“. Vor allem der dritte Kreuzzug erwies sich dabei als besonders bedeutsam. Es stand die Rückeroberung des von den Seldschuken unter Saladin eroberten Jerusalem auf dem Programm, und während das deutsche Heer unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa abermals den weg über Wien nahm, wählten die Franzosen und Engländer den Seeweg.
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Friedrich I. Barbarossa in Wien 1165 und 1189
Chronik des P. de Ebulo um 1197
 Herzog Leopold V. nahm an der Spitze eines österreichischen Aufgebots an dem Kreuzzug teil. Nach dem Tod des Kaisers im Fluss Saleph in Anatolien übernahm Leopold 1190 den Oberbefehl über die Kreuzfahrer aus dem ganzen deutschen Reich. Der Kreuzzug brachte zwar die Eroberung von Akkon, erreichte aber nicht sein angestrebtes Ziel, die Rückeroberung Jerusalems. Vor Akkon war es zu einem Eklat gekommen: Der Englische König Richard I. Löwenherz ließ ein aufgepflanztes österreichisches Feldzeichen in den Schmutz treten. Leopold V., in seiner Ritterehre zutiefst beleidigt, kehrte vorzeitig nach Hause zurück. Sein Gegner Richard wurde auf der Heimreise durch ein Seeunglück gezwungen, den Landweg nach England über Österreich zu wählen. Er schien zu ahnen, was ihm bevorstand: Er entließ alle seine Begleiter und wählte selbst eine Verkleidung. Dennoch wurde er in der nähe von Wien erkannt und gefangen genommen. Die romantische Geschichte von dem Sänger Blondel, der seinen Herrn an einem Lied erkannte, fällt leider ins Reich der Fabel. Am Kreuzzug Kaiser Heinrichs VI. 1197/98, der, zwischen 3. Und 4. Kreuzzug gelegen, seltsamerweise keine „Nummer“ trägt, nahm Herzog Friedrich I. der Katholische teil. Wie seine Urahne Ita erlitt er den Tod in der Fremde; seine ausgekochten Gebeine wurden nach Österreich zurückgebracht und feierlich in Heiligenkreuz beigesetzt (1198). Die Kreuzfahrten Herzog Leopolds VI. des Glorreichen richteten sich in erste Linie gegen die Ketzer in Südfrankreich und Spanien; er unternahm jedoch 1217/1219 auch einen selbstständigen Kreuzzug nach Syrien und Ägypten.
Die sensationelle Geiselnahme des Abendlandes
22.dezember 1192. Am Vorweihnachtsabend wird der englische König Richard Löwenherz vom Babenberger Leopold V. gefangen genommen. Der König befand sich inkognito auf der Rückreise vom Heiligen Land. Er wurde von Männern Leopolds VI. in der damaligen Vorstadt Erdberg erkannt und als Geisel genommen. Eine unerhörte Tat. Denn es handelte sich nicht nur um den König von England, sondern um den überall bekannten und von allen Minnesängern besungenen populären Monarchen von England, Herzog der Normandie, erbe von Anjou, Graf von Aquitanien, Graf von Poitou usw. Eine unerhörte Tat aber auch deshalb, weil nach damaligen Recht jeder, der einem Pilger Schaden antat, automatisch dem Kirchenbaum verfiel.
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Gefangennahme des englischen Königs in Erdberg am 21./22. Dez. 1192
Chronik des P. de Ebulo. Um 1197
Leopold V. rechtfertigte seine Tat damit, dass Richard Löwenherz ihn bei der Eroberung von Akkon beleidigt hätte. Nach außen hin mag das seine Richtigkeit haben; in Wahrheit war diese Geiselnahme aber Teil der europäischen Großmachtpolitik. Der französische König Philipp August verlangte von dem englischen Monarchen schon lange die Herausgabe seiner französischen Besitzungen. Zu diesem Zweck hatte er mit dem deutschen Kaiser Heinrich VI. einen Vertrag geschlossen, der die Auslieferung des englischen Königs an den französischen König vorsah, sobald der Kaiser ihn gefangen nehmen konnte. Heinrich VI. hatte allen Grund, dem englischen König alles Üble zu wünschen, denn seine Familie, die Staufer, waren mit dem Welfen verfeindet, und die Welfen wieder waren mit dem englischen Königshaus verschwägert. Leopold V. wiederum, abgesehen von seinem Interesse, dem Kaiser gefällig zu sein, war vor allem an dem enormen Lösegeld interessiert, das zu erwarten stand. Während Leopold V. mit dem Kaiser um das Lösegeld verhandelte, wurde Richard Löwenherz in Dürnstein gefangen gehalten.
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Burgruine Dürnstein – Ansicht der Anlage aus südwestlicher Richtung.
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  Im März 1193 wurde er in Regensburg dem Kaiser übergeben. Bis zu seinem Tod im Jahre 1194 kassierte Leopold V. die geschätzte Summe von 30 000 Kölnischen Talern (was etwa 10 t Silber entspricht) und verwendete diese Summe nicht nur für den Ausbau Wiens, sondern vor allem für die Anlage und Befestigung von Wiener Neustadt.
Die Nibelungen in Wien
Aus dem Nibelungenlied:
Diu hohzit was gefallen an einen pfinxtac,
da der künec Etzel bi Kriemhilde lac in der stat ze Wiene.
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Minnesänger und Musikantengruppe. Manessische Handschrift. 1300/40
Als Besitzer des unschätzbaren Nibelungenhortes tragen die burgundischen Fürsten im zweiten Teil des mittehochdeutschen Nibelungenlieds den Namen Nibelungen. Der unbekannte Verfasser des im Raum um 1200 entstandenen Epos griff Motive einiger mittlerweile verlorengegangener Heldenepen auf und formte sie zu dem großen einheitlichen Versepos von „Der Nibelungen Not“, dem Bericht von ihrer Reise donauabwärts an den Hof König Etzels (Attilas) im „Heunenland“ (Ungarn) und ihrem schrecklichen Ende.
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Etzel empfängt Kriemhild vor Wien.
Nibelungenlied – Miniatur aus dem Hundehagenschen Kodex. Um 1504 – 1515
 In Wien wird 17 Tage lang glänzende Hochzeit zwischen Kriemhild und Etzel gefeiert, der den Nibelungen bis Tulln entgegengekommen ist. (Herzog Leopold VI. dürfte in der Gestakt Rüdigers von Bechelaren eine dichterische Darstellung erfahren haben.) Wie noch heute für Wien sprichwörtlich, dürften dabei einige der tapferen Recken ordentlich gefeiert haben. „In schönem Schmucke fand man da Frauen ohne Zahl. / Sie empfingen wohl mit Ehren König Etzels Gemahl. / In Überfluss und Fülle war da für sie bereits, / Wes sie nur bedurften. Viel Degen allbereit / Sahn froh dem Fest entgegen…“, heist es in der Simrockschen Übersetzung. Und weiter: „Sie dachten nichts zu sparen, und wär’s das beste Gut. / Was einer wünschen mochte, man war dazu bereit, / … Von Silber und von Golde: das ward dahingegeben. / Man sah des Königs Helden so recht fröhlich alle leben. / Vor allem die Spielleute Wärbel und Schwemmelein nahmen jeder „wohl an die tausend Mark“ ein… Eine für Wien überraus charakteristische Szene: Angesichts einer ungewissen Zukunft tröstete man sich schon damals mit Wein, Weib und Gesang…
Wien im Hochmittelalter
ca. 1050 bis 1250
Erst als die Ungarngefahr nach der Schlacht auf dem Lechfeld (955) hatte gebannt werden können und mit der Einrichtung der Markgrafschaft Österreich unter den Babenbergern (976) auch ein "quasi-staatlicher" Rahmen geschaffen worden war, waren dann auch Grundlagen für einen allgemeinen Aufschwung der Siedlungstätigkeit im Lande gegeben. Für Wien selbst, das noch bis ins 12. Jahrhundert praktisch an der Ungarngrenze lag, sollte sich dies freilich erst dann wirklich auszuwirken beginnen, als die österreichischen Landesfürsten aus dem Hause der Babenberger ihre Position endgültig gefestigt hatten.
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Eine der frühesten authentischen Darstellungen des spätmittelalterlichen
Wien: Detail aus dem Tafelbild des Meisters des Wiener
Schottenaltars "Die Flucht aus Ägypten", um 1470
Bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts lag das Zentrum der babenbergischen Macht westlich des Wiener Raumes. Um das Jahr 1150 verlegten die österreichischen Markgrafen, die damals auch als Herzöge von Bayern fungierten, ihre Residenz nach Wien und gründeten Wiens ältestes Kloster, St. Maria bei den Schotten. Es war dieser jetzt gegebene, unmittelbare Kontakt zum Landesfürsten, der entscheidend zur Stadtwerdung beitragen sollte. Dabei ist mit Nachdruck zu unterstreichen, dass es sich bei Wien zum einen keinesfalls um eine "Stadtgründung" handelte, zum anderen allerdings der Rolle des Stadtherrn eine wesentliche Bedeutung zukam. Vorbildwirkung hatte vor allem die alte bayerische Hauptstadt Regensburg, die allerdings binnen weniger Jahrzehnte von Wien überflügelt wurde.
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Wien auf dem Stammbaumbild "Friedrich II. der Streitbare in der Schlacht an
der Leitha". Babenberger Stammbaum, Stift Klosterneuburg 1489/93
Um 1200 wurde die Wiener Stadtmauer - äußeres Zeichen jeder mittelalterlichen Stadt - errichtet, die bürgerliche Gemeinschaft erhielt ihr erstes Stadtprivileg (1221), und man sprach von Wien als einer der bedeutendsten Städte des Reichsgebietes nach Köln. In ebendieser Epoche, dem frühen 13. Jahrhundert, war Wien bereits in weit reichende Handelsbeziehungen eingebunden, die zum einen die Donaustraße nutzten, zum anderen durch intensive Kontakte mit Venedig geprägt waren. Entscheidend war die Verleihung des so genannten "Stapelrechtes", das fremde Kaufleute dazu verpflichtete, ihre Waren in der Stadt niederzulegen und zum Verkauf anzubieten, womit den Wienern die überaus vorteilhafte Möglichkeit des Zwischenhandels geboten wurde. Der städtische Ausbau lässt sich vor allem an der Ausgestaltung der Kirchenlandschaft gut ablesen, wobei die Grundlagen noch unter den Babenbergern gelegt wurden. Auch die außerhalb der Mauern gelegene Vorstadtzone wurde nun zunehmend verbaut, wobei die Ausfallsstraßen gleichsam die Arterien der Entwicklung darstellten.
Walther von der Vogelweide
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Walther von der Vogelweide mit anderen Minnesängern.
Manessische Handschrift. 1300/40
  Walther (um 1170- um 1230), der größte deutsche Minnesänger und einer der großen Lyriker der Weltliteratur, entstammte vermutlich einem wenig begüterten Ministerialengeschlecht. Sein Geburtsort ist unbekannt. Wahrscheinlich war es der Vogelweidhof im Eisacktal in Südtirol. Für seine dichterische Entwicklung war Wien von besonderer Bedeutung. Blutjung kam er um 1190 an den Babenberger-Hof, wo Herzog Leopold V. ihn herzlich aufnahm. Hier lernte er „singen unde sagen“, also komponieren, vortragen und dichten. Der Hofdichter Reinmar von Hagenau, Reinmar der Alte, war sein Lehrmeister. In dem kunstsinnigen Herzog Friedrich I. fand Walther einen verständnisvollen Förderer. Nach Friedrichs frühem Tod auf dem Kreuzzug 1198 kam es zum Bruch mit dessen Nachfolger, Herzog Leopold VI. Walther nahm Abschied von Wien. Neben stimmungsvoller Naturlyrik gab Walther, ein eminent politischer Mensch, in seiner Spruchdichtung kritische Kommentare zur Tagespolitik ab, ein leidenschaftlicher Vertreter der kaiserlichen Reichspolitik gegen die Umtriebe des Papstes. Im Bewusstsein der Nachwelt freilich ist er in erster Linie als Verfasser zarter Liebeslyrik verankert, dessen populärste Verse (etwa: „Under der linden/ an der Heide/ dá unser zweie bette was…“) heute noch modern und jung wirken. Überliefert sind seine Gedichte in späteren Handschriften, u.a. in der prächtig illuminierten Manessischen Liederhandschrift aus dem 14. Jahrhundert.
Virgilkapelle
Virgilkapelle - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Virgilkapelle
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Virgilkapelle wurde 1973 im Zuge des U-Bahnbaues entdeckt und als Museum in die Station Stephansplatz integriert. Die unterirdische Kapelle, der größte erhaltene gotische Innenraum in Wien, entstand um 1250 als "capella subterranea" der darüberliegenden Magdalenenkapelle (Grundriss im Straßenpflaster des Stephansplatzes sichtbar). Ursprünglich möglicherweise als Begräbniskapelle gedacht, verlor sie im 14. Jahrhundert diese Bestimmung und diente einer reichen Wiener Kaufmannsfamilie als Gruft. Sie wurde mit byzantinisch beeinflussten Radkreuzen ausgemalt und mit einem Altar für den hl. Virgil ausgestattet, Im Vorraum ist eine Keramiksammlung untergebracht, welche die Entwicklung der Wiener Keramik vom 10. bis ins 19. Jahrhundert zeigt.
Neidhart Fresken
Die Fresken entstanden um 1407 und stellen ein für Wien einzigartiges Kunstwerk dar.
Quelle: Wien Museum - www.wienmuseum.at
Das Haus Tuchlauben 19, in dem sich die Neidhartfresken in einem Schauraum im 1. Stock befinden, stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde um 1398 von dem reichen Wiener Händler Michel Menschein mit einem großzügigen Bilderzyklus, den ältesten- erhaltenen profanen Wandmalereien in Wien, ausgestattet. Die Fresken zeigen Szenen aus dem Leben und der Dichtung des Wiener Minnesängers Neidhart von Reuental (um 1180 - 1240), ein Frühlingsfest und einem Reigen mit Festmahl.
Bewaffnung und Panzerung
eines Ritters von 1280 - 1320
Mittelalterlicher Harnisch.
Quelle: pixabay.com  - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
  Neben dem Schwert  war die etwa 3m lange Lanze die zweite wichtige Trutzwaffe eines Ritters. Sie war jene Waffe, die beim ersten Angriff zur Anwendung gelangte.Ritter bildeten sowohl einen Berufsstand als auch eine Gesellschaftsschicht. Sie verkörperten  Kern- und Oberschicht einer Armee und nur sie galten als Krieger. Nicht nur Edelleute des niedrigen Adels, sondern sogar Kaiser und Könige waren zugleich auch Ritter. Das Markenzeichen des Rittertums war das Schwert, das im Rahmen eines Rituals - der Schwertleihe und dem Ritterschlag - empfangen wurde.
In der ersten Hälfte des 13. Jhdt. wandelte sich das äußere Erscheinungsbild eines Ritters dahingehend, dass neue Helmformen eingeführt wurden und über dem Ringelpanzer trug man einen einfachen ärmellosen Waffenrock (wâpenroc). Da diese Helme den Kopf ihres Träger vollkommen umschlossen und deren Gesicht nicht mehr erkennbar war, wurde neben Fahnen und Bannern das Führen eines persönlichen Erkennungszeichens der Kämpfenden untereinander erforderlich. Farbige, auffallende und unterschiedlich gestaltete Zeichen wurden an weithin sichtbarer Stelle - dem Schild und in weiterer Folge auch am Waffenrock - angebracht. Die primäre Panzerung eines Ritters des 13. Jhtds. bildete der Haubert, ein aus vielen tausenden, untereinander vernieteten Eisenringen bestehendes Panzerhemd mit angesetzten Kettenfäustlingen und einer ebenfalls angesetzten, bzw. gegen Ende des Jahrhunderts separat verwendeten Kettenkapuze.   Das Gewicht einer derartigen Rüstung lag bei etwa 12 bis 14 kg. Der Ringpanzer bot zwar ausreichenden Schutz gegen Schnitt- und Stichverletzungen aber schützte nur bedingt gegen Lanzenstöße und Hiebe mittels Schwert, Streitkolben, Axt oder Keule. Unter dem Panzerhemd wurde ein sogenannter Steppwams namens Gambeson oder Aketon - ein mit Wolle oder Werg gepolstertes und abgestepptes tunikaförmiges Unterkleid - getragen, um Schläge oder Hiebe entsprechend zu dämpfen. Zur Panzerung der Beine wurden eiserne Beinlinge mit einem Gewicht von etwa 5 bis 6 kg verwendet, die in der Regel aus dem gleichen Ringgeflecht wie das Panzerhemd bestanden und das Bein völlig umschlossen.
Reiterharnisch - Bild: © Citype, Gaube Savoyarden-Helm - Bild: © Citype, Gaube
Helm eines schweren Reiterharnisches
Karl II., Herzog von Lothringen
(1543 - 1608)
Französisch 1580/90
geschwärztes Eisen, Leder, Samt
Wien, Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
sog. Savoyarden-Helm
vom schweren Halbharnisch des Johann Baptist Freiherr von Taxis
(1522 - 1588)
niederländisch, um 1585
Eisen, Leder, Messing
Wien, Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Medusenschild - Bild: © Citype, Gaube Sturmhaube - Bild: © Citype, Gaube
Medusenschild
Kaiser Karl V. (1500 - 1558)
Mailand, um 1535 od. 1541
dunkles, brüniertes, getriebenes, Goldtauschiertes Eisen
Wien, Kunsthistorisches Museum
All'antica Sturmhaube
Ferdinand von Tirol (1529 - 1595)
Mailand um 1550/55
Eisen, Gold, Silber, Messing
Wien, Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Fuchshelm - Bild: © Citype, Gaube sog. Fuchshelm
Ferdinand I. (1503 - 1564)
Innsbruck 1526 - 1529
Wien, Kunsthistorisches Museum.
Der geschlossene Helm mit dem Visier in Form einer Fuchs- oder Hundeschnauze sollte die Eigenschaften dieses Tieres seinem Träger vermitteln. "Schlau wie ein Fuchs", damit könnte auch auf Ferdinands erfolgreiche Abwehr der ersten Türkenbelagerung Wiens gegen diesen Übermächtigen Gegner Bezug genommen worden sein.
Helme und Harnische auf der KHM-Ausstellung "WIR SIND MASKE" 2009
Durch die Erhöhung der Durchschlagskraft von Armbrust und Bogen bildete der vermutlich aus dem ungarischen Raum stammende Plattenrock ebenso eine rüstungstechnische Neuerung, wie die  in der Minneepik bereits um 1240 gemeinsam mit dem Ritterdolch erwähnten gepolsterten Kniehosen (Diechlinge) zum Schutz der Oberschenkel. Kaum sichtbar unter dem Waffenrock oder anstelle dieses getragen, sorgt der Plattenrock über dem Panzerhemd für zusätzlichen Schutz. Dabei wurde eine Reihe von Eisenplatten an der Innenseite eines Leinen- oder Lederüberwurfes bzw. einer Kombination aus beidem genietet, sodass lediglich die Nietenköpfe an der Außenseite sichtbar waren. Neben den Diechlingen traten gegen 1250 zudem bereits vereinzelt Arm- bzw. Beinschienen aus gehärtetem Leder oder Eisen hinzu. Unter dem Topfhelm trägt der dargestellte Ritter bereits eine vom Panzerhemd getrennte und lediglich aus dem deutschen Raum bekannte Kettenhaube mit rechteckigem Brust- und Rückenlatz,  eine Frühform der Beckenhaube und Ailettes. Als Sekundärbewaffung dient ein  Dolch. (Andreas Bichler)
Wien im Spätmittelalter
ca. 1250 bis 1500
Zeltlager  - Bild: © Citype, Gaube
Darstellung eines mittelalterlichen Zeltlager auf der Veranstaltung
"Montur und Pulverdampf" 2009 im Heeresgeschichtlichen Museum
Wien muss im Spätmittelalter nicht nur eine bedeutende, sondern auch eine vergleichsweise luxuriös ausgestattete Stadt gewesen sein, waren doch zum Beispiel fast alle Straßen und Plätze mit einem Pflaster aus weichem Sandstein ausgelegt. Ein eigener "Mistrichter" hatte vor allem auf den Marktplätzen für Sauberkeit zu sorgen - eine Regelung, die in der damaligen Zeit durchaus nicht überall anzutreffen war.
Albertinischer Plan - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
"Albertinischer Plan". 1438 - 1455.
Kolorierte Farblithographie nach dem verschollenen Original. 1869
Die Wasserversorgung der Stadt geschah durch Hausbrunnen, die jedoch teils durch Fäkalien, teils durch Sickerwasser stark verunreinigt waren und so immer wieder die Ursache von Seuchen und Epidemien wurden. Der gewaltige Stadtbrand von 1562 machte zusätzlich die Notwendigkeit einer wirksamen Wasserversorgung deutlich. Nun wurde der Bau einer Wasserleitung in Angriff genommen. Aus Hernals wurde mit Holz- und Bleiröhren Wasser zu einem Brunnen auf den Hohen Markt geleitet. Diese erste städtische Wasserleitung nahm 1565 den Betrieb auf. 1331 wurde die Stadt in Viertel geteilt, und zwar in Schottenviertel, Widmerviertel, Kärntnerviertel und Stubenviertel. Der Stadtrat ernannte "Viertelmeister", die für die jeweiligen Viertel zuständig waren. In jedem Viertel war ein Alarmplatz bestimmt, an dem die Bürger sich bei einem Notfall, der durch das Läuten einer Sturmglocke angekündigt wurde, einzufinden hatten. In der Türmerstube von St. Stephan wurde um 1525 eine Brandwache eingerichtet, die Feuer bei Tag durch eine rote Fahne, nachts durch eine Laterne anzuzeigen hatte. Sie bestand übrigens bis 1965!
Ansicht Wiens - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Ausschnitt aus "Ansicht Wiens".
Holzschnitt, Hartmann Schedels "Buch der Chroniken". 1493
Im Verlauf des 15. Jahrhunderts wurde die Stadtmauer planmäßig verstärkt. Während das ganze Hochmittelalter hindurch und weit darüber hinaus die Zahl der Tore (Kärntner-, Widmer-, Schotten-, Werder-, Rotenturm- und Stubentor) unverändert bei sechs blieb (erst im 17. Jahrhundert wurden neue Tore errichtet), stieg die Zahl der Türme, größere und kleinere, bis 1418 auf neunzehn. Hygienische Maßnahmen der Stadtverwaltung bestanden unter anderem im Abfangen der zahlreichen verwilderten Hunde. So mussten im Jahre 1444 achthundertsechsundsechzig Hundekadaver beseitigt werden, wofür der "Huntschlager" zwei Pfennig pro Stück verrechnete. 1534 wurde der erste Stadtphysikus ernannt, ein Barbier, und 1536 die erste städtische Hebamme. Eine weitere Vorsorge stellte die Einrichtung von Spitälern und Siechenhäusern dar. Dabei handelte es sich im Allgemeinen nicht um städtische Einrichtungen, sondern um karitative Stiftungen. Aus einer solchen Stiftung entstand noch in spätbabenbergischer Zeit das Bürgerspital; es besaß ab 1432 ein Bierbraumonopol, das seine finanzielle Sicherstellung garantierte. Andere Siechenhäuser waren das "Bäckenhäusl" in der heutigen Währinger Straße (Beginn des 16. Jahrhunderts).
Hohe Markt mit der Schranne - © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Der Hohe Markt mit der Schranne.
Ausschnitt aus dem Stich "Wienn in Oesterreich" v. J. Hufnagel. 1609
Schließlich ist noch die Prostitution zu erwähnen. Bordelle wurden im Allgemeinen nicht verfolgt oder überwacht, weil sie pikanterweise im Besitz des Hofes oder der Bürgerschaft waren. Das Vordere und das Hintere Frauenhaus lagen in der Nähe des heutigen Theaters an der Wien. Wie überall im Mittelalter waren auch in Wien öffentliche Bäder äußerst populär. Sie waren vor allem im Stubenviertel konzentriert (das von den Badstuben seinen Namen ableitete). Das Auftauchen der Lustseuche um 1500 bedeutete ein jähes Ende dieser "Badekultur", die sich oft als recht freizügige Unterhaltung gestaltete. Eine der ältesten Richtstätten Wiens lag auf dem Hohen Markt, wo auch zwischen 1547 und 1710 der Narrenkotter aufgestellt war, eine Art Gitterkäfig für die kurzfristige Verwahrung von Unruhestiftern, Dirnen, Wahrsagern, Trunkenbolden etc. Hier stand auch die Schranne, das Stadtgerichtshaus, das seit 1325 nachweisbar ist. Nach einem Brand 1437 wurde ein neues Gebäude mit einem Laubengang errichtet. 1855 wurde das mehrfach umgebaute Haus abgetragen. Die Schranne übersiedelte vor das neu errichtete heutige Landesgericht. Wien besaß gleich mehrere Pranger, einen davon ebenfalls auf dem Hohen Markt. Die verschiedenen Hinrichtungsarten hatten ihre eigenen Reviere: auf dem Hohen Markt Köpfen und Vierteilen; auf der Gänseweide in Erdberg Tod durch Verbrennen. Auf dem Schweinemarkt, dem heutigen Lobkowitzplatz, wurde ebenfalls enthauptet. Vorwiegend gehängt und gerädert wurde nahe der Spinnerin am Kreuz auf dem Wiener Berg und auf dem Rabenstein in der Roßau.
Text auszugsweise aus
Stadtchronik Wien
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Günter Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
 
 
 
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2000 Jahre Wiener Geschichte lebendig gemacht
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Time Travel Vienna richtet sich an Menschen jedes Alters, an Einheimische und Touristen, an alle, die etwas über die Geschichte Wiens erfahren wollen. Die Shows dauern 50 Minuten, sind kompakt und spannend aufbereitet, humorvoll begleitet von Tourguides.
Habsburgergasse 10A, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 5321514
www.timetravel-vienna.at
 
 
 
 
Johann Strauss
Wohnung
W i e n   M u s e u m
Johann Strauß (1825 – 1899) war der erfolgreichste Spross der Walzerdynastie und als solcher zwangsläufig der härteste Konkurrent seines Vaters. Er lebte in der kurz zuvor zur mondän-eleganten Praterstraße ausgebauten ehemaligen Jägerzeile in den Jahren 1863 bis 1870.
Die wichtigste mit dem Haus Nr. 54 verbundene Komposition ist das als "inoffizielle österreichische Hymne" bezeichnete Opus 314, der Walzer "An der schönen blauen Donau".
Zu den zahlreichen Exponaten der Musikerwohnung gehört eine kostbare Amati-Geige, welche einem Zertifikat von 1911 zufolge aus dem Besitz des Walzerkönigs stammt.
Praterstraße 54, 1020 Wien
Telefon: +43 (0)1 214 01 2
E-Mail: office@wienmuseum.at 
www.wienmuseum.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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