Die Pest in Wien
Die Wiener Pestepidemien von 1349 und 1679
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Spital mit Pestkranken in Wien. Zeitgenössischer Stich 1679
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Als Schwarzer Tod wird die große europäische Pandemie von 1347 bis 1353 bezeichnet, die geschätzte 25 Millionen Todesopfer – ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung – forderte. Die großen Pest-Seuchen durchliefen von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weite Landstriche und sind ein zentrales Thema der Medizingeschichte. Ihre langsame Erforschung ermöglichten der Medizin (im engeren Sinne der Inneren Medizin und der Spezialität Infektologie/Infektiologie) und in der Epidemiologie große Behandlungsfortschritte. Die Seuchen haben nicht selten die politische Landschaft durchgreifend verändert.
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Pesthaube, 17. Jahrhundert: Zum Schutz gegen die Pest trugen Ärzte ein Ledergewand
mit Überwurf und eine Maske. In dem schnabelartigen Fortsatz befanden sich
Kräuter oder Essigschwämme zum Filtern der Luft.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Jahrzehntelang war strittig, ob es sich bei den „Pest“ genannten Seuchen, die bis in das 19. Jahrhundert Europa heimsuchten, wirklich um von Yersinia pestis verursachte Krankheiten handelte. Kritiker betonten die stark abweichende Ausbreitungsgeschwindigkeit der Pest im heutigen Indien zur Ausbreitungsgeschwindigkeit im 14. Jahrhundert. Erst durch vergleichende europaweite Analysen einstiger Pestopfer mittels PCR sowie der Immunochromatographie zeigte sich in den letzten Jahren, dass die einstigen katastrophalen Pestepidemien, die Europa seit 1347 trafen, in der Tat durch Yersinia pestis verursacht wurden, allerdings von zwei Varianten des Bakteriums, von denen die gefährlichere heute als ausgestorben gilt. Von ihren Schiffen verbreitet, gelangte die Krankheit 1347 nach Konstantinopel, Kairo und Messina auf Sizilien, wo 1347 ein Schiff eintraf, dessen Mannschaft zum größten Teil bereits an der Pest gestorben war. Von dort aus breitete sie sich in den folgenden vier Jahren rasch zuerst über den See-, dann auch über den Landweg über ganz Europa aus.
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Doktor Schnabel von Rom:
Arzt mit Schnabelmaske mit Kräutern und Stock zum Fernhalten von Erkrankten (1656)
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Ärzte dieser Zeit standen der für sie rätselhaften Krankheit ratlos gegenüber. Ein fundiertes Wissen hatten sie eher in der Astrologie, die den Hauptteil ihres Medizinstudiums beanspruchte. Medizinisch mussten sie auf das Wissen des antiken Arztes Hippokrates und seines Nachfolgers Galen zurückgreifen, nach dessen Lehren diese Infektion eine Fehlmischung der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle war – das Prinzip der Ansteckung war dagegen der galenischen Medizin unbekannt. Eine Ansteckung von Tier zu Mensch war gänzlich unvorstellbar. Stattdessen vermutete man, dass faul riechende Winde („Miasmen“) die Krankheit aus Asien nach Europa trügen oder dass sie durch Dämpfe aus dem Erdinneren verursacht würde (die Miasmentheorie).
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Klöster, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenlebten, waren
ideale Brutstätten für die Pest. Auf der englischen Buchmalerei segnet ein Abt oder
Bischof erkrankte Mönche (1360/1380), die durch Pestbeulen bereits gezeichnet sind.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Zur medizinischen Behandlung der Beulenpest entstanden um 1350 spezielle Ratschläge zur Durchführung von Aderlässen und nassem Schröpfen. Obskure Ratschläge machten die Runde. So sollten beispielsweise die Fenster nur nach Norden geöffnet werden, Schlaf zur Tageszeit sowie schwere Arbeit sollten den Ausbruch einer Seuchenerkrankung fördern und deswegen vermieden werden. Als gefährlich galten feuchtschwüles Klima und Südwind, die Luft über stehenden Gewässern aller Art. Die Seuche würde durch die Schönheit junger Mädchen angezogen, hieß es. Tatsächlich jedoch starben mehr Männer als Frauen, mehr Junge als Alte. Die Kirche – von zahlreichen Seuchenopfern als Erbe eingesetzt – ging reicher, aber unpopulärer aus der Zeit des „Schwarzen Todes“ hervor.
 
Behandlung von Pestkranken. Im linken Bild ein Pestarzt beim Beulenaufschneiden,
rechts Behandlung der Pest durch Aderlass.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Weder hatte sie eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage gefunden, warum Gott der Menschheit eine solche Prüfung auferlegt hatte, noch hatte sie geistlichen Beistand geleistet, als das Bedürfnis der Menschen danach am größten war. Die Bewegung der Flagellanten hatte die Autorität der Kirche auf die Probe gestellt. Auch nach dem Abklingen dieser Bewegung suchten viele Gott bei mystischen Sekten und in Reformbewegungen, was letztlich die katholische Glaubenseinheit auseinanderbrechen ließ.
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Heilige Sebastian als Pestpatron.
Detail: Das Wüten der Pest Losensteiner Kapelle, Garsten
Bildnachweis: Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, Farbdiaarchiv
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Die meisten Kunstwerke, die die Auswirkungen des Schwarzen Todes thematisieren, entstanden erst nach den Pandemiejahren 1347 bis 1353. Der Schwarze Tod wurde auch in der Kunst des ausgehenden Mittelalters zu einem wichtigen Thema. Künstler wie der Lübecker Maler und Bildschnitzer Bernt Notke stellten das Geschehen in Form des Totentanzes eindrucksvoll dar, das auch in der Musik verarbeitet wurde.
Die Wiener Pestepidemie von 1349
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
"Die große Pest in Wien unter dem Herzog Albrecht dem Lahmen. 1349"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß.
Blatt 149 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Pestepidemie von 1349 gilt heute alt die schwerste während des Mittelalters. Für das Erreichen des Erregers in Wien sind mehrere Daten belegt: 12. April, 31. Mai, 24. Juni. Als Enddatum gilt der 20. September. Fast ein Drittel der Bevölkerung kam ums Leben, in Wien starben jeden Tag etwa 480 bis 720 Personen, unter ihnen auch zahlreiche schwangere Frauen und Geistliche. Da die Friedhöfe überfüllt waren, gingen die Menschen dazu über, Tote in Gruben vor der Stadt zu begraben. Zum Verlauf der Pesterkrankung ist überliefert, dass die meisten Erkrankten innerhalb von drei Tagen, nachdem die Symptome gezeigt hatten, verstarben. Allerdings konnten jene, die den dritten Tag überlebten, auch noch mit einer Genesung rechnen. Die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie waren enorm, da im ganzen Land Arbeitskräfte fehlten. So mussten die Arbeiter in den Weingärten höher entlohnt werden.
1381 und 1436 sind ebenfalls große Erkrankungswellen überliefert. 1381 wurden in St. Stephan etwa 15.000 verstorbene gezählt, abermals hatte der Pestausbruch durch Arbeitskräftemangel starke wirtschaftliche Auswirkungen. 1436 musste aufgrund der Erkrankungen die Universität temporär geschlossen werden. Die erste große Pandemiewelle, die als „Schwarzer Tod“ in die Geschichtsbücher einging, endete 1353. Sie flackerte in den Folgejahren immer wieder in einzelnen Regionen Europas auf, da sich die Seuche endemisierte: In lokalen und regionalen Epidemien suchte sie die nächsten drei Jahrhunderte in nahezu regelmäßigen Abständen europäisches Gebiet heim.
Die Große Pest von Wien 1679
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
"Die große Pest in Wien, an welcher in einem Jahre
vom Jänner bis November 122.849 Menschen starben. 1679."
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß.
Blatt 149 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Große Pest von Wien war eine Pestepidemie, der 1679 in Wien vermutlich rund 12.000 Menschen zum Opfer fielen. Zeitgenössische Berichte bezifferten die Anzahl der Toten mit 70.000 bis 120.000. Schriftlich nachweisbar sind rund 8.000 Tote, was allerdings nur als Untergrenze betrachtet werden kann. Die ersten Krankheitsfälle traten zunächst im Frühjahr 1679 in der Leopoldstadt auf und breiteten sich von dort mit dem Voranschreiten der warmen Jahreszeit schnell über den gesamten Siedlungsraum Wien aus.
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bestattung von Pestleichen vor Wien 1679.
Ein Fuhrwerk und Menschen, die Kisten auf Bahren tragen, auf einem freien Feld;
links im Bild eine Pestsäule, im Hintergrund die Stadt Wien.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Während die durch den später als Pestarzt von Wien bekannt gewordenen Doktor Paul de Sorbait vorgeschlagenen Hygienemaßnahmen offenbar unbeachtet blieben, wurde die Pest vielmehr als göttliche Heimsuchung wahrgenommen. Zeugnis dieser Haltung ist in Abraham a Sancta Claras „Mercks Wienn“ eindrücklich überliefert, worin die Menschen zu Buße und Gebet aufgefordert werden. Während der elfmonatigen Pest von 1679 lebte Abraham a Sancta Clara fünf Monate lang in Isolation im Haus des niederösterreichischen Landmarschalls Graf Johann Balthasar Hoyos, für den er täglich die Messe las. Hier arbeitete er an seinem ersten umfangreichen Werk, Merck's Wienn!, das der Endlichkeit des menschlichen Daseins und dem Gewissen, das man zum Wissen braucht, gewidmet ist.
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Abraham a Sancta Clara.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1680 wurde Abraham Prior seines Mutterklosters, 1682 als Sonntagsprediger an das Kloster St. Anna zu Graz versetzt, wo er nach drei Jahren ebenfalls Prior wurde. Abraham a Sancta Clara OEDSA (Ordensname), auch Abraham a Santa Clara, (* 2. Juli 1644 als Johann Ulrich Megerle - genannt auch Megerlin - in Kreenheinstetten bei Meßkirch; † 1. Dezember 1709 in Wien) war ein katholischer Geistlicher, Prediger und Schriftsteller. Er gilt mit rund 600 Einzelschriften als bedeutendster deutscher katholischer Prediger und Poet der Barockzeit mit ungewöhnlicher Sprachkraft und Sprachfantasie. Die Pest wird durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst und vor allem durch Flöhe übertragen, welche von Nagetieren, besonders Ratten, in die menschlichen Wohnungen gelangen. Gründe für den Ausbruch waren die dichte Besiedelung des Stadtgebiets besonders im Bereich der Vorstädte und die mangelnde Hygiene. Als betriebsamer Handelsplatz wurde Wien von vielen Reisenden besucht, wodurch die Pest von auswärts eingeschleppt worden sein dürfte.
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Pestlazarett am Alsergrund, das zur Isolierung und Behandlung der Kranken diente.
(Votivbild eines unbekannten Künstlers)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mit der Pest wurde auch der Straßenmusikant Augustin berühmt, mit dem das Lied Oh du lieber Augustin in Verbindung gebracht wird. Marx Augustin oder Der liebe Augustin (eigentlich Markus Augustin; * 1643 in Wien; † 11. März 1685 ebenda) war ein Bänkelsänger, Sackpfeifer und Stegreifdichter. Er wurde durch die Ballade „O du lieber Augustin“ sprichwörtlich. Zum Leben Augustins ist wenig gesichert. Augustin soll sehr beliebt gewesen sein, weil er mit seinen zotigen Liedern vor allem während der Pest in Wien im Jahr 1679 die Bevölkerung der Stadt aufheiterte, weshalb er im Volksmund nur als „Lieber Augustin“ bekannt war. Augustin soll als Sohn eines heruntergekommenen Wirts aufgewachsen sein und war demnach schon früh darauf angewiesen, mit seinem Dudelsack von einer Spelunke zur nächsten zu ziehen, wobei nur wenig von dem verdienten Geld die jeweilige Kneipe verlassen haben soll – der Überlieferung nach soll er auch ein „tüchtiger Trinker“ gewesen sein.
Massengrab © Stadtarchäologie Wien
Massengrab mit möglichst Platz sparend in die Grube gelegten Toten, das vermutlich mit einer „Pest”-Epidemie im Jahr 1679 oder 1713 in Zusammenhang steht. © Stadtarchäologie Wien
 Der Legende nach war der 36-jährige Augustin 1679 während der Pestepidemie wieder einmal stockbesoffen und schlief irgendwo in der Gosse seinen Rausch aus. Siech-Knechte, die damals die Opfer der Epidemie einsammeln mussten, fanden ihn, hielten ihn für tot und brachten die Schnapsleiche zusammen mit den Pest-Leichen auf ihrem Sammelkarren vor die Stadtmauer. Dort warfen sie ihre ganze Ladung in ein offenes Massengrab. Diese Pestgrube soll sich in der Nähe der Kirche St. Ulrich im siebten Wiener Gemeindebezirk befunden haben, gleich neben dem Platz, an dem heute der Augustinbrunnen steht. Wie in der damaligen Situation üblich, wurde das Grab nicht sofort geschlossen, sondern provisorisch mit Kalk abgedeckt, um später weitere Pestopfer aufzunehmen.
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Marx Augustin findet sich in der Pestgrube wieder.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am folgenden Tag habe Augustin inmitten der Leichen so lange krakeelt und auf seinem Dudelsack gespielt, bis Retter ihn aus der Grube zogen. Danach soll Augustin sein Erlebnis als Bänkelsänger vorgetragen und davon recht gut gelebt haben. So ist die Legende vom lieben Augustin vielleicht seinem eigenen Bericht zu verdanken. Bereits zeitgenössische Quellen berichten von dem der Leichengrube entstiegenen Augustin. Abraham a Sancta Clara erwähnt das Ereignis in seinem „Wohlangefüllten Weinkeller“, um vor der Trunksucht zu warnen. Urkundliche Stütze für die Legende ist nur ein Eintrag im städtischen Totenschauprotokoll, das einen „Augustin N.“ verzeichnet. Augustin wurde auf dem Wiener Nikolai-Friedhof beerdigt, nach dessen Auflassung wurden seine sterblichen Überreste vermutlich auf den Sankt Marxer Friedhof überführt.
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Erinnerungsplakette an den Bänkelsänger Lieber Augustin am Griechenbeisl in Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Das Volkslied „O du lieber Augustin“ ist erst um 1800 in Wien nachgewiesen. Teilweise wird Augustin selbst als Verfasser genannt, der Ursprung ist jedoch unklar.
Der spöttische Text gibt aber den Galgenhumor wieder,
der den Wienern in Erinnerung geblieben ist:
O du lieber Augustin, Augustin, Augustin, O du lieber Augustin, alles ist hin. Geld ist weg, Mensch (Mäd´l) ist weg, Alles hin, Augustin. O du lieber Augustin, Alles ist hin. Rock ist weg, Stock ist weg, Augustin liegt im Dreck, O du lieber Augustin, Alles ist hin. Und selbst das reiche Wien, Hin ist's wie Augustin; Weint mit mir im gleichen Sinn, Alles ist hin! Jeder Tag war ein Fest, Und was jetzt? Pest, die Pest! Nur ein groß' Leichenfest, Das ist der Rest. Augustin, Augustin, Leg' nur ins Grab dich hin! O du lieber Augustin, Alles ist hin!
Pestsäule am Graben, Wien © Erhard Gaube - www.gaube.at
Die Pestsäule am Graben, Wien.
© Erhard Gaube - www.gaube.at
Die Pest- oder Dreifaltigkeitssäule wurde 1679 von Kaiser Leopold I. der Heiligen Dreifaltigkeit, Schützerin gegen die Pest und den neun Chören der Engel gelobt, und im selben Jahr als hölzerne Säule errichtet. 1687 legte Kaiser Leopold I. den Grundstein für eine neue Säule. Aus Marmor sollte sie sein, gefertigt nach Entwürfen von Matthias Rauchmüller, der den Auftrag für eine Mamorsäule bereits 1682 erhalten hatte. Nach dem jähen Tod Rauchmüllers, im Jahr 1686, übernahm Johann Bernhard Fischer von Erlach gemeinsam mit dem Hofarchitekten Ludowico Purnacini das Projekt. Am Dreifaltigkeitstag des Jahres 1693 war die Säule vollendet und wurde geweiht. Über dem Sockel erhebt sich aus den Wolken eine dreiseitige Pyramide.
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pestsäule am Graben.
"Der Glaube siegt über die Pest" von Paul Strudel (um 1684 - 1708).
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Auf deren Spitze schwebt als Krönung die Hl. Dreifaltigkeit. Das ikonographische Programm stammt aus der Hand des Jesuitenpaters Franciscus Menegatti, dem Beichtvater Kaiser Leopold I. Die untere Reihe der Reliefs zeigt die Schöpfung, die Pest, das Passahfest, das Letzte Abendmahl, die Sintflut und das Pfingstwunder. In der darüber liegenden Zone sehen sie die Himmelskugel mit Tierkreis und Gestirnen, die Erdkugel mit vier Winden, das Lamm Gottes mit Osterfahne, ein Cherubim mit Kelch, die Hand Gottes mit Gesetzestafeln und ein geflügeltes flammendes Herz. Drei Engel halten Schriftrollen deren Texte Gott preisen. Darunter befinden sich die Wappen Österreichs, Ungarns und Böhmens.
Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Die Pestepidemien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die zum Schutz vor Bombenschäden eingemauerte Pestsäule (links).
Die Pestsäule am Graben wird 1945 wieder freigelegt (rechts).
 © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Über der Sockelzone können Sie die zentrale Statue des in das Gebet versunkenen Kaiser Leopold I. erkennen. Unter ihm ist der Sieg des Glaubens über die Pest dramatisch dargestellt, eine Arbeit des Bildhauers Peter Strudel. Die Wiener Pestsäule war stilprägend und wurde in der ganzen Monarchie nachgeahmt. Um sie vor indirekten Schäden zu schützen, wurde sie im Zweiten Weltkrieg eingemauert.
Yersinia pestis, das Pestbakterium
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Das Pestbakterium (Yersinia pestis).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Yersinia pestis – auch Pestbakterium genannt – ist ein gramnegatives, unbegeißeltes, sporenloses, fakultativ anaerobes Stäbchenbakterium. Es zählt zu den Enterobakterien und ist der Erreger der Lungen- und Beulenpest. Mit einigen weiteren Bakterien bildet es die Gattung Yersinia. Yersinia pestis wurde von Alexandre Émile Jean Yersin 1894 entdeckt und ursprünglich nach Louis Pasteur Pasteurella pestis getauft, 1967 jedoch Yersin zu Ehren umbenannt. Bricht der Krankheitserreger in die Blutbahn ein, was in 50–90 % der unbehandelten Fälle geschieht, so entsteht die Pestsepsis, also eine Streuung in die Blutbahn. Auf diesem Wege können praktisch alle Organe befallen werden. Unter anderem kommt es zur Lungenpest. Die Gefahr bei der Vermehrung innerhalb des Menschen ergibt sich aus der Ausbildung diverser Pathogenitätsfaktoren bei einer Umgebungstemperatur von 37 °C, also Körpertemperatur. So bildet Yersinia pestis bei dieser Temperatur eine antiphagozytär wirkende Kapsel aus, die als Fraktion 1 (F1) bezeichnet wird, und zwei weitere antiphagozytäre Antigene, die Virulenzantigene V und W. Im Bezug auf die Virulenz des Erregers bedeutet dies, dass im Falle der Lungenpest die Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist, wenn es zu Kontakt mit hochinfektiösem Sputum eines an Lungenpest Erkrankten kommt. In diesem Fall kann sich innerhalb von Stunden eine primäre Lungenpest ausbilden.
Die Pestepidemien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Auch in der Schweiz war die Pest ein Thema wie die Darstellung der Beulenpest
in der Toggenburgbibel aus dem Jahr 1411 zeigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
An der Bissstelle kommt es zu einer lokalen Infektion, die durch die Ausbildung einer Pustel gekennzeichnet ist und zur sogenannten Bubonenpest (Beulenpest) führt. Bei der septischen (blutvergiftenden) Form wird keine Pestbeule entwickelt. Der Patient stirbt schnell ohne besondere äußere Symptome, aber mit einer hohen Bakterienkonzentration im Blut. Wenn diese Pestbakterien die Lunge angreifen, so wird diese Form als „sekundäre Lungenpest“ bezeichnet, die die gefährlichste Form mit dem raschesten Verlauf bildet. Neben hohem Fieber ist der blutige Auswurf eines der wenigen äußeren Symptome. Die blutvergiftende Wirkung wird ausgelöst, wenn die Bakterien ihren normalen Lebenszyklus vollenden und absterben. Dabei werden große Mengen toxischen Sekrets direkt in den Blutkreislauf abgegeben; Nieren und Leber können nekrotisch werden, wenn sie versuchen, das System von Toxinen zu reinigen. Am Ende erliegt das Opfer einem toxischen Schock.
Die Pestepidemien  © Seifert et al./DPA
Die sterblichen Überreste dreier Soldaten aus dem 30-jährigen Krieg:
In den Zähnen entdeckten Forscher Gene des Pest-Erregers. © Seifert et al./DPA
Quelle: www.stern.de/pest-erreger-ueberlebte-jahrhunderte-in-europa
Der Pesterreger konnte wahrscheinlich jahrhundertelang in Europa überdauern. Darauf deuten Bakteriengene hin, die Forscher in Skeletten entdeckt haben. Die Gebeine stammen aus dem 14. bis 17 Jahrhundert und wurden in München und Brandenburg gefunden. Das scheint die These zu widerlegen, wonach der Erreger ausschließlich durch Seuchenzüge eingeschleppt wurde, berichten deutsche Wissenschaftler im Fachjournal "Pos One". Die Forscher haben insgesamt 30 Skelette untersucht. Aus sechs davon ließ sich das Erbgut der Pestbakterien zu Analysen verwenden. Damit konnten die Wissenschaftler den Zeitraum von der Mitte des 14. bis weit ins 17. Jahrhundert hinein abbilden. Zudem wurden die Ergebnisse mit bereits entzifferten Erreger-Genen anderer Skelette in Europa abgeglichen. Dabei stellten die Forscher einen nahezu identischen genetischen Fingerabdruck der Bakterien fest. "Wir haben in den Zähnen der untersuchten Skelette Erbinformationen des Pesterregers gefunden, den molekularen Fingerabdruck untersucht und so herausbekommen, dass er im Grunde identisch ist", sagte Holger Scholz vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Somit könne das Bakterium Yersinia pestis auch in Europa selbst überlebt haben. An der Studie haben sich auch Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität und der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München beteiligt.
Der Ratten- oder Pestfloh
Der Ratten- oder Pestfloh (Xenopsylla cheopis).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Rattenfloh (Xenopsylla cheopis, häufig aber falsch auch cheopsis geschrieben), auch bekannt als Pestfloh, Indischer Rattenfloh, Tropischer Rattenfloh, gehört zu den Flöhen (Siphonaptera). Früher hieß er Pulex cheopis. Der Rattenfloh gilt als einer der Hauptüberträger der Pest. Er saugt die Bakterien (Yersinia pestis) mit dem Blut auf. 1914 wurde entdeckt, dass Flöhe, die pestinfiziertes Blut gesaugt hatten, nach einigen Tagen trotz Anstrengung kein Blut mehr aufsaugen konnten: Der Vormagen (Proventriculus) war mit verklumpten Bakterien verstopft. Die Anstrengung führt zu einer Erweiterung der Speiseröhre (Oesophagus), so dass eine bedeutende Menge Bakterien rückwärts in den Biss ausgestoßen wird.
Als Wirt dienen dem blutsaugenden Rattenfloh verschiedene Nagetiere, darunter auch die
weit verbreiteten Wanderratten und die Hausratten sowie der Mensch. Foto: dpa-Zentralbild
Quelle: www.stuttgarter-zeitung.de/forscher-finden-pest-bakterium
So gelangen sie in die Blutbahn des Menschen. Die Bakterien sind für den Floh nicht unmittelbar tödlich, vor allem bei nur partieller Blockade können diese noch eine Weile überleben, wenn auch ihre Lebensdauer merklich kürzer wird. Sie führen aber bei zu hoher Temperatur oder zu niedriger Luftfeuchtigkeit zu seiner Austrocknung. Damit konnte das plötzliche Ende der Epidemien in Indien bei heißem trockenem Wetter erklärt werden. Diese Untersuchungen und Schlussfolgerungen bezogen sich ausschließlich auf die in Indien damals aufgetretene Beulenpest. Als Wirt dienen dem blutsaugenden Rattenfloh verschiedene Nagetiere, darunter auch die weit verbreiteten Wanderratten und die Hausratten sowie der Mensch. Die Ursprungswirte sind jedoch offensichtlich die in Ägypten beheimateten Nilgrasratten (Arvicanthis niloticus), von denen der Floh auf die Hausratten gewechselt haben soll.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Pest" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
 
 
  Stadtgeschichte Wiens
    Heeresgesch. Museum
    Steinzeit
    Bronzezeit
    Eisenzeit - Kelten
    Die Römer in Wien
    Carnuntum
    Völkerwanderung
    Wien im Mittelalter
    Schlacht am Marchfeld
    Neidhart Fresken
    Virgilkapelle
    Wiener Geserah
    1.Türkenbelagerung
    Der 30jährige Krieg
    2.Türkenbelagerung
    Pestepidemien
    Franzosenkriege
    Wiener Kongress
    Vormärz
    Hochwasser 1830
    Revolution 1848/49
    Solferino 1859
    Königgrätz 1866
    Seeschlacht v. Lissa
    Donaumonarchie
    Weltausstellung 1873
    Ringtheaterbrand 1881
    Die Belle Époque
    Erster Weltkrieg
    Erste Republik
    Das Rote Wien
    Justizpalastbrand 1927
    Bürgerkrieg 1934
    Anschluss 1938
    Judenverfolgung
    Groß Wien
    Widerstandsbewegung
    Kampf um Wien
    Nachkriegszeit
    ERP Marshallplan
    Staatsvertrag
    Gipfeltreffen 1961
    OPEC Überfall 1975
    Reichsbrückeneinsturz
    Gipfeltreffen 1979
    Austromir 1991
    Flüchtlingskrise 2015
    Silberstein-Affäre 2017
    Demografie Wien
    Historische Erdbeben
    Hist. Hochwässer
  Militär und Luftfahrt
    Die Deutschmeister
    k.u.k. Kriegsmarine
    Nordpolexpedition
    Flaktürme Augarten
    Patrouillenbootstaffel
    Österr. Luftstreitkräfte
    Luftfahrt Geschichte
    Austrian Airlines
    Flughafen Wr. Neustadt
    Flugfeld Aspern
    Alouette III
    Eurofighter EF2000
    Österr. Landstreitkräfte
  Wirtschaft und Technik
    Austromir 1991
    Techn. Museum
    Eisenbahn Geschichte
    Der "Blaue Blitz"
    Stadtbahn Wien
    Autoindustrie
    Marcus-Wagen
    Donauschifffahrt
  Die Belle Époque
    Wien um 1900
    Die Ringstraße
    Ringstraßenpalais
    Heinrichhof
    Café Prückel
    Café Schwarzenberg
    Café Landtmann
    Hotel Imperial
    Hotel Bristol
    Grand Hotel
    Kursalon Hübner
    Semmering
    Die Semmeringbahn
    Bad Gastein
    Die Tauernbahn
  Geschichte 2. Bezirk
 
 
 
 
 
Historischer Originalschauplatz
2000 Jahre Wiener Geschichte lebendig gemacht
ein Rundgang durch 1.300m2 Erlebnisfläche - humorvoll begleitet durch Tourguides - mit 5D Kino, Animatronic Shows, Musik und Spezialeffekten
Time Travel Vienna richtet sich an Menschen jedes Alters, an Einheimische und Touristen, an alle, die etwas über die Geschichte Wiens erfahren wollen. Die Shows dauern 50 Minuten, sind kompakt und spannend aufbereitet, humorvoll begleitet von Tourguides.
Habsburgergasse 10A, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 5321514
www.timetravel-vienna.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
© design by gaube 2016
design by gaube