Neidhart Fresken
Die ältesten profanen Wandmalereien Wiens
Tuchlauben 19, 1010 Wien
Neidhart Fresken Wien © www.wienmuseum.at
Die Neidhart Fresken in der Außenstelle des Wien Museum, Tuchlauben 19.
© www.wienmuseum.at - Hertha Hurnaus
Die Neidhart Fresken entstanden um 1407 und stellen ein für Wien einzigartiges Kunstwerk dar. Sie schmückten einst den privaten Tanzsaal des reichen Tuchhändlers Michel Menschein und wurden 1979 im Zuge eines Wohnungsumbaus entdeckt und freigelegt. Erst kürzlich erfolgte eine umfassende Restaurierung.
Das Haus Tuchlauben 19 im 1. Wiener Gemeindebezirk "Innere Stadt".
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die dargestellten Szenen basieren auf Liedern des Minnesängers Neidhart von Reuenthal (um 1180–1240). Neidharts Geschichten wurden jahrhundertelang „weitererzählt“: Die Fresken in der Beletage des Wiener Bürgerhauses sind ein farbenprächtiges Zeugnis für diese lebendige Überlieferung
Neidhart Fresken Wien © www.wienmuseum.at
Die Neidhart Fresken in der Außenstelle des Wien Museum, Tuchlauben 19.
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Der Auftraggeber Michel Menschein wollte mit der Ausgestaltung seines Tanzsaales offenbar die Natur in die eigenen vier Wände holen. Dargestellt werden verschiedene Vergnügungen und Spiele im Jahreskreis, wobei die groben Lustbarkeiten der Bauern jenen der adeligen höfischen Jugend gegenübergestellt werden.
Neidhart Fresken Wien © www.wienmuseum.at
Neidhart Fresken Wien © www.wienmuseum.at
Die Neidhart Fresken in der Außenstelle des Wien Museum, Tuchlauben 19.
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Zu sehen sind außerdem ein Liebespaar, der Spiegelraub – als Symbol für den Verlust der mädchenhaften Unschuld –, eine Schneeballschlacht mit Rauferei, eine Schlittenfahrt, eine Herbstlandschaft, ein Festmahl, ein Reigen und als bekanntestes Motiv der Veilchenschwank, der als Sage bis in die Gegenwart überliefert wird.
Neidhart von Reuenthal
Herr Nithart (Codex Manesse, um 1300).
Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 273r, Herr Neidhart (Herr Nithart)
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Neidhart, genannt von Reuental (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts), war einer der bedeutendsten und fruchtbarsten deutschsprachigen lyrischen Dichter des Mittelalters. 132 Lieder sind unter seinem Namen überliefert, davon 55 mit Melodien. Im Einzelnen bleibt unbestimmbar, welche der überlieferten Strophen von dem Minnesänger des 13. Jahrhunderts stammen und welche später in seinem Stil gedichtet wurden (sog. Pseudo-Neidharte). Die vielfältigen Abschriften seiner Dichtungen lassen auf die Beliebtheit und die weite Verbreitung der Lieder bis ins 15./16. Jahrhundert schließen. Neidhart bezeichnet sich selbst als Ritter. Er stammte wahrscheinlich aus Bayern. Er wurde um 1180 geboren und starb vor 1247.
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Erste Szene an der Südwand des Tanzsaales, Auszug von Höflingen aus einer Burg,
wohl um nach dem ersten Veilchen im Frühling zu suchen.
© www.wienmuseum.at - Peter Kainz
 Wolfram von Eschenbach nennt in einer vor 1217 entstandenen Passage des Willehalm Neidhart; das zeigt, dass er schon um 1215 bekannt gewesen sein muss. Auf Grund der in den Liedern erwähnten Ortsnamen kann man den bairisch-salzburgischen Raum als Gebiet seines frühen Schaffens ausmachen. Möglicherweise war der Salzburger Erzbischof Eberhard von Regensberg einer seiner Gönner.
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Adelige Jugendliche beim Ballspiel neben der pikanten Szene des "Spiegelraubs".
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In späteren Liedern nennt Neidhart Herzog Friedrich II. von Österreich (regierte ab 1230) als seinen Gönner, und dass er von diesem ein Haus am Lengenbach (heutige Ortsnamen: Neulengbach, Altlengbach; ca. 30 km westlich von Wien) erhalten hatte. Die Bauernlümmel, die in vielen Liedern Neidharts auftreten, lokalisiert er am Tullnerfeld (ebenfalls westlich von Wien).
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Adelige Jugendliche beim Ballspiel neben der pikanten Szene des "Spiegelraubs".
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Damit sind Raum und Zeit seines späteren Schaffens bestimmbar. Der größte Teil von Neidharts Liedern gehört den beiden Gruppen der Sommerlieder und Winterlieder an. Es sind fast 200 Lieder unter seinem Namen überliefert, einige davon mit Melodie. Man nimmt an, dass rund ein Drittel davon nicht von ihm stammt. Die Hauptfigur in seinen Liedern ist meist der „ritter von Riuwental“. Neidhart lässt die Welt der hohen Minne mit der oft tristen Realität der Dorfbevölkerung aufeinanderprallen.
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Adelige Gesellschaft beim Reigentanz.
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Seine Lieder enthalten Sozialkritik, die als Humor verpackt den Status quo kritisiert. Manche Interpretationen sagen ihm auch „Bauernfeindlichkeit“ in seinen Liedern nach – so wird zum Beispiel davon berichtet, dass aufgebrachte Bauern das Neidhart-Grab in Wien mit Heugabeln attackiert haben sollen. Das Neidhartgrab (Tumbagrab) in Wien findet sich an der Südseite des Stephansdomes. Man nimmt an, dass das Grab von Rudolf IV. später in Auftrag gegeben wurde, der historische Neidhart aber auf dem später aufgelassenen Friedhof bei der Kirche begraben war.
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Neidhart wurde durch seine große Bekanntheit später selbst zum Protagonisten, Lieder, die in seinem Stil gedichtet waren, wurden als ein "neidhart" zum Gattungsbegriff. Unter dem Namen „Neithart Fuchs“ soll der Bauernfeind Otto Fuchs genauso wie der Pfaffe vom Kalenberg als eine Art Hofnarr („maître de plaisir“) des österreichischen Herzogs Otto des Fröhlichen (1301–39) in Neidharts Manier gedichtet haben. In der Neidhart-Forschung gibt es unterschiedliche Auffassungen, ob es einen Ritter Neithart Fuchs tatsächlich gegeben hat.
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Seit 2007 liegen mit der Salzburger Neidhart-Edition (drei Bände) sämtliche Texte vor, die als "Neidharte" über Handschriften oder Drucke verbreitet wurden. Nun ist es möglich, sämtliche Textvarianten miteinander zu vergleichen. Untersucht man die Rezeptionsgeschichte der Neidhart-Literatur unter dem Gesichtspunkt der Attraktivität, so kann man feststellen, dass dieser Minnesänger der Superstar des Mittelalters gewesen ist. Seine Lieder sind zusammen mit den Schwänken des Neithart Fuchs mehr als drei Jahrhunderte virulent. Neidhart ist "vielleicht der erfolgreichste, ganz sicher aber der folgenreichste Lieder-Autor des deutschsprachigen Mittelalters.
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  Als einziger mittelhochdeutscher Liederautor hat er in größerem Maße den Sprung in die neue Technologie des Buchdrucks geschafft." Der Neidhartstoff wurde in Schwänken und Spielen, in zahlreichen Holzschnitten, Fresken und Reliefs tradiert. Von vielen Neidhartliedern sind auch die Noten überliefert.
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Neidharts Lieder gewähren Einblicke in die mittelalterliche Ständegesellschaft und lassen sowohl die Fremdheit des Mittelalters als auch Entwicklungen erkennen, die sich bis in die Neuzeit verfolgen lassen. Anhand der Schwänke können Wissenschaftler der Frage nachgehen, worüber man im Spätmittelalter gelacht hat.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel " "Neidhart" der
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Neidhart Fresken
Die ältesten profanen Wandmalereien Wiens
Tuchlauben 19, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 535 90 65
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Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag & Feiertag: 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr
24. Dezember und 31. Dezember: 10 bis 13 Uhr
, Geschlossen:
1.1., 1.5., 25.12. und alle Feiertage, die auf einen Montag fallen
www.wienmuseum.at/neidhart-fresken
 
 
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Historischer Originalschauplatz
2000 Jahre Wiener Geschichte lebendig gemacht
ein Rundgang durch 1.300m2 Erlebnisfläche - humorvoll begleitet durch Tourguides - mit 5D Kino, Animatronic Shows, Musik und Spezialeffekten
Time Travel Vienna richtet sich an Menschen jedes Alters, an Einheimische und Touristen, an alle, die etwas über die Geschichte Wiens erfahren wollen. Die Shows dauern 50 Minuten, sind kompakt und spannend aufbereitet, humorvoll begleitet von Tourguides.
Habsburgergasse 10A, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 5321514
www.timetravel-vienna.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
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