Das Wiener Getto
Joseph Roth, Christian Brandstätter: Juden auf Wanderschaft
Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Die Praterstraße in der Wiener Leopoldstadt. Um 1900.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Die Ostjuden, die nach Wien kommen, siedeln sich in der Leopoldstadt an, dem zweiten der zwanzig Bezirke. Sie sind dort in der Nähe des Praters und des Nordbahnhofs. Im Prater können Hausierer leben - von Ansichtskarten für die Fremden und vom Mitleid, das den Frohsinn überall zu begleiten pflegt. Am Nordbahnhof sind sie alle angekommen, durch seine Hallen weht noch das Aroma der Heimat, und es ist das offene Tor zum Rückweg.

Die Leopoldstadt ist ein freiwilliges Getto. Viele Brücken verbinden sie mit den andern Bezirken der Stadt. Über diese Brücken gehen tagsüber die Händler, Hausierer, Börsenmakler, Geschäftsmacher, also alle unproduktiven Elemente des eingewanderten Ostjudentums. Aber über dieselben Brücken gehen in den Morgenstunden auch die Nachkommen derselben unproduktiven Elemente, die Söhne und Töchter der Händler, die in den Fabriken, Büros, Banken, Redaktionen und Werkstätten arbeiten
Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Massenquartier im Asyl in der
Kleinen Schiffgasse in der Wiener
Leopoldstadt. Photographie von
Hermann Drawe, 1904.
In den Quartieren des Elends:
Küche in einem Massenquartier in der
Wiener Leopoldstadt. Photographie
von Hermann Drawe, 1904.
Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H. Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Ein jüdischer Hausierer und ein
Dienstmann am Graben in Wien I.
Photographie von Emil Mayer.
Um 1910.
Auf dem Markt im Werd
(Karmelitermarkt) in der
Wiener Leopoldstadt.
1915.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Die Söhne und Töchter der Ostjuden sind produktiv. Mögen die Eltern schachern und hausieren. Die Jungen sind die begabtesten Anwälte, Mediziner, Bankbeamten, Journalisten, Schauspieler.

Die Leopoldstadt ist ein armer Bezirk. Es gibt kleine Wohnungen, in denen sechsköpfige Familien wohnen. Es gibt kleine Herbergen, in denen fünfzig, sechzig Leute auf dem Fußboden übernachten.
Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
"Bei der grünen Bettfrau": Ein Lager in der Binderau im Wiener Prater.
Photographie von Hermann Drawe, 1904.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Im Prater schlafen die Obdachlosen. In der Nähe der Bahnhöfe wohnen die Ärmsten aller Arbeiter. Die Ostjuden leben nicht besser als die christlichen Bewohner dieses Stadtteils. Sie haben viele Kinder, sie sind an Hygiene und Sauberkeit nicht gewöhnt, und sie sind gehasst.

Niemand nimmt sich ihrer an. Ihre Vettern und Glaubensgenossen, die im ersten Bezirk in den Redaktionen sitzen, sind "schon" Wiener und wollen nicht mit Ostjuden verwandt sein oder gar verwechselt werden. Die Christlichsozialen und Deutschnationalen haben den Antisemitismus als wichtigen Programmpunkt. Die Sozialdemokraten fürchten den Ruf einer "jüdischen Partei". Die Jüdischnationalen sind ziemlich machtlos. Außerdem ist die jüdisch-nationale Partei eine bürgerliche. Die große Masse der Ostjuden aber ist Proletariat.
Das Wiener Getto - Leopoldstadt © Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Alte Gettohäuser in der Tandelmarktgasse in der Wiener Leopoldstadt. Um 1900.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Die Ostjuden sind auf die Unterstützung durch die bürgerlichen Wohlfahrtsorganisationen angewiesen. Man ist geneigt, die jüdische Barmherzigkeit höher einzuschätzen, als sie verdient. Die jüdische Wohltätigkeit ist ebenso eine unvollkommene Einrichtung wie jede andere. Die Wohltätigkeit befriedigt in erster Linie die Wohltäter. In einem jüdischen Wohlfahrtsbüro wird der Ostjude von seinen Glaubensgenossen und sogar von seinen Landsleuten oft nicht besser behandelt als von Christen. Es ist furchtbar schwer ein Ostjude zu sein; es gibt kein schwereres Los als das eines fremden Ostjuden in Wien.
auszugsweise aus
Joseph Roth, Christian Brandstätter;
Juden auf Wanderschaft - Illustrierte Ausgabe
Der österreichische Dichter und Publizist Joseph Roth ist einer der wunderbarsten und bedeutendsten deutschsprachigen Erzähler des 20. Jahrhunderts. In seinem berühmtesten Essay »Juden auf Wanderschaft« von 1927 schildert er das Leben der Juden in Europa - ein Meisterwerk des literarischen Journalismus und ein Zeitdokument, das seinesgleichen sucht.
mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
 
 
 
 
 
Weg der Erinnerung
Der „Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt“ führt zu vielen für das frühere jüdische Leben in der Leopoldstadt bedeutsamen Orten und macht die Geschichte der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung sichtbar.
Der Erinnerungsweg ist ausschließlich im „öffentlichen Raum“ angelegt.
Er kann mit Hilfe des Folders und der Begleitpublikation auch ohne Begleitung begangen werden. Seit 2015 führt auch ein GPS-gesteuerter Multimedia-Guide zu den Steinen der Erinnerung. In Bild, Schrift und Ton erfährt man übers Smartphone oder Tablet die Geschichte der Personen, derer gedacht wird.

steinedererinnerung.net

 
 
Im Etablissement Nestroy-Säle, das sich im unteren Teil des Hauses befand, 1899 eröffnet wurde und ein bekanntes Wiener Vergnügungsetablissements war, gab es ein Wirtshaus, eine Bierhalle, ein Restaurant in Form eines Wintergartens und im Keller die Tanzbar Sphinx sowie einen Theatersaal
Die Abendkassa hat an den Vorstellungstagen
ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn für Sie geöffnet.
2003 wurde eine Zwischendecke entfernt und dabei ein unversehrtes, zentrales Auditorium und eine Theaterbalkon-Ebene für mehr als 250 Personen entdeckt. Zwischen 2004 und 2007 fanden in unregelmäßigen Abständen kulturelle Veranstaltungen statt.
Nestroyplatz 1, 1020 Wien
Telefon: +43 (0) 189 00 314
E-Mail: contact@hamakom.at
www.hamakom.at
 
 
Johann Strauss
Wohnung
W i e n   M u s e u m
Johann Strauß (1825 – 1899) war der erfolgreichste Spross der Walzerdynastie und als solcher zwangsläufig der härteste Konkurrent seines Vaters. Er lebte in der kurz zuvor zur mondän-eleganten Praterstraße ausgebauten ehemaligen Jägerzeile in den Jahren 1863 bis 1870.
Die wichtigste mit dem Haus Nr. 54 verbundene Komposition ist das als "inoffizielle österreichische Hymne" bezeichnete Opus 314, der Walzer "An der schönen blauen Donau".
Zu den zahlreichen Exponaten der Musikerwohnung gehört eine kostbare Amati-Geige, welche einem Zertifikat von 1911 zufolge aus dem Besitz des Walzerkönigs stammt.
Praterstraße 54, 1020 Wien
Telefon: +43 (0)1 214 01 2
E-Mail: office@wienmuseum.at 
www.wienmuseum.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
Klostergeschichten.at
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Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
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