Die zweite Türkenbelagerung
Wien 1683
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Entsatzschlacht von Wien 1683, Zeitgenössisches Gemälde (F. Greffels)
Seit dem Tode Süleymans des Prächtigen im Jahre 1566 übten die Großwesire im Reich die Macht aus. Die Sultane waren nur mehr am Palastleben und nicht am Kriegführen interessiert, dies brachte eine Destabilisierung der Staatsstruktur mit sich. Der Verfall des Reiches wurde im Westen allerdings nicht wahrgenommen.
Kaiser Leopold I. Papst Innozenz XI.
Nach der Einnahme Ungarns richteten die Osmanen dort 5 Paê alÏ ks ein um ihre Machtstellung zu sichern. Die Habsburger setzten Maßnahmen gegen die unmittelbare Bedrohung durch die Osmanen an der Reichsgrenze. Sie siedelten sogenannte "Wehrbauern" in Kroatien an und bauten Festungen im Grenzgebiet aus, die mit Söldnern besetzt wurden. Der ehrgeizige Großwesir Kara Mustafa Paê a, der der berühmten Familie der Köprülus sehr nahe stand, beschloss im Jahre 1682 einen Kriegszug gegen Kaiser Leopold I.
Karl V. Herzog von Lothringen Ernst Rüdiger von Starhemberg
Gemälde um 1683
Er wurde durch den ungarischen Magnaten Emmerich Graf Thököly, der von König Ludwig XIV mit Geld unterstützt wurde, in seinem Vorhaben bestärkt. Alle Friedensbemühungen der Habsburger schlugen fehl und daher schlossen die Österreicher einen Allianzvertrag mit Johann III Sobieski, König von Polen, um bei einer möglichen Offensive der Osmanen gewappnet zu sein. Papst Innozenz XI war wesentlich am Zustandekommen der österreich-polnischen Allianz beteiligt.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Türken vor Wien.
Filmbild aus "Der Tag der Belagerung – 11. September 1683"
(The Day of the Siege – September Eleven 1683) von Renzo Martinelli, 2012
© Martinelli Film Company International
Am 19. Oktober 1682 verließ eine Armee von 200.000 Mann mit 300 Geschützen Istanbul, überwinterte in Edirne und erreichte am 3. Mai 1683 Belgrad, wo Sultan Mehmed IV seinem Großwesir Kara Mustafa Paê a den Oberbefehl über das Heer übertrug. Dieser zog bis Stuhlweißenburg, wo eine Versammlung der Paê as abgehalten und Wien als Ziel dieses Feldzuges bekanntgegeben wurde.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Türkischer Plan der Belagerung Wiens, 1683
Die tatarische Vorhut, bestehend aus 40.000 Mann, überquerte die Raab und am 7. Juli kam es zu Gefechten bei Petronell. Am gleichen Tag verließ Kaiser Leopold I mit seiner Familie Wien und flüchtete nach Linz. Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg übernahm die militärische Führung in der Stadt.
Die Bevölkerung aus dem Wiener Umland flieht in die befestigte Stadt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Nach der ersten Türkenbelagerung des Jahres 1529 ließ Kaiser Ferdinand I die veralteten Befestigungsanlagen Wiens ausbauen. Die moderne Anlage umfasste 12 durch Wälle (Kurtinen) verbundene Bastionen. Vor den Kurtinen befanden sich V-förmige Ravelins (von den Wienern Schanzl genannt) und das Glacis, welches der Verteidigung ein freies Schussfeld ermöglichte.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Türkische Reiter.
Filmbild aus "Der Tag der Belagerung – 11. September 1683"
(The Day of the Siege – September Eleven 1683) von Renzo Martinelli, 2012
© Martinelli Film Company International
Den Wienern standen 16.000 Soldaten zur Verfügung und die Kavallerie Herzog Karls V von Lothringen stand auf dem linken Donauufer bereit. Tataren drangen bis ins Alpenvorland (Lilienfeld, Melk und Schottwien) vor, indem sie befestigte Orte umgingen. Sie plünderten und verwüsteten weite Landstriche, was sich für die Versorgung der osmanischen Truppen als Nachteil erwies.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Türken terrorisieren die Bevölkerung rund um Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 1. Juli trafen die Türken bei Raab ein. Tata, Neutra, Veszprém und Pápa ergaben sich den Türken. In Wien ergriff Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg die ersten Maßnahmen für die Verteidigung und ließ die Stadtmauern instand setzen. Raab sollte die türkischen Truppen aufhalten und zermürben, aber Herzog Karl V. ließ nur eine verstärkte Besatzung in Raab und setzte sich mit seinen Truppen Richtung Wien ab. Die Türken folgten ihm. Schon am 4. Juli standen die Türken an der österreichischen Grenze. Drei Tage darauf ritten 40.000 Krimtataren, sämtlichen Verteidigern im Land um Wien zahlenmäßig um das Doppelte überlegen, in das 40 Kilometer östlich gelegene Petronell. Die Verbindung von Wien nach Wiener Neustadt war bereits durch die Tataren unterbrochen.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Türken terrorisieren die Bevölkerung rund um Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 In Hainburg spielten sich inzwischen dramatische Szenen ab. Am 11. Juli eroberten die Türken nach 3 Tagen Belagerung die Stadt und brannten sie nieder. 8.000 Menschen kamen durch eine Massenpanik ums Leben. Nicht viel anders erging es den Orten Baden, Schwechat, Inzersdorf und der Favorita bei Wien. Sie wurden in den folgenden Tagen eingenommen und zerstört. Die Bevölkerung von Perchtoldsdorf wurde ebenso massakriert und der Ort niedergebrannt, wie in Mödling, wo die Bewohner, die in die St.Othmarkirche flüchteten, umgebracht wurden. In Bruck wurde die Vorstadt von den Bewohnern selbst in Brand gesteckt. Nach vorheriger Weigerung einer Übergabe der Stadt, kapitulierten sie ebenso, wie bereits vorher Eisenstadt und Ödenburg. Die Stadt musste Kontributionen leisten, unter anderem 50 Wagen Gerste und Mehl für das Lager vor Wien. Am 14. Juli plünderten und verbrannten die Türken das Stift Heiligenkreuz.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Darstellung der Minen- und Laufgräben vor den Basteien.
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz. Am 15. Juli forderten die OsmanenGraf Starhemberg zur Übergabe der Stadt auf. Als dieser ablehnte, begann der Belagerungskrieg. Kara Mustafa konzentrierte seine Kräfte an der Burg- und Löwelbastei und dem dazwischen liegenden Burgravelin.
Beschuss der osmanischen Belagerungswerke aus der Stadt.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Der Großwesir ließ Laufgräben ausheben mit deren Hilfe die Türken das Glacis geschützt überwinden konnten. Die türkische Artillerie feuerte unaufhörlich und die 310 Geschütze der Wiener schossen zurück, während die ersten Minen an der Burgkurtine explodierten.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Türkische Standarte (Sandschak)

Rote und grüne Seide, um 1683

Das Mittelfeld dieses vor Wien im Jahre
1683 erbeuteten osmanischen Feldzei-
chens enthält den Kernsatz des islami-
schen Glaubensbekenntnisses: "Es ist
kein Gott außer Allah und Mohammed
ist sein Prophet". Die Randborte zeigt die
Verse 1 und 6 der 48. (=Sieges-) Sure
des Korans.

© Heeresgeschichtliches Museum Wien
Schon am Tag des Eintreffens der Türken schlugen in Wien die ersten Geschützkugeln ein. Die Wiener wurden von der Feuergefahr der Granaten und Bomben überrascht. Am Schottenhof brach ein Feuer aus, das bald wieder gelöscht werden konnte. Die Bevölkerung lynchte daraufhin zwei mutmaßliche Brandstifter. Graf Starhemberg gab den Befehl, alle Schindel- und Holzdächer abzudecken, um die Brandgefahr herabzusetzen, und setzte eine eigene Kompanie zur Brandbekämpfung ein. Das Komödienhaus zwischen Burg und Augustinerkloster wurde aufgrund seiner vielen Holzaufbauten sofort vollständig abgetragen.
 Kampf gegen die Osmanen in den Vorstädten.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Es wurde durch Absägen der Säulen zum Einsturz gebracht und das Holz für die Palisaden und Schanztätigkeiten verwendet. Feuer war ab nun eine latente Bedrohung, denn schon wenige Tage später, am 19. Juli, verursachte eine Bombe, die im Buchheimschen Saal bei der Löwelbastei, dem Quartier des spanischen Botschafters, einschlug, ein großes Feuer und drohte auf die angrenzenden Stallungen überzugreifen. Die dafür aufgestellte Kompanie löschte den Brand sehr schnell.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Eine Schneise in der Wiener Stadtmauer.
Filmbild aus "Der Tag der Belagerung – 11. September 1683"
(The Day of the Siege – September Eleven 1683) von Renzo Martinelli, 2012
© Martinelli Film Company International
Ab dem 20. Juli begannen sich die Türken tiefer in die Erde einzugraben. Man holte Bauholz aus Schönbrunn und begann, in jedem Abschnitt eine Mine gegen die Palisaden zu graben. Am 23. Juli kam es zur ersten Minensprengung der Türken vor dem Abschnitt des Ravelin und der Burgbastei. Ein Angriff der Türken auf die Palisaden wurde unter großen Verlusten beiderseits großteils abgewehrt. In der Stadt wurde jeder Hausbesitzer dazu verpflichtet, einen Mann abzustellen, der im Keller horchte, ob gegraben oder geklopft wird. Das Schlechtwetter tags darauf gab den Belagerten einen Tag Pause. Aber am folgenden 25. Juli ging der Minenkampf weiter. Die Türken ließen eine Mine vor der Löwelbastei hochgehen und sprengten einen Teil der Palisaden weg. Meter für Meter rückten sie näher. Am folgenden Tag sprengten die Wiener die erste Mine unter den Schanzen der Türken. Die Wirkung war gering und schlug teilweise nach hinten aus.
 Artilleriestellung der türkischen Belagerer.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 28. Juli wurden vor dem Ravelin die nächsten Minen der Türken gesprengt. Die Palisaden, der gedeckte Weg und die Kontereskarpe wurden in einer Breite von sieben Metern gesprengt und in den Graben geworfen. Ein Ausfall der Wiener ermöglichte die Befestigung des eingestürzten Teiles der Kontereskarpe. Es gab hohe Verluste für die Wiener, unter ihnen wurde auch Georg Rimpler verwundet. Er starb eine Woche später zwischen dem 2. und 3. August.
 Türkische Laufgräben und Artillerie.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Vor der Burgbastei sprengten die Türken und die Wiener am 30. Juli je eine Mine, die die Laufgräben und den gedeckten Weg auf der Kontereskarpe beschädigten. Nach einem Angriff der Türken und Gegenangriff der Wiener zogen sich letztere von den eigenen Laufgräben auf den instandgesetzten gedeckten Weg zurück. Vor dem Ravelin stürmen die Türken bis vor die Palisaden der Wiener. Vor der Löwelbastei wurden 5 Kolumbrinegeschütze und 25 Sahigeschütze durch die Laufgräben nach vorne gezogen und in Stellung gebracht. Diese zerschossen am 31. Juli den Kavalier der Löwelbastei, die „Katze“. Die Geschütze darin wurden zerstört oder aus der Katze herausgeholt. In den Resten der Katze wurden Schießscharten gebrochen. Die Brustwehr der Bastei wurde etwas abgetragen, um ein besseres Schussfeld gegen die eingegrabenen Türken zu haben. Die Laufgräben waren an manchen Stellen so nah, dass es zu Nahkämpfen kam. In Wien herrschten Nahrungsmittelknappheit und die Ruhr und es gab nur noch 4.000 kampfbereite Männer zur Verteidigung, Graf Starhemberg traf Vorbereitungen für einen Häuserkampf und die erschöpfte Wiener Bevölkerung hoffte auf ein baldiges Eintreffen des Entsatzheeres.
Die Schlacht am Kahlenberg.
© Heeresgeschichtliches Museum Wien
Am 15. August marschierte der polnische König Johann Sobieski mit seiner Armee von Krakau aus Richtung Wien. Die Donau konnte ungestört überquert werden, da Karl von Lothringen zuvor Thökölys Truppen und ein türkisches Hilfskorps beim Bisamberg geschlagen hatte. Sobieski vereinte sich mit den Truppen der Sachsen, den Kaiserlichen, den Bayern und den fränkisch-swäbischen Reichstruppen bei Tulln. Das 70.000 Mann starke Entsatzheer erreichte am 11. September 1683 den nördlichen Ausläufer des Wienerwaldes, bildete die Schlachtordnung und stand am 12. September am Kahlenberg.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Osmanisches Staatszelt

Anf. 18. Jahrhundert; davor der Mörser von Belgrad. Die beiden erhaltenen osmanischen Zelte (osm.-türkisch: čadır, persisch: hayme) des Heeresgeschichtlichen Museums bieten dem Besucher einen guten Einblick in die Geschicklichkeit des osmanischen Kunsthandwerks und in die Tradition der Zeltkunst.

© Heeresgeschichtliches Museum
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Das Rundzelt (ca. 7 x 12,60 m) zeugt anhand seiner innerlichen Ausstattung als Besitz einer ranghohen Person. Die Zeltwände sind aus rotem Stoff gearbeitet worauf ein flächendeckendes Muster aus Seidenfäden genäht wurde. Innerhalb der Säulenbögen stehen Vasen mit einer Vielzahl von verschiedenen Blumen. Oberhalb der Zeltwände wurde eine ähnliche Motivik verwendet. Besonders ist nicht nur die Verwendung von Seide, und an manchen Stellen sogar die Einarbeitung von vergoldetem Leder, sondern auch die Verarbeitung der dickeren Umrandungsnaht. Diese wurde noch zusätzlich von Seidenfäden überdeckt. Das runde Prunkzelt ist anhand seiner erhaltenen Größe und technischen Ausführung einzigartig und findet in Europa nicht seinesgleichen.
© Heeresgeschichtliches Museum Wien
Großwesir Kara Mustafa hatte es verabsäumt Infanterieeinheiten im Wienerwald zu stationieren. Obwohl er wusste, dass das Entsatzheer nahte, hatte er wahrscheinlich zu wenig einsatzfähige Soldaten zur Verfügung. Vermutlich wollte er in den Verschanzungen bei Nußdorf und Heiligenstadt einen Abwehrkampf führen.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Angriff der Türken auf eine Schneise in der Wiener Stadtmauer.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Burgbastei (der linke Flügel der Verteidiger, der rechte Flügel der Angreifer) war ein regelmäßiges Viereck mit je neun Kanonen, aber sie verfügte über keine Minenanlage. Hinter der Burgbastei befand sich der Kavalier, die Spanierbastei, eine überhöhte Artilleriefestung. Die Löwelbastei (der rechte Flügel der Verteidiger, der linke Flügel der Angreifer) war kleiner als die Burgbastei, und dahinter nahm der Kavalier, genannt die „Katze“, nochmals Platz weg.
Ausfall der Wiener Verteidiger.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Die über 200 Meter lange Stadtmauer zwischen den Basteien war zu lang für einen wirksamen Kartätscheneinsatz. Dazu kam, dass der Ravelin etwas zu weit in den Graben vorgeschoben und etwas zu hoch gebaut war, so dass der Artilleriebeschuss im Graben hinter dem Ravelin von den Basteien nur eingeschränkt möglich war. Die ersten Häuser der Vorstadt waren nur 200 Meter von der Stadtmauer entfernt, außerdem konnte das Glacis in den letzten Tagen vor der Belagerung nicht mehr eingeebnet werden.
Angriff der Wiener auf eine Mine unter der Burgbastei.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Im Minenkrieg um Wien waren die Osmanen mit 5000 Mineuren eindeutig im Vorteil. Sie hatten nicht nur mehr Material und Personal, sondern auch mehr Erfahrung im Minenkrieg. 1682, nach Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen Kaiser Leopold I. und den Osmanen, warb der Kaiser den Festungsbaumeister Georg Rimpler an und stellte ihn als Ingenieur und Oberstleutnant in den Dienst.
Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Georg Rimpler verstärkte die Kontereskarpe, baute zwischen dem Ravelin und den Basteien Kaponniere, und hinter ihnen an der Kehle zwischen Kurtine und Bastei wurde der Niederwall angelegt. Er ließ Palisaden vor dem Gedeckten Weg aufstellen und empfahl das Ausheben einer Künette im Graben. Er erkannte richtig, dass zwischen Burg- und Löwelbastei der Hauptangriff der Osmanen stattfinden sollte. Er stellte Bergleute aus Tirol, Niederländer und Lothringer zu diesem schwierigen Dienst ein, und auch Frauen wurden anfangs eingesetzt.
 Bischof Kollonitsch im Türkenlager vor Wien 1683.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Leopold Karl von Kollonitsch war der Sohn des Grafen Ernst von Kollonitsch, des Befehlshabers der Festung Komorn. Er nahm 1651 als Kandidat des Malteserordens bei der Verteidigung von Kandia (Kreta) gegen die Türken und 1655 bei den Kämpfen in den Dardanellen teil. Als Malteserritter war er ab 1658 Prior der Ordensniederlassungen der Kommende Mailberg und später von Eger in Böhmen.
1670 wurde er Bischof von Wiener Neustadt. Bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1683 begab er sich in die belagerte Stadt, sorgte für die Besoldung der Truppen und richtete in Klöstern Notspitäler ein.
Angriff vom Kahlenberg gegen die Osmanen.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Nach der Befreiung Wiens am 12. September durch die Schlacht am Kahlenberg organisierte er die Betreuung von etwa 500 Waisenkindern auf Schloss Mailberg, deren Eltern bei der Zerstörung der Vorstädte ums Leben gekommen waren. In den Folgejahren gründete er hinter den nach Osten vorrückenden Truppen die ersten Militärspitäler. Dadurch erfreute er sich bei der Wiener Bevölkerung großer Beliebtheit.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Polnische Husaren der Sobieski-Truppen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 beendete die Zweite Wiener Türkenbelagerung. Ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski schlug die osmanische Armee. Die Niederlage bedeutete den Anfang vom Ende der türkischen Hegemonialpolitik. Auf christlicher Seite kämpften die vereinigte Infanterie und Artillerie der Allianz aus Österreich, Sachsen, Bayern, Baden und des Kirchenstaats, sowie das polnische Reiterheer. Ihr gegenüber stand das Wien belagernde osmanische Heer.
Johann III. Sobieski führt den Angriff des Entsatzheeres gegen die Osmanen.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Der in polnischen Diensten stehende französische Ingenieur Dupont
notierte in seinem Tagebuch folgendes:
"Großer Gott! Welch ein Schauspiel bot sich unseren Augen vom Scheitel dieses Berges (heutiger Kahlen-, damals Schweinsberg) dar! Der ungeheure Raum von prächtigsten Zelten übersät, denn auch die Insel Leopoldstadt ist damit bedeckt. Das fürchterliche Gedonner aus den Feuerschlünden der feindlichen Batterien und die erwidernden Schüsse von den Stadtmauern erfüllen die Lüfte. Rauch und Flammen verhüllten die Stadt dergestalt, dass nur die Spitzen der Türme dazwischen sichtbar waren. Überdies aber breiteten sich 200.000 Osmanen in Schlachtordnung vor ihrem Lager in der Strecke von der Donau bis an die Gebirge aus, und weiter links von den Türken zogen ungezählte Tatarenhorden gegen die Höhen und Waldungen heran, ihrer Sitte gemäß in Haufen und Unordnung. All dies war in voller Bewegung und rückte gegen das christliche Heer vor."
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Türkische Reiter.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Das Gefecht kam für die Belagerer unter dem Oberbefehl von Kara Mustafa nicht unerwartet, da dieser beispielsweise am 4. September von einem Gefangenen über das Herannahen der Entsatzarmee und ihre Stärke unterrichtet worden war. Völlig auf die Einnahme der Stadt konzentriert, hatte es der Großwesir zum einen versäumt, das Donauufer wirksam überwachen zu lassen und so dem Entsatzheer schon die Überquerung des Flusses unmöglich zu machen oder zumindest zu erschweren.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Das polnische Entsatzheer naht.
Filmbild aus "Der Tag der Belagerung – 11. September 1683"
(The Day of the Siege – September Eleven 1683) von Renzo Martinelli, 2012
© Martinelli Film Company International
Zum anderen wurden auch die Höhen des Wienerwaldes nicht befestigt, um dem Entsatzheer auf diese Weise den Anmarsch auf die Stadt zu blockieren. Vom nicht abgesicherten Kahlenberg (heute Leopoldsberg) stießen die verbündeten polnisch-deutschen Fußtruppen so in den Rücken der Osmanen, die die Stadt einzunehmen versuchten. Die osmanischen Kriegsherren konnten sich über die Taktik in dieser Schlacht mit zwei Fronten nicht einigen. Herzog Karl V. von Lothringen zerschlug den schwachen rechten Flügel der Osmanen.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Belagerung und Entsatz der Stadt Wien 1683
Gemälde vor 1689
Das Entsatzheer, das vom Kahlenberg herabzieht, wird vom polnischen
König Johann III. Sobieski (im Vordergrund) angeführt.
Die Osmanen verlassen fluchtartig ihre Stellungen.
© Heeresgeschichtliches Museum Wien
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab die Elitetruppen der Sipahi und Janitscharen bezwang und ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet, die Osmanen flohen in wildem Durcheinander.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Angriff des Entsatzheeres auf das Lager der Türken.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Erst jenseits der Schwechat, ca. 10 km von Wien entfernt, gelang es Kara Mustafa, einen Teil seiner Truppen zu sammeln und nach Győr (Ungarn) zurückzuführen. Die Verteidigungslinie der Türken konnte durchbrochen werden und besonders die Polen lieferten sich heftige Gefechte mit den Tataren bei Dornbach und am Schafberg. Nachdem der Truppenkern der Osmanen aufgerieben worden war, ergriffen die Türken überstürzt die Flucht. Sie sammelten sich bei Raab und zogen nach Belgrad ab, wo Kara Mustafa am 25. Dezember auf Befehl des Sultans erdrosselt wurde.
Leopold I. betritt nach der Schlacht das Zelt des Großwesirs.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
Das Reich der Habsburger brauchte lange Zeit um sich von der Verwüstung Niederösterreichs und dem Menschenraub durch die Türken zu erholen. Dennoch wurde durch diesen Sieg der Christen die schrittweise Zurückdrängung des osmanischen Machtbereichs in Europa eingeleitet.
Kara Mustafa Pascha
Großwesir Kara Mustafa Pascha.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Kara Mustafa Pascha (* 1634/35 in Marınca bei Merzifon, Eyâlet Sivas; † 25. Dezember 1683 in Belgrad) war unter der Regentschaft des Sultans Mehmed IV. Großwesir des Osmanischen Reiches und Oberbefehlshaber bei der Zweiten Belagerung Wiens zu Beginn des Großen Türkenkrieges. Kara Mustafa war ein Sohn des Sipahi Oruç Bey. Nach dem Tod seines Vaters wurde er Schützling des Großwesirs Mehmed Köprülü Pascha, wuchs zusammen mit Mehmeds Sohn Ahmed Köprülü auf und heiratete dessen Schwester. Er wurde am 22. Februar 1660 Beylerbey (Provinzgouverneur), ein Jahr danach Wesir. Unter seinem Schwager, dem Großwesir Ahmed Köprülü Pascha wurde er am 23. Dezember 1661 Kapudan Pascha (Großadmiral) der türkischen Flotte. Im April 1663 wurde er für mehrere Jahre Kaymakam (Stellvertreter des Großwesirs) und nach dem Tode Ahmed Köprülüs am 6. November 1676 selbst Großwesir.
Großwesir Kara Mustafa Pascha.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
1668 kommandierte er bei der Belagerung der von den Venezianern besetzten Stadt Candia auf der Insel Kreta einen Teil der Truppen. Gegen Polen-Litauen führte er 1672 im Gefolge des Sultans erfolgreich einen Feldzug an, der 1676 im Waffenstillstand von Żurawno die territorialen Annexionen der Osmanen aus dem Präliminarfrieden von Buczacz endgültig bestätigte. Der Krieg (1676–1681) im Gebiet der Saporogerkosaken in der Ukraine gegen die prorussischen Kosaken aus dem Hetmanat (linksufrige Ukraine, ein Gebiet östlich des Dnepr) und das Zarentum Russland verlief letztlich erfolglos, obwohl Kara Mustafa einen militärischen Erfolg erzielen konnte. Bei der Belagerung der Kosakenstadt Tschyhyryn 1678 nahm er die Stadt ein und wehrte gleichzeitig ein Entsatzheer unter dem russischen Fürsten Grigori Romodanowski ab. Dies glaubte er vor Wien wiederholen zu können. Der weitere Vorstoß nach Norden war hingegen ein Fehlschlag.
Der Steigbügel von Kara Mustafa im Krakauer Dom.
© Anna Ziemlewska / www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at
1678 erhoben sich die Ungarn unter dem Magnaten Imre Thököly im Kuruzenaufstand gegen die Herrschaft der Habsburger und ersuchten die Osmanen um Hilfe. Kara Mustafa sagte seine Unterstützung zu. Er hoffte, die Gebiete des Königreichs Ungarn, die 1526 an die Habsburger gegangen waren, zu erobern und eventuell dort als Lokalherrscher regieren zu können. Nach der schnellen Eroberung Ungarns setzte er sich die Einnahme der habsburgischen Hauptstadt Wien zum Ziel - ohne die Genehmigung des Sultans. Nachdem die türkischen Truppen das Burgenland und Niederösterreich überrannt hatten, begann er mit der Belagerung und Erstürmung der Stadt. Er versäumte es jedoch, genügend schwere Geschütze zum Beschießen der gut ausgebauten Stadtbefestigungen mitzunehmen.
Huldigung Kara Mustafas durch Türken und Tataren während der Belagerung Wiens.
Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose
 Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre. Die Drucke wurden von
Romeyn de Hooghe nach Zeichnungen des Antwerpener Malers Jacobus Peeters gefertigt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - www.historic-maps.de
So konnten die Verteidiger unter dem Oberkommando von Ernst Rüdiger von Starhemberg die Stadt bis zum Eintreffen des polnisch-deutschen Entsatzheeres unter dem polnischen König Jan III. Sobieski und Karl von Lothringen halten. Kara Mustafa versuchte nicht, der Entsatzarmee den Weg über die Donau zu verlegen, und er versäumte es auch, rechtzeitig den Kahlenberg zu besetzen. So konnte das Entsatzheer von dort aus die Belagerungstruppen angreifen und in die Flucht schlagen. Damit wurde sein ehrgeiziger Plan vereitelt - teilweise durch seine eigenen taktischen Fehler.
Kara Mustafa in seinem Zelt bei der Belagerung Wiens 1683.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 25. Dezember 1683 (nach dem islamischen Kalender der 6. Muharram des Jahres 1095 nach der Hidschra) wurde Kara Mustafa in Belgrad wegen der verlorenen Schlacht am Kahlenberg auf Befehl Sultan Mehmeds IV. mit einer Seidenschnur erdrosselt. Kara Mustafas Schützling und Kaymakam, Kara Ibrahim Pascha, unterstützt vom obersten Haremswächter, dem schwarzen Eunuchen Jusuf Ağa und von Sarı („der Gelbe“) Süleyman Ağa, dem İmrahor (Großstallmeister), intrigierte erfolgreich beim Sultan, um ihn zu stürzen und sein Amt als Großwesir einzunehmen.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Die Erdrosselung Kara Mustafas in Belgrad am 25. 12. 1683. Stich von A. Thelott.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Der Zeremonienmeister der hohen Pforte (seine Person ist historisch nicht einwandfrei fassbar, doch wird vermutet, dass es sich um jenen Ahmed handelt, dessen Sohn Mehmed den Beinamen Teşrifatizade, auf Deutsch „Sohn des Zeremonienmeisters“, trug) schreibt in seinem Tagebuch der Belagerung:

„Der Großwesir Mustafa Pascha hatte bereits den Gebetsteppich für das Mittagsgebet ausbreiten lassen, […] als er da den Janitscharen-Agha und hinter ihm den Oberstkämmerer und den Hofmarschall herankommen sah, […] ‚Was gibt’s?‘, fragte der Großwesir und der Oberstkämmerer antwortete: ‚Unser erlauchter Padischah fordert dir das dir anvertraute Reichssiegel und die Heilige Fahne und den Schlüssel zur Kaaba ab.‘ […]

Dann fragte er: ‚Ist mir der Tod bestimmt?‘ – ‚Gewiß, es muß sein!‘, antwortete der Oberstkämmerer. […] Und da nun die Henker hereinkamen und ihre Stricke bereit machten, hob er mit eigenen Händen seinen Vollbart hoch und fügte sich dem Verhängnis mit den Worten: ‚Legt mir die Schlinge auch richtig an!‘ Die Henker legten ihm die Schlinge um, zogen zweimal oder dreimal zu und dann hatte er seinen Geist aufgegeben.“


Kara Mustafas Wunsch, dass sein Leichnam mit Staub besudelt sei und er als Märtyrer sterben könne, wurde stattgegeben. Dazu wurde sein Gebetsteppich entfernt und der Strangulierte konnte auf den staubigen Boden fallen. Der Leichnam wurde entkleidet und gewaschen. Der Schädel wurde abgehäutet und die ausgestopfte Kopf- und Gesichtshaut wurde dem Sultan als Nachweis nach Edirne gesandt und dort anschließend beerdigt[6]. Rumpf und Schädel (Cranium) erhielten ihr Grab in Belgrad. Dieses Grab ist verschollen.
Flugblatt mit Spottschrift auf
Kara Mustafa um 1683.
Der Schädel Kara Mustafas
aus dem Wien Museum
Laut einem Echtheitszertifikat („Authentik“) des Wiener Kardinals Leopold Karl Graf Kollonitsch von 1696 entnahmen Grabräuber den Schädel Kara Mustafas der Grablege, die sich im Außenbereich einer 1688 in eine Kirche umgewandelten Moschee befand. Kollonitsch beglaubigte, der Schädel sei in die Hände der die Kirche betreuenden Jesuiten geraten und von ihnen nach Wien an ihn gesandt worden. Kollonitsch übergab den Schädel dem Bürgerlichen Zeughaus, für das er das Echtheitszertifikat von 1696 ausstellte. Vom Zeughaus gelangte der Schädel in das Historische Museum der Stadt Wien (heute Wien Museum).
Ob dieser Schädel aus dem Wien Museum tatsächlich aus Belgrad stammte und Kara Mustafa angehören konnte, lässt sich allerdings weder belegen noch widerlegen.
Prinz Eugen von Savoyen-Carignan
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Reiterbildnis Prinz Eugen von Savoyen-Carignan.
Jacob van Schuppen, vor 1721.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Eugen Franz, Prinz von Savoyen-Carignan (fr: François-Eugène de Savoie-Carignan, it: Eugenio di Savoia-Carignano; * 18. Oktober 1663 in Paris; † 21. April 1736 in Wien), unter dem Namen Prinz Eugen bekannt, war einer der bedeutendsten Feldherren des Habsburgerreiches, dessen Stellung als Großmacht er wesentlich ausbaute. Er war ab 1697 Oberbefehlshaber im Großen Türkenkrieg. Neben dem Herzog von Marlborough war er während des Spanischen Erbfolgekrieges Oberkommandierender der antifranzösischen Koalition. Nach der Wiederaufnahme des Krieges gegen die Osmanen (1714–1718) sicherte er die österreichische Vorherrschaft in Südosteuropa. Daneben war er lange Hofkriegsratspräsident sowie als Diplomat tätig und übte weitere hohe Staatsämter aus. Er war als Bauherr und Kunstsammler einer der bedeutendsten Mäzene seiner Zeit.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Prinz Eugen von Savoyen-Carignan.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Eugen gehörte dem europäischen Hochadel an. Seine Familie besaß Verbindungen zu den spanischen und österreichischen Habsburgern genauso wie zu den französischen Bourbonen und den deutschen Häusern Wittelsbach und Baden-Baden. Von diesen grenzüberspannenden verwandtschaftlichen Beziehungen profitierte Eugen vor allem zu Beginn seiner militärischen Karriere. Bei der Wahl seiner Dienstherren achtete er nicht darauf, in welchem Land er Dienst tun wollte – eine Einstellung, die keine Besonderheit für den europäischen Adel der Frühen Neuzeit war.
Weil er auf eine erfolgreiche militärische Laufbahn hoffte, bot er seine Dienste dem Haus Österreich an, obwohl er dem Haus Savoyen-Carignan entstammte, einer in Frankreich ansässigen Nebenlinie des in Italien souverän herrschenden savoyischen Herzogsgeschlechtes. Eugen vertrat zeit seines Lebens treu die Interessen seines österreichischen Dienstherrn, war aber dennoch stolz auf seine franco-italienische Herkunft, wie seine Unterschrift erkennen lässt: Sie bestand aus dem italienischen Eugenio, dem deutschen von und dem französischen Savoy oder Savoye.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Prinz Eugen von Savoyen-Carignan.
Linkes Bild: Kürass des Prinzen Eugen im Heeresgeschichtlichen Museum.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Immerhin wurden maßgebliche Kreise auf ihn aufmerksam, und der Hofkriegsratspräsident Ernst Rüdiger von Starhemberg empfahl ihn 1697 für den Oberbefehl im noch immer andauernden Großen Türkenkrieg. 1697 wurde er zunächst Stellvertreter des Oberbefehlshabers in Ungarn. Seit dem 5. Juli 1697 befehligte Eugen als Oberbefehlshaber den habsburgischen Gegenstoß in Ungarn. Er reorganisierte die Truppen und stellte ihre zurückgegangene Kampfkraft wieder her.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Prinz Eugen von Savoyen-Carignan. Im linken Bild "Prinz Eugen als Türkensieger"
von Jacob van Schuppen entstand 1718. Van Schuppen war von 1716 bis 1726 Direktor
der k. k. Hofakademie der Maler, Bildhauer und Baukunst.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Seinen Ruf als Feldherr begründete der entscheidende Sieg in der Schlacht bei Zenta (in der Vojvodina) am 11. September 1697, wo er die Hauptmacht des osmanischen Heeres bei einem Flussübergang vernichten konnte. Unmittelbar danach nahm er Sarajevo ein, wobei die Stadt durch Brand fast völlig zerstört wurde. Die unmittelbare Folge war der Friede von Karlowitz 1699, bei dem Österreich Türkisch-Ungarn, Siebenbürgen und Slawonien erwarb und so den Status als Großmacht festigte.
Der Mörser von Belgrad.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Auf sein Drängen wurde der Krieg gegen die Türken wieder aufgenommen. Er kämpfte 1716 bis 1718 im Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg. Dabei ging es vor allem darum, die Macht Habsburgs in Südosteuropa zu sichern. Eugen errang den Sieg von Peterwardein und eroberte mit seinen Truppen die Festung Belgrad am 22. August 1717, indem er nicht wie erwartet vom Land, sondern mittels einer Pontonbrücke vom Wasser aus angriff. Dieser Sieg ist im Lied vom Prinzen Eugen (auch bekannt als Prinz Eugen, der edle Ritter) verewigt. Der anschließende Frieden von Passarowitz (1718) vergrößerte Österreich um das nördliche Serbien, das Banat und die westliche Walachei. 1719 führte er einen erfolglosen Feldzug in Sizilien. Eugen stand auf dem Höhepunkt seines Ansehens, und Friedrich der Große hat ihn später als den eigentlichen Kaiser bezeichnet.
Letzte Ruhestätte Prinz Eugens in der Kreuzkapelle im Wiener Stephansdom.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Als er am 21. April 1736 an Lungenentzündung starb, fiel sein Vermögen an seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen (1683–1763), weil er kein Testament gemacht hatte. Sein Besitz bestand aus teuer eingerichteten Schlössern, Ländereien, Bar- und Bankvermögen sowie Kunstsammlungen und einem Zoo mit Tieren aus der ganzen Welt im Wert von 1,8 Millionen Gulden. Zur letzten Ruhe liegt Prinz Eugen in einer eigenen Kapelle im Wiener Stephansdom, die nach ihm benannt ist, aber auch Kreuz- oder Tirnakapelle heißt. Das Marmorgrabmal ließ 1752 die Gattin seines Neffen, Maria Theresia Anna Felicitas Herzogin von Savoyen-Carignano, geb. Prinzessin Liechtenstein, errichten. Ausführende Künstler waren Joseph Wurschbauer als Bildhauer und Goldschmied sowie als Steinmetz Gabriel Steinböck.
Inschrift auf dem Grabmal im Stephansdom zu Wien:
„Christus ist Anfang und Ende. Für Eugenius, den überaus siegreichen Feldherrn, den uns Gott zur Bewahrung der Christenheit zugestanden hat, als Hofkavalier und mit der Leitung des Kriegswesens beauftragt, Gesandter in Deutschland, Statthalter in Italien, dort wie da äußerst erfolgreicher Heerführer, dessen †(...)† fürwahr, die in dieser heiligen Basilika mit höchster Ehre gefeiert wurden, durch dieses großartige Grabmal einige Dauer erlangen werden.“
Sein Herz wurde in der Grabkirche des Königshauses Savoyen, der Basilica di Superga, in Turin bestattet.
Johann III. Sobieski
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Johann III. Sobieski.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Johann III. Sobieski (polnisch Jan III Sobieski, litauisch Jonas Sobieskis; * 17. August 1629 in Olesko, heute Oblast Lwiw, Ukraine; † 17. Juni 1696 in Wilanów) war ein polnischer Aristokrat, Staatsmann, Großhetman und ab 1674, als König von Polen und Großfürst von Litauen, der gewählte Herrscher des Staates Polen-Litauen aus dem Adelsgeschlecht der Sobieskis. Er gilt als der Retter Wiens während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung, da er bei der Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 mit seiner Hussaria, als Oberbefehlshaber der Katholischen Liga, den entscheidenden Angriff gegen die Türken führte.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Johann III. Sobieski.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Im Osmanisch-Polnischen Krieg 1672–1676 eroberte das Osmanische Reich das polnische Podolien mit der Hauptfeste Kamieniec Podolski. Diese Eroberung wurde durch König Michaels I. Emissäre im Vorfrieden von Butschatsch 1672 anerkannt. Da der polnische Reichstag den Vertrag nicht ratifizierte, setzte sich der Krieg im nächsten Jahr fort. Sobieski stellte das türkische Heer des Großwesirs Köprülü Fazıl Ahmed bei der Festung Chotyn und schlug es durch einen Überraschungsangriff der Hussaria am 11. November 1673 vernichtend in die Flucht.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Johann III. Sobieski.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 21. Mai 1674 wurde er nach dem Tode des Königs Michaels I. auf den polnischen Thron gewählt. Zur Königskrone verhalfen ihm auch seine profranzösische Haltung und die von seiner Ehegattin gesponnenen Allianzen mit dem französischen Königshof. Nach wechselvollen Kämpfen gegen das Osmanische Reich schloss er 1676 den günstigen Vertrag von Żurawno ab. Als Reaktion auf die osmanischen Kriegsvorbereitungen und auf Drängen von Papst Innozenz XI. ging Johann III. am 31. März 1683 ein Defensivbündnis mit Kaiser Leopold I. ein. Sobald ihn die Nachricht von dem türkischen Feldzug Richtung Wien erreichte, erließ der König das allgemeine Adelsaufgebot und machte sich auf den Weg, um die bedrohte Reichshauptstadt zu befreien.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Die Übergabe der grünen Fahne des Propheten Mohammed an
König Johann III. Sobieski nach der Schlacht um Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 4. September 1683 hielt er gemeinsam mit Karl V., Herzog von Lothringen Kriegsrat im Hardeggschen Schloss Juliusburg in Stetteldorf am Wagram. Am 7. September 1683 wurde das Heer des Heiligen Römischen Reiches unter Karl von Lothringen mit den polnischen Truppen in Tulln (ca. 30 Kilometer vor Wien) vereinigt und die Truppen marschierte gemeinsam auf das seit dem 15. Juli von den Osmanen belagerte Wien zu. In der Schlacht am Kahlenberg schlug Jan Sobieski als Befehlshaber von etwa 27.000 königlich-polnischen, 19.000 kaiserlichen, 10.500 bayrischen, 9.000 sächsischen und 9.500 südwestdeutschen Einheiten am 12. September 1683 die osmanische Armee unter Großwesir Kara Mustafa vernichtend. Damit wurde die türkische Besetzung der habsburgischen Länder verhindert.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Johann III. Sobieski.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 In der folgenden Gegenoffensive konnte das Königreich Ungarn den Osmanen entrissen werden. Sobieski als offizieller Hauptbefehlshaber des vereinigten Entsatzheeres zog unter dem Jubel der Bevölkerung als Türkenbefreier in Wien ein. In der Schlacht bei Párkány siegte er gemeinsam mit Karl von Lothringen erneut gegen die Türken. König Jan III. Sobieski war literarisch und sprachlich begabt und als Kunstsammler und Mäzen tätig. Sein Königspalast in Wilanów bei Warschau gilt als ein herausragendes Beispiel für den polnischen Barock. Eine weitere Residenz besaß die Familie im Schloss von Schowkwa.
Der Sarkophag Johann III. Sobieskis in der Krypta des hl. Leonhard in der Kathedrale von Krakau.
© www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at / Johannes Feichtinger
In die polnischen Literaturgeschichte gingen seine „Briefe an die Königin“ ein, die er beinahe täglich von seinen zahlreichen Feldzügen an seine Gattin schrieb. Dort zeigt sich Sobieski als ein warmherziger und literarisch begabter Privatmann. Er starb 1696 in der königlichen Residenz in Wilanów und wurde in dem Wawelschloss in Krakau begraben. 100 Jahre nach der Zweiten Wiener Türkenbelagerung, als Jan III Sobieski den Oberbefehl über die Entsatztruppen innehatte, stiftete ihm der letzte polnische König Stanisław August Poniatowski einen neuen Sarkophag. Seitdem befinden sich seine sterblichen Überreste in der Krypta des hl. Leonhard in der Kathedrale von Krakau.
Marco d'Aviano
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Statue des sel. Marco d’Aviano vor der Kapuzinerkirche in Wien.
© Rainer Lenius / austria-forum.org
Marco d'Aviano (eigentlich Carlo Cristofori), * 17. November 1631 Aviano, † 13. August 1699 Wien (1, Kapuzinerkloster, Grabstelle Kapuzinerkirche, Grabplatte vor dem Altar; links Denkmal von Michael Rieser, 1891), Kapuzinerpater, Bußprediger. Vom Papst 1690 als Missionsprediger nach Linz entsandt, hat der redegewaltige Mönch die Bekanntschaft Leopolds I. gemacht, mit dem er bis zu seinem Tod in dauerndem Briefwechsel stand; Leopold nannte ihn seinen „Freund und Berater" und stimmte mit ihm in religiösen und kirchenpolitischen Ansichten völlig überein.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Marco d'Aviano.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
1682 weilte Aviano erstmals in Wien, predigte in Gegenwart der kaiserlichen Familie bei St. Stephan und erteilte bei der Dreifaltigkeitssäule am Graben dem versammelten Volk den Segen. Als sich 1683 die Türken Wien näherten, berief der Kaiser den Prediger neuerlich nach Wien, damit er als Apostolischer Delegat beim kaiserlichen Heer die religiöse Vorbereitung zum Entsatz Wiens leite. Aviano bewegte Leopold I. dazu, auf die persönliche Führung des Entsatzheers zu verzichten, als Sobieski zu verstehen gegeben hatte, er würde lieber mit seinen Truppen umkehren als den Führungsanspruch aufzugeben.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Marco d'Aviano.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am 12. September 1683 las Aviano auf dem (heutigen) Leopoldsberg (damals noch Kahlenberg genannt) vor dem Entsatzheer die berühmte Messe (Gedenktafel), während des ganzen Kampftags befand er sich bei den Truppen. Auch in den folgenden Jahren nahm er an den Türkenkämpfen teil (1685 Neuhäusel, 1686 Ofen, 1687 Mohacs, 1688 Belgrad). Man kennt ihn aus zeitgenössischen Darstellungen, das Kreuz in der erhobenen Rechten, wie er an der Spitze der Soldaten gegen den Feind stürmt. Kurz vor seinem Tod kam er 1699 nochmals nach Wien.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Die Grabplatte Marco d'Avianos in der Kapuzinerkirche in Wien.
© www.klostergeschichten.at
P. Marco ist in der Kapuzinergruft in Wien bestattet. Am 10. Dezember 1912 wurde sein Seligsprechungsprozess eingeleitet; die Seligsprechung erfolgte am 27. April 2003. In der katholischen Kirche ist sein Gedenktag der 13. August. Der sel. Marco d’Aviano wird meist im Habit mit einem Kruzifix in der rechten Hand dargestellt, einem Attribut des geweihten Lebens. Marco d’Aviano wurde im Zuge der Jahrhunderte bei den Türkenbefreiungsfeiern in Wien als Held geehrt.
Das Osmanische Heer
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Osmanische Bogenschützen und Janitscharen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Eine Eliteeinheit in der türkischen Armee bildeten die Janitscharen. Ursprünglich setzte sich diese Truppe aus gefangenen Christenknaben zusammen, die in einer sorgfältigen Schulung zu fanatischen Streitern des Islam erzogen wurden. Die Janitscharen (osmanisch ‏یكیچری اوجاغی‎, İA Yeñiçeri Ocaġı, „Janitscharenkorps“, wörtlich „Feuerstelle der neuen Truppe“) waren im Osmanischen Reich die Elitetruppe. Sie stellten die Leibwache des Sultans und erreichten höchste Positionen im osmanischen Staatswesen.
Türkischer Säbel mit Scheide.
© Kunsthistorisches Museum Wien / www.khm.at
Die Truppen hatten ihren Ursprung im 14. Jahrhundert und wurden 1826 aufgelöst. Janitscharen wurden unter strikter Disziplin und harter Arbeit in acemi-oğlan-Schulen ausgebildet, wo sie dem Zölibat unterworfen waren und islamisiert wurden. Im Gegensatz zu freien Moslems durften sie nur einen Schnurrbart und keinen Vollbart tragen. Die Janitscharen gehörten als Armee dem Sultan und wurden so erzogen, dass sie das Korps als ihre Heimat und Familie und den Sultan als ihren Vater anerkannten. Nur diejenigen, die sich als stark genug herausstellten, verdienten sich den Rang eines echten Janitscharen im Alter von 24 bis 25 Jahren. Das Eigentum verstorbener Mitglieder ging auf das Regiment über.
Beutel, Bögen mit Köcher und Pfeilen türkischer Belagerer.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Janitscharen lebten ausschließlich für den Krieg. Sie heirateten nicht, sie hatten keinen Besitz und bezogen außer regelmäßigen Mahlzeiten so gut wie keinen Sold. Da die Janitscharen rechtlich als Militärsklaven (‏قول‎ / ḳul) galten, war der Sold vornehmlich von symbolischem Wert und stammte direkt aus der Kasse des Herrschers. Auf dem Kopf trugen sie eine kegelförmige, von einem Turban umwundene Filzkappe der Bektaschi-Mönche, ihre Beine steckten in hohen Schaftstiefeln, ihre wichtigste Waffe war der Kompositbogen, mit dem sie achthundert Meter weit zu schießen vermochten. Die Janitscharen machten die Infanterie aus, während die Sipahi die Kavallerie bildeten. Das Osmanische Reich setzte die Janitscharen in allen größeren Feldzügen ein, so 1453 bei der Eroberung Konstantinopels, dem Sieg über die ägyptischen Mamluken und den Kriegen gegen Österreich.
Sattel des Khan Murat Ghirai (Türkenbeute 1683) und Streitbeil von Sultan Muhammed III..
© Kunsthistorisches Museum Wien / www.khm.at
Dabei erwarben sie sich bald den Ruf, außerordentlich grausam gegen ihre Feinde zu sein. Die Janitscharentruppen wurden immer vom Sultan selbst in die Schlacht geführt und bekamen einen Anteil an der Beute. Die volle Stärke der Janitscharen-Truppe stieg von ungefähr 100 bis auf mehr als 200.000. Das Korps wurde in Kompanien (‏اورتا‎ / orta, wörtlich „Mitte“) mit 200–400 Männern organisiert. Süleyman der Prächtige hatte 165 Orta, später stieg die Anzahl auf 196. Der Sultan hatte das Oberkommando, geführt und organisiert wurde das Korps aber – nach der Einrichtung des Amtes durch Selim I. im Jahre 1515 – vom Ağa.
Türkisches Prunkzelt (Dreimastzelt 20m lang, 8m breit, 6m hoch).
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden - www.skd.museum / David Brandt
  Das Korps war in drei Divisionen unterteilt, den Cemaat (‏جماعت‎ /‚Gemeinschaft‘) mit 101 Orta, den Bölük (‏بلوك‎ / Kompanie) mit 61 Orta und den Segban (‏سگبان‎ /‚Hundewärter‘, auch sekbān, seğmen oder seyman) mit 34 Orta. Zusätzlich gab es 34 Orta mit Rekruten (‏عجمى‎ / ʿacemī). Ursprünglich konnten die Janitscharen nur innerhalb ihrer Orta aufsteigen und konnten ihre Einheit nur verlassen, indem sie das Kommando einer anderen annahmen. Sie durften nur von ihren eigenen Vorgesetzten bestraft werden.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Osmanische Reiterei.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Namen ihrer Ränge entsprachen denen des Küchenpersonals und der Begleiter des Sultans auf der Jagd. So trugen bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung die traditionsreichen Janitscharenkompanien Nr. 64 und Nr. 71 die bezeichnenden Namen Zağarcı (‏زغارجی‎ /‚Spürhundwärter‘) und Samsuncu (‏صامسونجی‎ /‚Doggenwärter‘). Zu den Stützen des Heeres zählte auch die reguläre türkische Reiterei. Sie setzte sich aus freien Bauern und kleinen bis mittleren Grundeigentümern zusammen, die vom Herrscher mit Gütern belehnt worden waren und dafür im Krieg Heerfolge leisten mussten. Sie waren keine Berufssoldaten.
Osmanische Waffen des 16. und 17. Jahrhunderts.
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden - www.skd.museum / David Brandt
Ihre Ausbildung war folglich mangelhaft und auch ihre von zu Hause mitgebrachte Ausrüstung, bestehend aus Säbel, Lanze und Pistole, war in den meisten Fällen veraltet. Allerdings besaßen sie eine hohe Kampfmoral. Sipahi (persisch ‏سپاهی‎, Sepāhī, Soldat, Reiterei, in Indien Sepoy) hießen im Osmanischen Reich die von den Inhabern der türkischen Kriegerlehen, den Timaren und Zaims, zu stellenden Reiter.
Pferde mit osmanischen Reitzeugen Ende 17. Jahrhundert.
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden - www.skd.museum / David Brandt
Für ihre Ländereien hatten die rotbemantelten Sipahi als Berittene im Heer des Sultans zu dienen. Die Sipahi-Abteilungen waren vom 14. bis zum 16. Jahrhundert eine Kerntruppe der osmanischen Armee. Stellt man sich das osmanische Heer als einen Halbmond vor, so wurden die Sipahi in den Spitzen dieses Halbmondes aufgestellt. Von dort sollten diese Reitertruppen den Feind umschließen und ihn gegen die Basis des Heeres drücken. An dieser Basis war das Fußvolk des Heeres, die Janitscharen, stationiert.
Roßschweife, Rangabzeichen türkischer Würdenträger.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Sipahi gab es seit Anfang des 14. Jahrhunderts. Die osmanischen Herrscher begannen ihre Krieger mit der Vergabe von eroberten Ländereien zu belohnen. Der Sipahi erhielt ein relativ kleines Landgut, das er in der Anfangszeit zum Teil noch selbst bewirtschaftete. Andere Teile wurden von Bauern der unterworfenen Völker (ra‘āyā = "die vom Herrscher Behüteten", Untertanen) für ihn bestellt. Im Gegenzug waren die Sipahi verpflichtet, für den Sultan in den Krieg zu ziehen, wann immer dieser sie dazu aufforderte. Ausrüstung und Pferd mussten die Sipahi selbst finanzieren. Je nach Größe ihres Timars hatten sie zusätzlich bis zu sieben Hilfssoldaten (cebeli) zu stellen. Der Sipahi musste seine Cebelis ausrüsten, für den Kampf trainieren und in der Schlacht führen. Anfang des 16. Jahrhunderts bestand der Kern des osmanischen Heeres aus etwa 40.000 Sipahis und 60.000 Cebelis. Mit diesem System gelang es den Sultanen, erheblich größere Heere als ihre christlichen Gegner aufzustellen.
Sipahi im linken Bild, rechts Janitscharen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Besondere Schwierigkeiten bereitete den Türken das Nachschubproblem. Da nach alter Tradition ein heiliger Krieg gegen die Ungläubigen von Istanbul aus angetreten werden musste, waren bis zum eigentlichen Einsatz der Truppen enorme Anmarschwege (bis Wien 1700 km!) zurückzulegen. edingt durch die geringe Marschgeschwindigkeit der Truppe, die durch ihren riesigen Tross (=Versorgungstruppen u.a.) behindert wurde, konnte man den Kampfschauplatz zumeist erst im Spätsommer erreichen, so dass für die kriegerischen Operationen nur wenig Zeit zur Verfügung stand, denn mit Einbruch der kalten Jahreszeit musste der Rückzug in die Winterquartiere angetreten werden.
Türkisches Militär, im linken Bild Offizier und Janitscharen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Für die Verpflegung der Heerscharen mussten riesige Proviantmengen mitgeführt werden. Um beweglicher zu sein, wurde das Gepäck auf das Nötigste beschränkt. Die schweren Belagerungsgeschütze wurden aus diesem Grunde in Istambul zurückgelassen. Im Frühjahr 1683 brach der Großwesir Kara Mustafa mit einer insgesamt mehr als 160.000 Mann starken Armee auf. Die Zahl der mitgeführten erfahrenen Kampftruppen betrug allerdings nur ca. 50.000 Mann, der Rest entfiel auf den Tross und mangelhaft ausgerüstete (und nicht immer kampfwillige) Hilfstruppen.
Türkisches Militär links, im rechten Bild Edeldame im Straßengewand, Sultana, Sultan und Tänzerin.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die zahlenmäßige Größe der Armada war mehr hinderlich als nützlich. Selbst auf guten Straßen kam die Armee nicht mehr als 15 Kilometer täglich voran. Die mitgeführte türkische Artillerie war für eine Belagerung nicht nur in ihrem Kaliber zu schwach, sondern zugleich hoffnungslos veraltet. Zum Teil wurden noch händisch bearbeitete Steinkugeln verschossen, während die kaiserliche Armee bereits Explosivgeschosse kannte.
Das Kaiserliche Heer
Kartaune der Wiener Verteidiger.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Kartaune ist ein Vorderlader-Geschütz aus der Zeit des 15./16. Jahrhunderts. Der Begriff Kartaune ist eine Eindeutschung des italienischen „quartana bombarda“ („Viertelbüchse“), deren Eisenkugel ein Viertel einer hundertpfündigen Hauptbüchsenkugel wog. Kartaunen glichen in ihrer äußeren Form einer Scharfmetze, hatten jedoch kleinere Kaliber und ein geringeres Gewicht. Sie wurden nach der Rohrlänge in lange Kartaune (sogenannte „Singerin“) und kurze Kartaune (sogenannte „Nachtigall“) unterteilt.
Halbharnisch von Erzherzog Leopold V. im linken Bild und Fußturnierharnisch
von Erzherzog Ferdinand II. von Innerösterreich, Sohn des Erzh. Karl II.
von Habsburg Österreich, ab 1619 Kaiser Ferdinand II..
© Kunsthistorisches Museum Wien / www.khm.at
Die Wiener Verteidigung verfügte über 130 Kartaunen und Doppelkartaunen mit einem Kaliber zu 40 Kilogramm und 11 Kolumbrinegeschütze mit einem Kaliber zu 5 Kilogramm (4 Okka). Trotz des chronischen Geldmangels war die kaiserliche Armee durchaus modern ausgerüstet und der türkischen Streitmacht waffentechnisch und organisatorisch überlegen.
Radschloss-Scheibenbüchse und Pulverflasche von Erzherzog Leopold V..
© Kunsthistorisches Museum Wien / www.khm.at
 Bewaffnet war die Österreichische Infanterie mit kurzen Stoßdegen und leichten Musketen, deren Reichweite ca. 200 Meter betrug. Einer aus 188 Musketieren bestehenden Kompanie waren noch acht Grenadiere zugeordnet. Diese waren mit gusseisernen oder gläsernen Handgranaten ausgerüstet, die, mit Schwarzpulver gefüllt, mittels einer Lunte gezündet wurden.
Kleine Radschlossbüchse mit Rauchfang von Kaiser Ferdinand III. von Habsburg.
© Kunsthistorisches Museum Wien / www.khm.at
Die berittenen Truppen setzten sich aus den Kürassieren und den Dragonern zusammen. Die Kürassiere waren Angehörige der schweren Reiterei. Als Ausrüstung besaßen sie pro Mann einen kurzen Karabiner, zwei Pistolen und ein gerades Schwert. Über einem dicken, bis zu den Knien reichenden Lederkoller trugen sie einen Brust- und Rückenpanzer (Küraß). Der Kopf war durch einen mit Nasen-, Wangen- und Nackenschutz versehenen runden Helm geschützt. Zur leichten Kavallerie zählten die Dragoner. Sie waren eigentlich berittene Infanteristen, die neben der berittenen Aufklärungstätigkeit auch für den Kampf zu Fuß oder in der Festung geschult waren. Sie besaßen keine Brustpanzerung und waren mit Kavalleriesäbel, Karabiner und zwei Pistolen ausgestattet.
Eisengeschnittener Prunkdegen und Mohrenkopfdegen im rechten Bild.
© Kunsthistorisches Museum Wien / www.khm.at
Hussaria (poln. Husaria) ist eine aus den Husaren entwickelte polnische Reiterei, die im 16. und 17. Jahrhundert die Hauptangriffsformation der polnischen Armee bildete. Ihre Aufgabe war es, in einem massiven Angriff die feindlichen Einheiten, ob Reiterei oder Infanterie, zu zerschlagen und zur Flucht zu zwingen. Die Bewaffnung der Hussaria bestand aus einem Reitersäbel, Brustpanzer, Schild (wurde bald abgeschafft), Lanze (von 4 bis 5,5 m lang, hohl und daher leicht) und Helm mit Nacken- und Nasenschutz. Ergänzt wurde sie zuerst durch einen Reflexbogen, später durch 2 Pistolen, einen Pallasch oder einen Kriegshammer (Nadziak) und den sog. „Koncerz“, eine 1,8 m lange Kreuzung aus Schwert und Lanze mit einer dreieckigen scharfen Spitze. Am Rücken oder Sattel wurden zum Teil zwei sogenannte „Flügel“ befestigt. Dies waren Holz- oder Stahlbügel mit daran befestigten Adlerfedern, die bis über den Kopf des Reiters hinausragten (daher die deutsche Bezeichnung „Flügelhusaren“).
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Rüstung polnischer Husaren der Sobieski-Truppen mit den Adlerflügeln.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Die Flügel sollen beim schnellen Ritt einer größeren Einheit ein deutlich hörbares Geräusch produzierten haben, wobei dies auch auf die charakteristischen und obligatorischen Stoffwimpel an der Lanzenspitze zurückzuführen sein konnte. Die Flügel sollten vermutlich die galoppierenden Husaren durch ihr Rauschen und Aussehen besonders furchteinflößend erscheinen lassen. Außerdem schützten sie den Rücken vor Säbelhieben und wehrten die von den feindlichen Tataren verwendeten Fanglassos ab. Wie die Flügel aufgekommen sind, bleibt rätselhaft, fest steht, dass sie nicht zwingend vorgeschrieben waren und auch öfter zum Paradieren als zum Kämpfen aufgezogen wurden.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683 Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Rüstung polnischer Husaren der Sobieski-Truppen mit den Adlerflügeln.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Lanze war der einzige Teil der Ausrüstung, der vom Staat finanziert wurde. Deshalb bestand die Truppe meist aus reichen Adligen und den von ihnen unterhaltenen Gefolgsleuten. Flügel waren bei Husaren nicht verpflichtend. Sie bestanden aus einer Eisenstange, auf der Adlerfedern knapp beieinander befestigt waren. Befestigt wurden sie entweder auf dem Rückenpanzer oder auf dem Sattel. Flügel dienten dazu die gegnerischen Pferde mit dem Geraschel der Adlerfedern zu verängstigen und sie somit unkontrollierbar zu machen. Die Pferde der Husaren wurden auf dieses Geräusch trainiert, damit sie nicht scheuten. Die Flügel dienten aber auch zum Schutz. Dadurch konnten Gegner die Husaren nicht am Rücken verletzten, und die hohen Flügel verhinderten, dass die Tataren ihre Lassos verwenden konnten.
Der Kahlenberg
Kahlenberg links und Leopoldsberg rechts von der Donau aus gesehen.
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Der Kahlenberg ist ein Berg (484 m) im 19. Wiener Gemeindebezirk (Döbling) an der Grenze zu Klosterneuburg und der bekannteste Aussichtspunkt auf Wien. Der Kahlenberg gehört zum Wienerwald und ist eine Sehenswürdigkeit Wiens sowie ein traditionelles Sonntagsausflugsziel der Wiener, da man vom Kahlenberg Aussicht auf ganz Wien und bei guter Sicht bis zu den Kleinen Karpaten in der Slowakei hat. Sein Gipfel überragt das Wiener Becken um etwa 320m.
Blick vom Kahlenberg auf die Ausläufer des Wienerwaldes westlich der Stadt Wien.
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Der Kahlenberg liegt in einem nordöstlichen Ausläufer der Ostalpen und ist geologisch der Flyschzone zugehörig, die aus Quarz- und Kalksandstein, Mergel und anderen Sedimenten zusammengesetzt ist. Der Hang zur nur 1½ km entfernten Donau hat stellenweise Neigungen von 45 bis 60 Prozent. Östlich des Kahlenbergs liegt der Leopoldsberg, hinter dem die Wiener Pforte liegt, das Durchbruchstal der Donau.
Waldweg am Kahlenberg.
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 Westlich befinden sich der Reisenberg, der Latisberg und der Hermannskogel. Auf der von Wien abgewandten Seite fällt das Gelände nach Klosterneuburg ab. Bis ins 17. Jahrhundert war der Kahlenberg unbewohnt. Ursprünglich hieß der Kahlenberg Sauberg oder Schweinsberg. Sein Name resultierte aus den zahlreichen Wildschweinen, die in den Eichenwäldern lebten.
Leopoldsberg links, Kahlenberg rechts, mit Blick auf die Neue Donau mit der Stadt Wien.
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Nachdem die von Leopold I. gestiftete Kapelle auf dem benachbarten Berg, der damals den Namen Kahlenberg trug, errichtet wurde und 1693 dem Heiligen Leopold geweiht wurde, bekam dieser den Namen Leopoldsberg. Der Josephsberg wiederum erhielt nun den Namen Kahlenberg. In der Schlacht am Kahlenberg begann der polnische König Jan III. Sobieski vom Kahlenberg aus den Kampf gegen die Wien belagernden Türken.
Die Wiener "Basteien"
Modell der Stadt Wien zur Zeit der Türkenbelagerung 1683.
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In Wien wurde für die Bastionen immer der Begriff Bastei verwendet. Im Nordosten wurde durch den Alserbach, im Süden durch den Wienfluss, der Graben mit Wasser gefüllt. Nur auf der nordwestlichen und westlichen Seite zwischen Augustinerbastei und Schottenbastei blieb der Graben trocken. Hinter den Bastionen wurden überhöhte Artilleriestellungen angelegt, die sogenannten Kavaliere, auch Katze genannt. Der vordere gemauerte Rand des Grabens, die Kontereskarpe, war sechs Meter tief und verlief im Zickzack; darauf ein gedeckter Weg, der durch Palisaden gegen das freie Vorfeld, das Glacis, abgegrenzt war.
Wien mit Vorstädten 1706.
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Ein Angreifer konnte also die Festung nicht im Sturm nehmen, sondern musste sich mit Gräben durchs Glacis an die Palisaden und den gedeckten Weg heranarbeiten. Diese mussten unterminiert, gesprengt und zusammen mit der Kontereskarpe in den Graben geworfen werden. Als Nächstes musste der Angreifer sich mit Tunneln hinunter in und durch den Graben eingraben, wo er von den Niederwällen, den Kaponnieren, dem Ravelin und den Basteien unter Beschuss stand. Zuletzt waren noch die Basteien, die Ravelins und die Stadtmauer zu unterminieren, zu sprengen und dann die Stadt im Sturm zu erobern. Die Burgbastei (der linke Flügel der Verteidiger, der rechte Flügel der Angreifer) war ein regelmäßiges Viereck mit je neun Kanonen, aber sie verfügte über keine Minenanlage. Hinter der Burgbastei war der Kavalier, die Spanierbastei, eine überhöhte Artilleriefestung.
Gonzabastei gegenüber der Leopoldstädter Taborstraße, mit dem Arsenalkanal.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Löwelbastei (der rechte Flügel der Verteidiger, der linke Flügel der Angreifer) war kleiner als die Burgbastei und dahinter der Kavalier, genannt die „Katze“, nahm nochmals Platz weg. Kritik: Die über 200 Meter lange Stadtmauer zwischen den Basteien war zu lang für einen wirksamen Kartätscheneinsatz. Dazu kam, dass der Ravelin etwas zu weit in den Graben vorgeschoben und etwas zu hoch gebaut war, sodass der Artilleriebeschuss im Graben hinter dem Ravelin von den Basteien nur eingeschränkt möglich war. Im Laufe der Zeit hatten die Basteien/Bastionen unterschiedliche Namen. Für die erste, 1544 errichtete bei der Dominikanerkirche und heute danach benannte, wurden auch die Namen Prediger- bzw. Hollerstaudenbastion verwendet, bzw. aufgrund ihrer Finanzierung durch die Stadt auch der Namen Bürgerbastion. Auf dieser Dominikanerbastei (heutiger Name des dort verlaufenden Straßenzuges) stand noch zur Verstärkung zusätzlich ein Kavalier.
Reproduktion einer Karte von Steinhausen aus dem Jahre 1710.
Links die Biber-Bastei. In der rechteckigen Ausnehmung nach rechts die „untere Fallen“
(stromabwärts), das spätere (neue) Rotenturmtor. Davor die kleine Gonzaga-Bastei.
Von der „unteren Fallen“ über die Donau geht die Schlagbrücke.
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Eine Kurtine – durchbrochen vom Stubentor – führte dann zur sogenannten Braunbastei (früher auch nach dem nahegelegenen St. Jakobskloster Jakoberbastion und im 16. Jh. auch Untere Paradeisbastion genannt). Davor war etwa um 1660 als freistehendes Ravelin das sogenannte Stubenschanzl angelegt worden (1821 dann demoliert). Der heutige Straßenname Stubenbastei tauchte erst ab 1795 als Bezeichnung für die Häuserzeile innerhalb der Mauer auf, und nach der Demolierung 1862 dann ebenfalls für den dort entstandenen Straßenzug, der heute die Grenze der Altstadt zur Rasterverbauung der Ringstraßenzone markiert.
Fundamente des Stubentors in der Station.
Bild aus "Auf den Spuren der Wiener Stadtmauer"
©  Familie Eichinger - www.eichinger.ch
Nach einer weiteren Kurtine (mit vorgelagertem Ravelin namens Dachsloch) folgte als südöstliches Eck der Stadtbefestigung die Wasserkunstbastei. Benannt wegen ihres in einem hölzernen Turm untergebrachtes Pumpwerk, das ab dem 16. Jh. Wasser aus einem Wienflußarm in die Stadt beförderte. Bautechnische Probleme (wegen des Wienflusses) bereitete lange Zeit die Kurtine zur Kärntnertor-Bastei. Erst 1552 ist dieser durch die Reichsstände finanzierte wichtige Eckpfeiler der Befestigung samt Kavalier vollendet. Sie ersetzte auch den alten Kärntnertorturm, der bei der Türkenbelagerung besonders schwer beschädigt worden war. Das Neue Kärntner Tor (in Fortführung des heutigen Straßenzuges) wurde in die Kurtine und über eine Brücke mit dem Kärntnerravelin verbunden errichtet.
Äußeres Burgtor, das einzig übriggebliebene Tor.
© www.klostergeschichten.at
Die etwa 250 Meter bis zur Burgbastei waren lange ein Provisorium. Oft kam es bei der als Erdaufschüttung errichten Kurtine zu Rutschungen. Erst 1596 mit wieder aufbrechender Türkengefahr wurde hier weiter ausgebaut. Eine 340 Meter lange Kurtine (vorgelagert – etwa am Platz des heutigen Burgtheaters – lag die Schanz vor dem Burgtor). Danach kam die 1544 errichtete Löwelbastei (ursprünglich als Römisch Königliche Majestät Bastei – dann wegen der Nähe zum Niederösterreichischen Landhaus auch Landschaftsbastei genannt). 1649 bekam sie ihren heutigen Namen – der eine Verballhornung von Löblbastei ist – benannt nach einem Stadtguardiaobristen.
Abgang in die Kasematten der Coburgbastei in der Eingangshalle das Hotels Palais Coburg.
Bild aus "Auf den Spuren der Wiener Stadtmauer"
©  Familie Eichinger - www.eichinger.ch
Bereits 1596 gemauert war die Kurtine hin zur Mölkerbastei (Name vom nahen Melkerstiftshof – sie hieß früher auch Schottenbastion – ebenfalls nach dem benachbarten Kloster), die ebenfalls von einem Kavalier überragt wurde. Sie reichte etwa bis zur Hauptrampe der heutigen Universität am Ring – die heute noch vorhandenen Mauerreste stammen von der Kurtine. Das Schottentor, das sich bis dahin im Schottenturm befunden hatte, wurde in der folgenden Kurtine und mit einer hölzernen Brücke über das vorgelagerte Schottenravelin geschützt, erst bis 1656 errichtet. Der folgende Abschnitt wurde auch erst zwischen 1630 und 1656 gemauert.
Veranstaltungsraum in den Kasematten der Coburgbastei.
Bild aus "Auf den Spuren der Wiener Stadtmauer"
©  Familie Eichinger - www.eichinger.ch
Bautechnisch befand man sich danach Richtung Donau in einem schwer zu bebauenden Abschnitt. Der Bau der Elend- oder auch Eckbastion (Bauende 1561 durch Mittel der Reichsstände finanziert) war durch das abfallende feuchte Terrain erschwert. Der vorher dort stehende alte Judenturm wurde auch wegen des dorthin verlegten Arsenals als Pulverturm weiterverwendet. Durch die folgende Kurtine zur Neutorbastei führte das Neutor, das 1558 das mittelalterliche Werdertor ersetzte. Auch hier wurde es durch ein vorgelagertes gleichnamiges Ravelin geschützt. Von der Neutorbastion bis zur Biberbastion erstreckte sich die Donaufront der Stadt.
Foto vom Werdertor beim Abriss um 1880.
© Wiener Stadt- und Landesarchiv
Das aufgeschüttete Ufer wurde bebaut mit dem Ravelin Wasserschanzl, wo auch das Fischertor an der linken Flanke aus der Großen Gonzagabastei (früher auch Donaubastei) herausführte; danach war in der Kurtine das Wassertor (etwa beim heutigen Schwedenplatz) und die Kleine Gonzagabastei (ab etwa 1795 auch Rotenturmbastei genannt – demoliert 1858/59). Es folgten bei der Schlagbrücke zur Leopoldstadt dann das Neue Rotenturmtor und das Laurenzertor. Die Ecke bildete die erst 1563 vollendete Biberbastion (1863/64 abgebrochen). Dort war schon 1529 der Biberturm (Pyberturm) ausgebaut worden. 1602 wurde sie durch das vorgelagerte Judenschanzl (mit dem Mauttor) und 1650 das Biberschanzl (1818 abgetragen) verstärkt.
Folgen der Belagerung
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Stern und der Halbmond des Stephansdoms.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
1683 wurden der Stern und der Halbmond am Stephansdom, der seit 1519 dort die Spitze zierte (damals allerdings nicht als osmanisches Symbol angebracht), heruntergenommen und durch ein Kreuz ersetzt. Kaiser Leopold I. und König Jan Sobieski trafen sich zu Pferde in der Nähe von Schwechat. Das Verhältnis beider Herrscher zueinander war etwas gestört. Der Ruhm der gewonnenen Entsatzschlacht ging an König Sobieski, da der Kaiser die Führung vertraglich hatte abtreten müssen, um die Unterstützung der Polen zu erhalten.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Denkmal im Wiener Türkenschanzpark für die ukrainischen Kosaken,
die 1683 unter Führung des polnischen Königs Sobieski einen wesentlichen Beitrag
zur Befreiung Wiens von den Türken geleistet haben.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
An der Stelle, an der sich die beiden Herrscher trafen, wurde später das sogenannte Kugelkreuz aufgestellt. Es ist ein auf vier Türkenkugeln ruhender Obelisk. In Schwechat wurde von den alliierten Truppen eine Parade abgehalten. Die Kurfürsten von Bayern und Sachsen zogen anschließend mit ihren Truppen wieder ab. Erst am 18. September begannen König Sobieski und Herzog Karl V. mit der Verfolgung der geschlagenen osmanischen Streitkräfte.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Gedenktafel am Kahlenberg.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Da aber die Fliehenden nicht sofort verfolgt worden waren, konnten sie sich bei Párkány wieder sammeln. Entgegen den Empfehlungen von Herzog Karl V. und ohne auf weitere kaiserliche Truppen zu warten, die einen Tagesmarsch hinter den polnisch-österreichischen Truppen zurücklagen, zog König Sobieski am 7. Oktober Richtung Párkány. Der König, alle Warnungen ignorierend, vertraute den Berichten osmanischer Gefangener, dass die Garnison in Párkány nur sehr klein sei.
Heidenschuß, Freyung Wien, Plastik an der Ecke Heidenschuß-Strauchgasse.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Er wusste aber nicht, dass sich dort bereits ein 40.000 Mann starkes osmanisches Kontingent versammelt hatte, das zu großen Teilen aus Truppen bestand, die nicht an der Schlacht um Wien teilgenommen hatten. Die Vorhut, unter dem Kommando von Stefan Bidziński, wurde sofort in ein Gefecht verwickelt und fast vollständig aufgerieben (circa 2.000 Mann).
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Tafel im Türkenschanzpark in Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die fliehenden Reste der Vorhut sehend, ließ der König seine Infanterie und Artillerie hinter sich und stellte sich mit nur 4.000 Mann Hussaria dem zahlenmäßig überlegenen Feind entgegen. Die in aller Eile aufgebaute polnische Front war aufgrund der fehlenden Infanterie und Artillerie nicht zu halten und brach schließlich zusammen. Nach Auflösung der polnischen Kavallerie zogen sich die Polen fluchtartig zurück. König Sobieski entkam nur mit großer Mühe dank der Hilfe seiner tatarischen Hilfstruppen unter Kommando des Lipka-Tataren Oberst Samuel Mirza Krzeczowski.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Gedenktafel am Leopoldsberg.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Zwei Tage später, am 9. Oktober, nach erfolgter Verstärkung der polnischen Hussaria durch Infanterie, Artillerie und kaiserliche Truppen, wurden die Osmanen in der zweiten Schlacht bei Párkány durch Sobieski geschlagen. Am 21. Oktober eroberten die kaiserlichen Truppen und die Polen Gran. Großwesir Kara Mustafa hatte die Schlacht um Wien trotz dreifacher Übermacht verloren. Durch die sich anschließenden Eroberungen im Zuge des Großen Türkenkrieges in Süd-Osteuropa stieg das Haus Österreich auf Kosten des Osmanischen Reiches zur europäischen Großmacht auf.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
Wahlwerbung der FPÖ von 2010.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Türkenbelagerung als Thema in der neueren Zeit. So hat die FPÖ beispielsweise bei Wiener Wahlen 2010 ein Heftchen („Sagen aus Wien“) in alle Haushalte verteilt, das bei seinem ersten Kapitel über die zweite Türkenbelagerung Wiens „erzählt“. In den 6 Seiten stolpert man über viele klischeehafte, diskriminierende Stellen, welche Assoziationen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen versuchen. Zahlenmäßig überlegen sind in Wien Denkmäler über die Türkenbelagerungen vorzufinden – mehr als 200 Straßennamen, Gedenktafeln und Denkmäler.
Die zweite Türkenbelagerung Wien 1683
"Türkenkugel" und "Türkenkugel-Erinnerungstafel".
Linke Wienzeile 174 / Morizgasse 2, 1060 Wien.
© Ewald Judt / austria-forum.org
Als Dank für die Befreiung Wiens wurde in der Katholischen Kirche am 12. September das Fest Mariä Namen eingeführt. Papst Innozenz XI. (1676–1689) setzte den Festtag für die ganze Kirche verbindlich fest, nachdem am 12. September 1683 die vereinigten christlichen Heere unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Johann III. Sobieski die Zweite Wiener Türkenbelagerung mit der siegreichen Schlacht am Kahlenberg vor Wien beendet hatten. Dem Heer wurde das Banner mit der Schutzmantelmadonna vorangetragen. Papst Pius X. verlegte das zunächst für den Sonntag nach Mariä Geburt (8. September) vorgeschriebene Fest Mariä Namen auf den 12. September, den eigentlichen Siegestag.
"Kipferl" und "Kaffeehaus"
Der Legende nach sei es in Wien als Hohn auf die erfolglose Zweite Türkenbelagerung entstanden. Dass die Form des Kipferls mit dem türkischen Halbmond im Zusammenhang steht, ist jedoch nicht nachweisbar. Man übersieht gerne, dass Wien nicht nur die Heimat des Croissants, sondern auch des Bagels ist. Bagels sind eine jüdische Erfindung und wurden beliebt, nachdem ein jüdischer Bäcker König Jan Sobieski, der bei der zweiten Türkenbelagerung Wien von den Türken entsetzt hatte, einige davon serviert hatte. Aus derselben Zeit stammt das Kipferl (Croissant), dessen halbrunde Form an den Halbmond der Türken erinnern soll. Als Maria Theresias Tochter Marie Antoinette den zukünftigen französischen König Ludwig XVI. heiratete, fand es seinen Weg nach Frankreich. In der Inneren Stadt, in der Grünangergasse 8, gibt es einen Eingang mit geschnitzten Semmeln, Kipferln und Brezeln, der zum so genannten Kipferlhaus gehört. Der Legende nach soll hier 1683 das erste Kipferl gebacken worden sein. Die einzige Kirche außerhalb der alten Wiener Stadtmauern, die die zweite Türkenbelagerung von 1683 überlebte, war die Servitenkirche in der Servitengasse 9. Sie besitzt nicht nur prachtvolle barocke Stuckverzierungen und war die erste Kirche der Stadt mit einem ovalen Kirchenschiff, sondern auch eine Kapelle für den hl. Peregrin, ein Servitenmönch, der Brot an die Armen verteilte. So genannte Peregrinikipfel wurden in Wien vom 6. April bis zum 6. Mai verteilt, seit ein Bäcker den Heiligen ehrte, indem er an die Armen Brot austeilte.
Zu den blauen Flaschen (Schlosser Gassele), Altwiener Kaffeehausszene.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Das Kaffeehaus, eine Wiener Institution ersten Ranges, um die sich Anekdoten und Gerüchte en masse ranken. Gleich am Anfang steht eine Legende: Nach der Belagerung Wiens anno 1683 hätten die Türken Säcke voll unscheinbarer graugrüner Bohnen zurückgelassen, deren sich ein gewisser Kolschitzky annahm; er sei damit – zum Dank für seine hilfreichen Kundschafterdienste – der erste Wiener Cafetier geworden. Soweit eines der Lieblingsgerüchte der Wiener. Indes, nicht der polnische Spion Kolschitzky, sondern ein armenischer Kaufmann namens Deodato hat erwiesenermaßen das erste Kaffeeschankprivileg erhalten, und zwar 1685. Und noch lange blieben armenische Kaufleute führend in der Kaffeesiederbranche der Stadt. Kein Gerücht ist ferner, daß sich dieses Gewerbe rasch der (vorerst ausschließlich männlichen) Publikumsgunst erfreute.
Georg Franz Kolschitzky (polnisch Jerzy Franciszek Kulczycki).
Rechts im Bild: Kolschitzky-Denkmal am Haus Favoritenstraße 23 in Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Während der Belagerung Wiens durch das türkische Heer unter Befehl des Großwesirs Kara Mustafa zwischen 15. Juli und 13. September 1683 gehörte Kolschitzky einer polnischen Einheit unter dem Befehl des polnischen Königs Jan III. Sobieski an. Als die Truppen von Großwesir Kara Mustafa im Jahr 1683 die Wienerstadt belagerten, schlug seine große Stunde als Kundschafter: Kolschitzky wagte sich mit seinem serbischen Diener Đorđe Mihajlović, als Türke verkleidet, durch die Linien der Belagerer und kehrte mit der Meldung zurück, dass sich das Entsatzheer bald in Marsch setzen werde. Daraufhin wurde er in den Rang eines kaiserlichen Dolmetschers erhoben, erhielt eine ständige Besoldung und bekam ein Hofquartier zugeteilt. Auf Grund seiner Leistungen während dieser zweiten Belagerung durch die Osmanen wurde Kolschitzky mit dem Titel eines Kaiserlichen Dolmetschers ausgezeichnet. Dass Kolschitzky das erste Wiener Kaffeehaus im damaligen Schlossergassel (heute: Stock-im-Eisen-Platz 4) eröffnete, ist eine willkürliche Erfindung, die der Piaristenpater Gottfried Uhlich 1783 in seiner Chronik Geschichte der zweyten türkischen Belagerung Wiens, bey der hundertjährigen Gedächtnißfeyer in die Welt setzte. Nach neueren Erkenntnissen wurde das erste Wiener Kaffeehaus durch Johannes Theodat am 17. Jänner 1685 eröffnet. Erst ein Jahr danach erhielten drei ehemalige Kundschafter der Türkenbelagerung, darunter Kolschitzky, ebenfalls das Privileg des Kaffeeausschanks.
Der Prüfstand für die Kaffee-Qualität: Der "große Braune"
- ein doppelter Espresso mit etwas Milch und dem Glas Wasser.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Cafe Sperl
Anders als in einem gewöhnlichen Café war es im Wiener Kaffeehaus durchaus üblich, dass ein Gast, der nur einen Kaffee bestellt hat, stundenlang an seinem Tisch sitzen bleiben durfte und die vorhandenen Zeitungen ausgiebig studierte oder als Schriftsteller hier arbeitete. Die Zeitungen waren auf Zeitungsständer-Gestellen, die üblicherweise aus dünnem Bugholz gefertigt waren, aufgespannt. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden von den führenden Literaten des Landes verschiedene Kaffeehäuser nicht nur als Orte des Gedankenaustausches genutzt, sondern auch direkt zum Schreiben, man spricht von Kaffeehausliteratur. Der um 1900 erschienene Illustrierte Wegweiser durch Wien und Umgebungen, der Wien-Besucher auch über die Funktion der Wiener Kaffeehäuser informierte, definierte diese Institution so:
"Für das gesellschaftliche und theilweise auch für das geschäftliche Leben von Wien sind die Kaffeehäuser von der höchsten Bedeutung. Namentlich in den Nachmittagsstunden vollzieht sich in denselben ein nicht unbedeutender Theil des Verkehrs, und das ‚Stamm-Kaffeehaus‘ ist ein Zusammenkunftsort."
Das Wiener Kaffeehaus ist als gastronomische Einrichtung eine typische Wiener Institution, die bis heute ein wichtiges Stück Wiener Tradition bildet.
Die Wiener Kaffeehauskultur gehört seit 2011
zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
 
 
 
 
 
 
Weg der Erinnerung
Der „Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt“ führt zu vielen für das frühere jüdische Leben in der Leopoldstadt bedeutsamen Orten und macht die Geschichte der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung sichtbar.
Der Erinnerungsweg ist ausschließlich im „öffentlichen Raum“ angelegt.
Er kann mit Hilfe des Folders und der Begleitpublikation auch ohne Begleitung begangen werden. Seit 2015 führt auch ein GPS-gesteuerter Multimedia-Guide zu den Steinen der Erinnerung. In Bild, Schrift und Ton erfährt man übers Smartphone oder Tablet die Geschichte der Personen, derer gedacht wird.

steinedererinnerung.net

 
 
Im Etablissement Nestroy-Säle, das sich im unteren Teil des Hauses befand, 1899 eröffnet wurde und ein bekanntes Wiener Vergnügungsetablissements war, gab es ein Wirtshaus, eine Bierhalle, ein Restaurant in Form eines Wintergartens und im Keller die Tanzbar Sphinx sowie einen Theatersaal
Die Abendkassa hat an den Vorstellungstagen
ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn für Sie geöffnet.
2003 wurde eine Zwischendecke entfernt und dabei ein unversehrtes, zentrales Auditorium und eine Theaterbalkon-Ebene für mehr als 250 Personen entdeckt. Zwischen 2004 und 2007 fanden in unregelmäßigen Abständen kulturelle Veranstaltungen statt.
Nestroyplatz 1, 1020 Wien
Telefon: +43 (0) 189 00 314
E-Mail: contact@hamakom.at
www.hamakom.at
 
 
Johann Strauss
Wohnung
W i e n   M u s e u m
Johann Strauß (1825 – 1899) war der erfolgreichste Spross der Walzerdynastie und als solcher zwangsläufig der härteste Konkurrent seines Vaters. Er lebte in der kurz zuvor zur mondän-eleganten Praterstraße ausgebauten ehemaligen Jägerzeile in den Jahren 1863 bis 1870.
Die wichtigste mit dem Haus Nr. 54 verbundene Komposition ist das als "inoffizielle österreichische Hymne" bezeichnete Opus 314, der Walzer "An der schönen blauen Donau".
Zu den zahlreichen Exponaten der Musikerwohnung gehört eine kostbare Amati-Geige, welche einem Zertifikat von 1911 zufolge aus dem Besitz des Walzerkönigs stammt.
Praterstraße 54, 1020 Wien
Telefon: +43 (0)1 214 01 2
E-Mail: office@wienmuseum.at 
www.wienmuseum.at
 
 
Türkenbelagerung 1683
Die Hauptarmee der Osmanen traf am 13. Juli 1683 in Schwechat ein und am nächsten Tag wurde die Zeltstadt halbkreisförmig zwischen St. Marx und Oberdöbling errichtet. Die Prunkzelte Kara Mustafas standen auf der heutigen Schmelz.
Bild oben: Angriff der Türken von der Donau auf Leopoldstadt bei der Taborbrücke. Im Jahre 1683 publizierte Nicolaas Visscher II  eine Serie von 10 Drucken über die erfolglose  Belagerung Wiens durch die Türken im gleichen Jahre.
Am späten Nachmittag des 11. September wurde die Schlacht entschieden, als die Kavallerie, insbesondere die durch König Johann III. Sobieski geführte polnische Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab ins feindliche Lager eindrang. Wien war gerettet.
 
 
 
 
 
 
Klostergeschichten.at
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Die schönsten Wiener Lieder  
 
 
 
 
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